Jonas und ich haben eine Liste mit Urlaubszielen, die wir ansteuern möchten und Skandinavien steht da schon ziemlich lange drauf. Kopenhagen hatten wir uns für ein paar Tage schon einmal angesehen. Mit dem Nachtzug nach Stockholm steht noch auf der Liste. Und ja, Skandinavien ist verdammt teuer.
Jetzt wollten wir uns aber auch die Natur ansehen und ins eher dünner besiedelte Hinterland vordringen. Es lag daher nahe einen Campervan zu mieten, so dass wir nicht nur mobil sind, sondern auch auf sehr teure Restaurantbesuche verzichten können.
Unsere Wahl fiel auf Roadsurfer. Die sind auf so Gelegenheits-Hipser-Van-Camper wie uns eingestellt und boten uns mit der “Camper Cabin Deluxe” einen nicht all zu brutal großen Ford Nugget an, mit aus unserer Sicht gerade so ausreichend breitem Bett im Dach, einer kleinen Küche und – das ist der Deluxe-Teil – einer fest verbauten Campingtoilette. Wir hatten Glück und erhielten einen Neuwagen. 2026 erst zugelassen, aber schon verbeult und zerschrammelt. Naja, uns ja egal, solange die Kiste fährt. Und ja, neu genug eben, dass sie innen noch nicht total vergammelt ist. Der Küchenbereich ist überraschend groß und mit ausgeklapptem Dach entsteht ein gutes Raumgefühl.



Die Übergabe war etwas wild. Wir prüften das Auto auf Herz und Nieren und ließen allerhand noch nicht aufgeführte Mängel nachtragen. Der zuständige Mitarbeitende von Roadsurfer schien sich mit der Karre nur bedingt gut auszukennen und wusste zum Beispiel nicht wie der Grauwassertank* abzulassen sei. Laut Anzeige war dieser noch zu 66% gefüllt. Er fand den Hebel nicht und vermerkte die Anzeige als Mangel im Übergabeprotokoll. Wir fanden später in Schweden heraus, wie sich der Tank entleeren ließ und prompt stimmte auch die Anzeige wieder.
Im Auto selbst ist so viel Technik verbaut, dass es sich quasi von selber fährt: Tempomat und Abstandshalter kümmern sich um die Geschwindigkeit, der Spurhalteassistent lenkt mit. Es droht schon fast die Gefahr auf Grund der Unterforderung unaufmerksam zu werden.
Die Versicherung zur Redzuierung der Selbstbeteiligung hatten wir übrigens nicht teuer über Roadsurfer dazugebucht, sondern sehr viel günstiger über Rental Cover abgedeckt.
Wir holten mein altes Campinggeschirr aus dem Keller, das mir auf zahlreichen Festivals so treue Dienste geleistet hatte. Ein bisschen freut es mich, dass es wieder zum Einsatz kommt. Als zweite Garnitur half uns Michael mit seiner Ausstattung aus. Ich hatte außerdem bei Tchibo günstig eine Handmühle für Kaffeebohnen erworben sowie einen zusammenklappbaren Kaffeefilterhalter. Ich war in Yunnan auf den Geschmack gekommen meinen frisch gemahlenen Kaffee direkt in die Tasse zu filtern. So konnte die Mokka zu Hause bleiben und der Wasserkessel kochte morgens Wasser für Jonas’ Tee und meinen Kaffee gleichzeitig.
Juli / August ist absolute Hauptsaison in Schweden, aber meine Therapieferien sind nun mal jetzt. Um uns Stress bei der abendlichen Stellplatzsuche zu ersparen, planten wir im Vorfeld die gesamte Route incl. Stellplätzen durch. Hier erwies sich die Motorradapp Kurviger wieder als sehr hilfreich, weil sich hier übersichtlich Wegpunkte und Entfernungen für eine Rundtour planen lassen.

Die Fähre nach Göteborg verwarfen wir aus Preisgründen und schipperten stattdessen als erstes über Nacht von Travemünde nach Trelleborg, um dann das erste Stück bis kurz vor Göteborg zu fahren. Auf die einzelnen Campingplätze gehe ich in weiteren Blogposts ein.
Was ich aber nach den ersten Tagen unterwegs schon sagen kann: Ich verstehe jetzt, wieso Schweden so ein angesagtes Campingziel ist. Ja, Jedermannsrecht, etc., aber wir legen es ja noch nicht mal darauf an irgendwo in der Pampa wild zu campen, sondern sind stets ganz gesittet auf gebuchten Plätzen. Aber unabhängig davon fällt die schiere Anzahl Campingmobile, die unterwegs sind, auf. Auch außerhalb von Campingplätzen gibt es Stellen, an denen wir kostenlos Trinkwasser zapfen können. Mit der App park4night finden wir schöne, gut gelegene Parkplätze, wo wir uns entspannt für eine Mittagsrast entfalten können. Parkplätze sind oft darauf ausgerichtet, dass hier Selbstversorger angenehm Pause machen wollen. Es gibt kostenlose öffentliche Toiletten, die in aller Regel in einem sehr anständigen Zustand sind. Ich freue mich ja immer über Unisex-Toiletten und noch mehr darüber, wenn das Waschbecken mit der Toilette in der Kabine fest verbaut ist – für menstruierende Menschen wirklich gold wert!
Wir sind außerdem zu coop Stammkund*innen geworden. Das war zufällig der erste Supermarkt in den wir reingelatscht sind. Da kennen wir uns jetzt aus, dabei bleiben wir jetzt und statten uns regelmäßig mit frischem Gemüse und Brot aus.
* Grauwasser ist so ein Wort, das ich neu lernen durfte. Eigentlich Abwasser, aber im Camping heißt das eben Grauwasser und wird im Auto in einem extra Tank gesammelt. Einige Campingplätze haben eine Stelle, wo wir mit dem Auto über ein Loch im Boden fahren können, um den Tank dort direkt in den Boden zu entleeren. Wenn es das nicht gibt, muss der Tank in einen Behälter entleert werden und von dort in ein großes Waschbecken. Es kann also sinnvoll sein einen extra Behälter mitzuführen, der unter das Auto passt und in den das Grauwasser abgelassen werden kann.
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