Ich sitze gerade unfreiwillig in Amsterdam fest. Zugegeben, es gibt schlimmere Orte an denen mensch festsitzen könnte, aber ich wäre schon eigentlich lieber jetzt wie geplant auf meinem Flug nach Kunming. Aber nützt ja nix.
Ich startete gestern wie geplant von Hamburg nach Amsterdam. Nur konnte der Flieger in Hamburg nicht starten, weil auf dem Weg nach Hamburg ein Vogel in die Turbine geraten war und zuerst notwendige Sicherheitschecks durchgeführt werden mussten (bin ja an sich froh, dass es diese Sicherheitsmaßnahmen gibt). Bis die alle durch waren, hatte sich unsere Verspätung auf 1,5 Stunden summiert und mein ohnehin schon knapper Anschluss in Amsterdam verknappte sich auf 15 Minuten. Per Durchsage im Flieger wurden wir auch informiert, dass der Flug nach Shanghai nicht mehr erreicht werden könne.
Ich rannte trotzdem. Und wie ich rannte! Hakenschlagend durch die Menschen, durch die Priority Lane in der Passkontrolle und ich schaffte es. Ich sah mein Flugzeug, das mich nach Shanghai bringen sollte. Aber das Personal ließ mich nicht mehr durch. Ich wurde schon umgebucht und daran ließe sich jetzt nichts mehr machen.
Und dann realisierte ich, dass ich auf einen Flug am späten Abend des nächsten Tages umgebucht wurde. Via Seoul nach Kunming. Aber eben erst heute, Sonntag, um 21:30 Uhr. Ankunft dann in Kunming spät abends am Montag, 4.8. Ich verpasse also den Start meines Kurses. Das wollte ich nicht akzeptieren und verbrachte sehr viel Zeit in der Warteschlange des KLM Transfers. Hier erlebte ich unfassbar hilfreiches Personal, das versuchte Dinge möglich zu machen und im krassen Kontrast auch sehr nicht hilfreiches Personal. Es gab insgesamt an dem Hilfeschalter auch nur sehr wenig menschliche Hilfe, da erwartet wurde, dass mensch sich selber hilft mittels der KLM Selfservice Counter. Der Computer konnte mit meinem Buchungscode und Pass aber nichts anfangen und druckte mir nur einen Zettel aus, dass ich mit einem Menschen sprechen solle. Und diese Schlange war sehr lang. Im Laufe der sehr langen Wartezeit lernte ich, dass ich auf einen Flug von Korean Airlines umgebucht wurde und daher am KLM Schalter nicht weiterkomme. Eine nicht hilfreiche Dame sagte mir, ich müsse meine Buchung mit Korean Airlines klären. Als ich ihr sagte, dass ich nie freiwillig Korean Airlines gebucht hätte, sondern KLM mich dahin umgebucht hat, zuckte sie nur die Schultern und ließ mich stehen. Also kämpfte ich mich zu der anderen bewundernswert geduldigen Frau durch, die mir dann mittels ihr bekanntem Code aus dem blöden Computer eine Wartenummer gab, mit der ich mich dann erneut anstellen konnte. Nach weiteren 1,5 Stunden Wartezeit sprach ich endlich mit einer Person, der technisch Möglichkeiten zur Verfügung standen, meine Buchung zu ändern. Nur leider scheiterte es an freien Plätzen in Flugzeugen für meine letzte Meile nach Kunming. Ich würde also nur in einer anderen chinesischen Stadt festhängen und wäre am Ende vermutlich auch nicht schneller am Ziel. Irritierenderweise spuckte Google mir eine Verbindung von Amsterdam via Beijing nach Kunming aus, die ich auch kaufen konnte für 1.800 EUR (Economy). Aber die Dame teilte mir mit in dem Flug Beijing – Kunming sei nichts mehr frei. Also vermutlich overbooking und ich säße dann in Beijing fest.
Ich musste es also akzeptieren die Nacht über in Amsterdam festzusitzen. Das dauerte kurz zu verdauen. Mein Gepäck verblieb am Flughafen, keine Chance, meinen Rucksack zu bekommen. In meinem Handgepäcksrucksack hatte ich aber ja das notwendigste an Wechselkleidung und Hygieneartikeln dabei. Übrigens habe ich mich erneut unterboten. Mein aufgegebener Rucksack wiegt 11,3 kg lt. Waage am Hamburger Flughafen. Ich werde also immer besser. Für meine eigene Doku habe ich mal festgehalten, was ich eingepackt hab (beide Rucksäcke):

Ich verließ erstmal den sicheren Bereich des Flughafens und suchte mir irgendwo eine Sitzgelegenheit, um mir die Erstattungsregeln von KLM für diesen Fall durchzulesen und mir in dem Rahmen ein Hotel zu suchen. Da mein Flug am Sonntag erst spät abends ging, entschied ich mich für das Novotel Amsterdam City, das eine gute ÖPNV Verbindung ins Zentrum hat, so dass ich den Sonntag noch in der Stadt verbringen könne. Was soll ich da am Flughafen abhängen?
Das hieß aber auch: Erstmal Vorleistung. Hotel: 240 EUR. Es schüttete, also gönnte ich mir ein Taxi: 55 EUR. Das muss halt auch erstmal alles drin sein.
Hier wieder sehr freundliche Menschen, die mich emotional auffingen. Der Taxifahrer ließ mich wissen, es sei Pride in Amsterdam und ich würde bestimmt Spaß haben auf der Party. Und Makeup brauch ich auch nicht, ich sei auch so hübsch und bei dem Regen verwischt Makeup eh nur. Er war erfrischend unaufdringlich und wollte mich wirklich nur aufbauen. Ich konnte das sehr annehmen und gut gebrauchen in dem Moment.
Im Hotel war ich nicht die einzige, die dank Flugchaos gestrandet war. Mein Zimmer wurde upgegraded, ich bekam wortlos lächelnd eine Zahnbürste rübergeschoben (ich hab eine eigene mit, aber nahm sie trotzdem dankbar an) und mein Abend war gerettet, als ich erfuhr, es gibt eine Sauna.
Ich entschied mich also gegen Party – so allmählich bekam ich auch Migräne von dem Stress – und für Essen im Hotel, Sauna und früh schlafen gehen.
Und so sitze ich hier jetzt noch in meinem Hotelzimmer, das ich erst um 12:00 Uhr räumen muss und tippe diesen Blogeintrag mittels meiner höchst praktischen externen Tastatur auf meinem Handy. So allmählich gewöhne ich mich auch an die teilweise anders verteilten Tasten.


Mit meiner Schule in Kunming bin ich auf dem anderen Handy per WeChat in Kontakt – die wissen Bescheid und ich starte dann am Dienstag. Meine Lehrerin Su hat mich schon auf Chinesisch angeschrieben und herausgefordert. 😀
Ich gucke jetzt mal, was ich noch organisieren muss für meinen Flug heute Abend, sichere alle meine Belege nochmal per Foto und mache mache mich dann auf in die Stadt. Vielleicht geh ich in ein Museum oder so. Im Zweifel einfach mal wieder ins Kattenkabinet, Katzen streicheln. Und was zu Essen suchen. Vielleicht treffe ich meine liebe Freundin Sabine – die wohnt hier, hat aber natürlich auch nicht mit mir gerechnet. Ich meld mich dann das nächste Mal hoffentlich aus Kunming!
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