In meinem Versuch Plastik aus meinen täglichen Gebrauchsgegenständen zu reduzieren, wozu natürlich auch sehr viel Verpackung zählt, bin ich zunächst auf festes Shampoo gestoßen (z.B. Lamazuna: https://www.avocadostore.de/products/71369-festes-shampoo-orange-lamazuna), das aber nicht ganz einfach zu kriegen und ehrlich gesagt auch ziemlich teuer ist. Zufällig bin ich dann vor einigen Monaten – eigentlich im Zuge einer Recherche nach veganer Ernährung mit regionalen und saisonalen Zutaten – auf einen Blog gestoßen, der mir die Alternative Roggenmehl aufzeigte.
Grundsätzlich angenehm undogmatisch, diese Bloggerin: https://experimentselbstversorgung.net/nie-mehr-shampoo/
Weitere Recherchen zum Thema informierten mich darüber, dass man die Pampe erst anrühren und stehen lassen müsse, plus Einwirkzeit in den Haaren. Mir drängte sich das Gefühl auf, dass die – ausschließlich weiblichen – Kommentatoren zum Thema allesamt abends ihre Haare waschen und sich bewusst viel Zeit für das Ritual nehmen.
Ich hingegen habe mit meinem Kurzhaarschnitt eine klare täglich waschen Routine und komme auch gar nicht darum herum, da ich morgens nach dem Schlafen aussehe wie ein Besen. Meine Haare sind dünn und weich und sehr formbeständig, wenn sie einmal beschlossen haben, in alle Richtungen abzustehen. Bisher hatte ich also jeden Morgen mit Shampoo gewaschen. Dass ich nur Wasser nehmen könnte – auf die Idee war ich gar nicht gekommen.
Bei einem Kilopreis von 2€ im Bioladen war ich durchaus gewillt, der Methode eine Chance zu geben. Und es funktioniert. Anfangs fetteten meine Haare noch recht schnell nach und verlangten binnen weniger Tage nach einer neuen Dosis Mehl. Inzwischen bin ich bei einem Rhythmus von 10-14 Tagen.
Das Rezept habe ich angepasst. Wie die Bloggerin Lisa auch, pfeife ich auf die Quellzeit. Sie hat mich sehr ermutigt, dass es auch ohne geht. Ich habe morgens keine zwei Stunden Zeit und über Nacht ist vielleicht zu lange? Egal, es geht super auch ohne.
Mein Rezept:
Die Haare gründlich bürsten. Am besten eignen sich lt. Internet Wildschweinborsten. Wichtig ist aber, dass die Bosten sehr eng nebeneinander liegen, damit sie den Talg von der Haarwurzel aus über das ganze Haar verteilen.
Ca. 1 Teil Mehl mit 4 Teilen lauwarmen Wasser verrühren. Klümpchen dabei am Rand der Schüssel zerdrücken. Die Pampe sollte relativ flüssig sein, dann lässt sie sich leichter verteilen. Keine Sorge, es hält überraschend gut in den Haaren und tropft so gut wie nicht. Bei meiner Haarlänge benötige ich 3 leicht gehäufte TL Mehl auf 12 TL Wasser.



Haare dann gründlich trocken rubbeln und – hier höre ich wieder auf die Bloggerin Lisa – NICHT sofort kämmen oder bürsten, sondern lediglich in Form zupfen und an der Luft trocknen lassen. Ich glaube Lisa einfach einmal, dass es besser für die Haare ist, wenn sie nicht nass gebürstet werden. Funktioniert ganz ausgezeichnet bei mir.
Weitere Vorteile:
- Meine Haare wirken voller als zuvor. Bisher hatte ich dies stets durch Haargel, -spray, -wachs kompensiert, dies aber natürlich auch eingestellt, weil ich diese Produkte mit Wasser allein oder auch Wasser und Roggenmehl wohl kaum wieder aus meinen Haaren heraus bekomme. Zu meinem Entzücken benötige ich sie aber gar nicht mehr.
- Ich spare mir Zeit, weil ich die meiste Zeit die Haare nur nass mache.
- Das Problem, dass ich nach dem Waschen einen Filzteppich auf dem Kopf habe, habe ich überhaupt nicht mehr. Klar, sind sie nach dem Abtrocknen ein wenig verstrubbelt, aber dies lässt sich problemlos durch ein wenig Zupfen beheben.
- Ich glaub, mit dem Kilo Mehl komme ich locker ein Jahr lang hin. Meine Shampookosten haben sich also auf 2€ im Jahr reduziert. Der Müll auf eine Packung Papier.
Ich kann es nur unumwunden empfehlen. Geht für jede Haarlänge, ist mindestens genausogut wie Shampoo, wenn nicht sogar besser. Umweltverträgliche, konsumreduzierende Methoden, die dann auch noch echt Geld sparen, sind mir doch immer die liebsten. Ich bin gespannt, wann es Roggenmehl mit Anwendungsanleitung in 50g Gläsern gibt, die als das neue Wundermittel für viel Geld in Hipsterläden vertickt werden.
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