Triggerwarnung: Auf den folgenden Seiten werde ich meine persönlichen Erfahrungen mit schweren Depressionen, Selbstverletzung, Suchtverhalten und Suizidgedanken verarbeiten. Für einige Leser*innen kann dies verstörend oder retraumatisierend sein. Ich empfehle in diesem Falle eigenverantwortlich nicht weiter zu lesen.
Wenn du selbst in einer Krise steckst, hol dir bitte Hilfe. Die Telefonseelsorge unter 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222 ist rund um die Uhr kostenfrei erreichbar.
Nützliche Links vorweg:
- https://www.deutsche-depressionshilfe.de/start
- http://www.borderline-plattform.de/
- https://www.psychiatrie.de/psychische-erkrankungen/borderline-persoenlichkeitsstoerung.html
- https://www.youtube.com/channel/UClimlKiB3xLJlpP1BbzfXSA (niederschwelliger Kanal zu aktueller Wissenschaft aus der Psychologie, auch zu verschiedenen psychischen Erkrankungen)
Ich bin sehr lange um dieses Thema herumgeschlichen, habe es in manchen Blogeinträgen hier nur gestreift, doch nie wirklich thematisiert. Das Stigma psychische Erkrankungen betreffend ist nach wie vor groß in unserer Gesellschaft. Und das letzte, das ich möchte ist, dass mir weniger zugetraut wird oder ich wie ein rohes Ei behandelt werde. Letztendlich bin ich maßgeblich die Persönlichkeit, die ich heute bin, eben weil ich eine Historie schwerwiegender psychischer Erkrankung habe. Eben weil ich die Erfahrung gemacht habe, mich aus einem sehr dunklen, tiefen Loch wieder herauszugraben, bin ich heute der Mensch, der ich bin.
Und so brauchte es auch für mich Jahre des Abstandes und der persönlichen Stabilisierung um nun doch meine Stimme zu erheben und zu denen der zahlreichen anderen Betroffnen da draußen zu addieren. Nur ein breiter Diskurs in der Gesellschaft kann zu mehr Offenheit und Toleranz das Thema betreffend führen. Denn wir sind mitnichten alle unbrauchbare, gebrochene Persönlichkeiten. Ich bin inzwischen selbst weit davon entfernt gebrochen zu sein. Und gerade weil ich schon einmal ganz unten war, meine ich auch sehr genau zu wissen, was mir nicht gut tut. Die Abgründe meiner eigenen Psyche haben mich dazu gezwungen mich sehr intensiv mit mir selbst auseinander zu setzen. Und nach den Jahren der Reflexion fühle ich mich heute klar und sehr bei mir selbst. Mich kann so schnell nichts mehr aus der Ruhe bringen.
Umso wichtiger finde ich es zu teilen, wie ich dort hingekommen bin und wie ich heute mit mir und meiner diagnostizierten Persönlichkeitsstörung umgehe. Ich möchte betonen, dass ich hier lediglich meine ganz persönlichen Erfahrungen schildern kann. Keineswegs behaupte ich mein Weg raus aus meiner Krise sei der Königsweg für alle. Ich möchte aber zeigen, dass trotz all dem was hinter mir liegt ein glückliches Leben möglich ist und Mut machen.
Und gerade deshalb möchte ich ins Detail gehen darüber was in meinen dunkelsten Phasen in mir los war. Es gab Zeiten in denen ich nicht mehr leben wollte. Diese Phasen haben mich über alle Maßen geprägt. Nicht nur habe ich für mich das Leben an sich viel mehr schätzen gelernt – nachdem ich mich einmal dazu durchgerungen hatte mich sehr bewusst für dieses Leben zu entscheiden, ich ziehe auch bis heute eine enorme Stärke daraus mich aus diesem Loch wieder herausgekämpft zu haben.
Ich möchte Menschen, die sich in dem was ich beschreibe vielleicht wiedererkennen Mut machen. Es gibt einen Weg raus. Auch wenn er zunächst nicht klar erkennbar ist. Es ist möglich auch mit sichtbaren Narben auf dem Körper einen gut bezahlten Job zu bekommen. Es ist auch möglich ein beinahe Burn Out offen zu thematisieren und trotzdem weiterhin interessante und herausfordernde Aufgaben zu bekommen.
Gerade zu Krisenzeiten habe ich das Chaos in meinem Inneren stets durch Schreiben versucht in den Griff zu bekommen. Dementsprechend gibt es aus diesen Lebensphasen Texte von mir. Ich werde Auszüge davon nach und nach auf diesen Seiten teilen und kommentieren. Ich werde diese Texte stets (wie hier oben auch schon) mit einer Triggerwarnung versehen, da ich nicht ernsthaft über meine Psyche schreiben kann ohne Depressionen, Selbstverletzung, Suizidgedanken und verschiedene Ausprägungen missbräuchlichen Verhaltens durch Dritte zu thematisieren.
Auch möchte ich noch einmal betonen, dass es sich um meine ganz persönlichen Erfahrungen und Wahrnehmungen handelt. Die für mich daraus gewonnenen Erkenntnisse gelten für meine persönliche Situation, erheben jedoch keinen wissenschaftlichen Geltungsanspruch. Soll heißen: Nur weil eine bestimmte Methode für mich funktioniert (hat), muss sie nicht auch für andere dieselbe Wirkung haben.
Ich habe mich großteils ohne therapeutische Hilfe an die Oberfläche gekämpft. Gerade dies ist etwas, das ich so kategorisch auf gar keinen Fall empfehlen kann. Ich hatte riesiges Glück immer wieder zum richtigen Zeitpunkt an die richtigen Menschen geraten zu sein, die mir wohlgesonnen waren und mich stützen konnten. Dies ist nichts worauf Betroffene sich verlassen sollten und legt zudem eine große Bürde auf dafür nicht ausgebildete nahestehende Menschen. Wenn irgendwie möglich, würde ich aus heutiger Sicht immer eine Therapie empfehlen.
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