Vielleicht kein Reisebericht aber sicherlich ein Erlebnis: Reha über Weihnachten und Neujahr in einem entlegenen Kaff an der Ostsee, Damp. Außer dieser Rehaklinik und einem Haufen Ferienhäusern gibt es hier absolut nichts. Sämtliche Restaurants haben saisonbedingt geschlossen – ich sollte mich also tunlichst an meinen Essens-Zeitplan halten, sonst gibt es in diesem Nest nichts mehr.

Aber vielleicht von vorn, warum bin ich hier? Meine 2010 bereits einmal operierte Bandscheibe begann im Mai wieder Zicken zu machen. Plötzlich hatte ich wieder merkwürdiges Kribbeln in meinem eigentlich seit 15 Jahren halb tauben Bein. Und ja, an derselben Bandscheibe hatte sich ein neuer bzw. alter aber nun verstärkter Bandscheibenvorfall materialisiert. Da der Nerv ohnehin schon geschädigt / taub ist, blieben mir dieses Mal aber die üblen Schmerzen erspart. Ich war dann seit Mai in Physiotherapie, aber habe sonst alles weiter gemacht wie gewohnt – in Absprache mit meinem Orthopäden natürlich. Der hatte mir auch explizit erlaubt, die Motorradtour im Sommer zu fahren. Nur Rangieren konnte ich meine Maschine nicht alleine (dafür hatte ich aber ja Begleitung mit). Die Tour war jedoch tatsächlich die angenehmste Zeit was meinen Rücken betrifft. Den ganzen Tag auf der Maschine, Mikrobewegungen im Rücken machen zur Stabilisierung und jeden Abend brav Yoga, um gar nicht erst Gefahr zu laufen böse Schmerzen zu entwickeln. Da ich aber in meinen Alltag leider nicht alle Tage auf meinem Motorrad verbringe, stellte sich in all den Monaten leider keine wirkliche Verbesserung meiner Lage ein, so dass ich mich am Ende doch für eine OP entschied.

Am 26.11. ging ich dafür ins Tabea Krankenhaus in Blankenese, einer Fachklinik unter anderem für Orthopädie. An dieser Stelle eine explizite Empfehlung dieses Krankenhauses – ich wurde selten so umfassend zuvorkommend behandelt. Dort beantragte ich eine stationäre Anschlussreha. Bei meiner letzten OP hatte ich darauf verzichtet und glaube heute, das war keine gute Idee. Mich drei Wochen nur auf mich und die Wiederherstellung meines Körpers zu konzentrieren erschien mir sinnvoll.

Und so kam es nun, dass ich gestern, am 19.12.24 in der Rehaklinik Damp einchecken durfte. Rein strategisch mit den Feiertagen ein denkbar ungünstiger Zeitraum, weil wahnsinnig viel ausfällt an den freien Tagen. An den Weihnachtsfeiertagen fahre ich kurz nach Hause, weil ich hier nur rumsitzen würde. Aber ich bin dennoch dankbar jetzt systematisch wieder mit Sport unter Aufsicht beginnen zu können. Laut des Arztes bei dem ich das Aufnahmegespräch hatte, gehöre ich hier zu dem fitteren oberen Drittel und soll akzeptieren, dass der Anfang mir eher zu leicht erscheinen wird. Zu schnelles Vorgehen könne schnell zu Überforderung führen und dann hab ich den Salat wieder. Jap, sounds like me.

Weil ich vorab schon Besuch angemeldet hatte, mit dem ich mir ein Doppelzimmer teilen würde, bekam ich von vorn herein ein schönes großes Doppelzimmer für die Gesamtdauer meines Aufenthaltes. Besuch im Doppelzimmer wird für 65 EUR am Tag untergebracht und mit mir vollverpflegt. Finde ich fair.

Heute durfte ich also mit einem Therapieplan beginnen, der sich ein wenig nach Babysport anfühlte. Ein bisschen Standfahrrad fahren hier, Mikrobewegungen da, ein Seminar zum Aufbau der Wirbelsäule mit Erklärung der verbotenen Bewegungen und „Koordination im Freien“ – bisschen spazieren gehen und Balanceübungen draußen (unmittelbar nach einem heftigen Regenguss).

Koordination im Freien

Wie erwartet senke ich in der Tendenz das Durchschnittsalter. Im Gegensatz zu einigen anderen Mitinsassen lege ich auch in Reha Wert auf regelmäßige Körperpflege. Diese Plastik-Jogginganzüge sind eine optische und olfaktorische Zumutung.

Wirklich nice: Der Kraftraum mit Ergometern und Panoramafensterfront zum Strand, zur Ostsee raus. Ich hoffe, da bald noch eine bessere Einführung zu bekommen, um selbstständig wieder mit Gerätetraining zu beginnen. Das kann ich dann ja auch am Wochenende machen.

Auch nice: Stabiles, schnelles Wlan. Ich musste zwar 5 EUR zahlen, kann dafür aber bis zu fünf Geräte anmelden und bisher läuft alles wie eine eins. Die 35 EUR für Festnetztelefon und Fernseher habe ich allerdings nicht bezahlt. Wozu auch, wenn ich streamen kann?

Veganes Essen gibt es grundsätzlich nicht. Also vielleicht zufällig mal mittags, aber eher nicht. Und auch die vegetarische Auswahl ist eher überschaubar. Bei Frühstück und Abendbrot ist die Auswahl an Wurst und Fleisch erheblich höher als vegetarische Optionen. Das finde ich für eine Rehaklinik, die auch Kurse zur Ernährung anbietet, in der Tat bemerkenswert. Ich habe feste Essenszeiten mit jeweils einem Zeitrahmen von 45 Minuten zur Einnahme meiner Mahlzeiten. Ich bin gnädigerweise in eine relativ späte Gruppe geraten und muss mich erst um 7:45 Uhr morgens zur Aufnahme fester Nahrung zwingen und darf abends bis 18:00 damit warten. Die Zeiten gelten selbstverständlich auch am Wochenende. So hab ich dann wenigstens auch was vom Tag. Immerhin kann mensch ganz nett am Strand spazieren. Den Blick aufs Wasser geheftet, lässt sich auch die potthässliche 70er Jahre Klotz-Architektur des Ortes ausblenden.

Genießbar

Achso, und vielleicht zum Abschluss: Warum sortiere ich den Beitrag unter Psyche ein, obwohl ich doch ein orthopädisches Problem habe? Sowohl meine Migräne, als auch mein Rücken sind schlimmer geworden, seit ich in der Therapie mit der Tiefenbohrung begonnen habe. Kopf, Rücken und meine Psyche hingen schon immer zusammen. Insofern ist dieser Bandscheibenvorfall nur die extreme Ausprägung dessen, was in mir nach Heilung verlangt.

Avatar von Silke

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Eine Antwort zu „Reha in Damp nach Bandscheiben-OP“

  1. Avatar von mc3ff8dcd146a74
    mc3ff8dcd146a74

    Good luck and get well soon!

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