Das Wetter war gnädiger, als bei unserer Ankunft in Taiwan zwei Wochen zuvor. So sonnig, wie die Wettervorhersage behauptete, war es zwar nicht, aber zumindest angenehm warm und (meistzeitig) trocken.
Wir bezogen wieder ein Air Bnb und ich genoss es, mehr Platz zu haben. Zudem konnten wir die Küche nutzen, um uns Frühstück zuzubereiten. Carrefour hat tatsächlich eine Packung Gouda im Angebot, die sich als genießbar erwies. Unsere selbst gewählten Frühstückszeiten waren auch etwas später als die in Hotels üblichen Zeitfenster 7:00 – 9:00 Uhr.
Meine Abneigung Aktivitäten gegenüber, die als klassisch touristisch gelabelt werden, geht so weit, dass ich in all den Jahren noch nie mit der Maokong Gondel Taipeis Berge hinaufgefahren bin. Und weil es nun zur Abwechslung weder schüttete, noch stürmte, machten wir diesen für mich längst überfälligen Tagesausflug. Ich wollte mit der selbstfahrenden braunen Linie bis zur Gondel fahren. Die Linie fährt oberirdisch auf Stelzen, ähnlich wie Teile der Hamburger U3 und weil sich kein Fahrer in der Bahn befindet, kann mensch toll vorne rausgucken. Zufälligerweise leitete Google uns für den Zustieg in diese Linie genau zur Haltestelle Liuzhangli (六張犁), was die Haltestelle war, an der ich immer ausstieg, um zu meiner WG zu kommen, die ich für die letzten drei Monate meines Auslandsaufenthaltes 2008/2009 bewohnt hatte. Ich wohnte damals mit einem Amerikaner zusammen, mit dem ich mich sehr gut verstand und habe die Zeit in sehr positiver Erinnerung. Die Adresse kann ich bis heute auswendig, so oft hatte ich sie nachts Taxifahrern genannt: Leyejie, yibailingba xiang, ershiwu hao (樂業街108巷25號). Und auch wenn Adam hier nicht mehr wohnt, ließ ich es mir nicht nehmen, kurz an meinem alten zu Hause vorbeizugehen. Den Weg fanden meine Füße noch ganz automatisch.

Danach ging es dann aber wirklich in die Berge. Die Maokong Gondel kann wie jedes andere öffentliche Verkehrsmittel auch mit der EasyCard genutzt werden, ist allerdings etwas teurer. Vorteil: teurer als 300 NTD wird es nicht, auch wenn die Einzelfahrten auf dem Papier mehr kosten. Die 300 sind quasi die Tagespauschale für die Gondel. Es handelt sich allerdings einfach auch um mehr als 4 km Gondelstrecke, uns wurde also was geboten für das Geld.

Ich wollte den Zhinan Tempel (指南宮) sehen, also legten wir eine Station vor der Endstation einen Zwischenstopp ein. Von hier aus ging es ein Stück bergab zur daoistischen Tempelanlage.







Der Nachmittag schritt voran und wir fuhren noch das letzte Stück bis zur Endstation der Gondel hinauf. Hier wartete schon eine lange Schlange Menschen darauf wieder nach unten befördert zu werden. Wir prüften kurz: Die Gondel fuhr noch bis 21:00 Uhr, also kein Grund zur Eile.
Oben angekommen wandten wir uns nach links, die Straße hinauf und trafen nach ca. fünf Minuten Weg auf eine Ansammlung von Teehäusern, aus denen wir uns eins herauspickten, das gemütlich aussah, nicht so überlaufen war und eine gute Aussicht auf die Stadt bot. Hier bestellte ich Oolong Tee, den ich nach Gongfu Art sehr viel häufiger aufbrühte, als das in Taiwan üblich ist. Nach dem sechsten Aufguss solle ich neue Blätter nehmen, sagte mir der Kellner. Ich fand allerdings nicht, dass das Aroma selbst beim zehnten Aufguss signifikant nachgelassen hatte und hielt mich an das Prinzip „ich darf das so machen, wie es für mich passt“, das ich von den Teeladies in Yunnan gelernt hatte.




Wir bekamen hier auch noch etwas zu essen und so aßen wir, umgeben von den Geräuschen der Natur und dem Blick auf die hell erleuchtete Großstadt am Fuße des Berges.
Die Gondelfahrt nach unten lohnt sich durchaus auch bei Dunkelheit. Die Menschenmenge war ebenfalls verschwunden und wir hatten, wie bei der Fahrt nach oben auch schon, eine Gondel ganz für uns alleine.
Als abschließenden Tipp möchte ich Kaffeeliebhabende anregen, die zahlreichen „Pour over Coffee“ Angebote wahrzunehmen. Pour over ist zunächst erstmal nur die Zubereitungsart. Doch verbergen sich dahinter in der Regel spannende Kaffeemischungen und -röstungen, die ein erstaunliches Geschmacksspektrum bereithalten. Die Preise sind entsprechend sehr viel höher als für den einfachen Americano, aber es lohnt sich.

Und damit farewell again. Wir sind wieder zurück im kalten Hamburg. Aber wenigstens schüttet es nicht.
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