Vom Hochgeschwindigkeitsbahnhof Zuoying in Kaohsiung fährt alle halbe Stunde der 9198 Kenting Express Bus. Wir konnten unsere EasyCards benutzen, mussten jedoch zusätzlich eine (kostenlose) Platzkarte für einen spezifischen Bus lösen. Der Bus fährt am Meer entlang bis an den Küstenort Kenting mit Bars, Restaurants und – ich erinnere mich – Stripclubs. Weil ich keinen Bock auf die Partymeile hatte, hatte ich uns eine Unterkunft auf der Ostseite der Halbinsel gebucht. So stiegen wir bereits in Hengchun aus und mieteten uns dort zwei Scooter bei einem sehr freundlichen Mechaniker. Damit brausten wir mit unseren großen Rucksäcken auf dem Rücken und den kleinen zwischen den Beinen im Fußraum an die Ostküste. Es stürmte und schüttete. Ich war irritiert, hatte der Wetterbericht für Kenting davon doch nichts gesagt. Und so lernte ich: Für die Hengchun Halbinsel gilt, das Wetter im Osten kann sich fundamental vom Westen unterscheiden und im Osten ist es eher stürmisch. Im Osten sind die Surfer auf meterhohen Wellen unterwegs, während im Westen im sanft plätschernden, warmen Meer geplantscht wird. Aber ich mag das Meer ja eigentlich lieber, wenn es etwas aufgewühlter ist.

Es gab laut Google zwei Restaurants im Dorf, die wir jedoch nicht geöffnet vorfanden. Da wir bei den Wetterbedingungen nicht nochmal im Dunkeln mit den Rollern los wollten behalfen wir uns mit vegetarischer Tütensuppe, die das Hotel für Notfälle kostenlos vorhielt und Snacks, die wir mitgebracht hatten. Ich bin wirklich kein Fan (mehr) von diesen Suppen. Aber im Notfall geht es schon.

Das erste Mal tauchen

Für den nächsten Tag hatte ich uns ein Taucherlebnis organisiert. Die Tauchschule hatte ich vorab über LINE kontaktiert, die Konditionen geklärt und uns einen Slot am Nachmittag gesichert. Wir mussten ein paar Papiere ausfüllen, die uns aber auf Englisch vorgelegt wurden. Danach wurden uns die Flaschen und die relevanten Handzeichen zur Kommunikation unter Wasser erklärt und wir bekamen Neoprenanzüge und -schuhe. Dann ging es in einem völlig verrosteten mit Plastik ausgekleidetem Van und unseren Instruktoren runter ans Meer. Wir hatten beide jeweils unsere eigenen Tauchlehrer, die uns unter Wasser führten und beim Druckausgleich halfen. Gerade den Druck auszugleichen fand ich sehr herausfordernd. Mein Lehrer merkte das und schwamm immer wieder vor mich, sah mir in die Augen, ging das Prozedere mit mir durch und versicherte sich mittels Handzeichen, ob alles in Ordnung sei bei mir. Ich war vollkommen überwältigt von dem ganzen Wasser um mich herum, dem Druck und dieser stillen, anderen Welt, die sich um mich herum entfaltete. Fischschwärme, bunte Fische zwischen Korallen, Meeresschildkröten, der Meeresboden, sanft von der Strömung bewegt. Ein völlig neues Gefühl sich frei nicht nur nach rechts und links, sondern auch nach oben und unten bewegen zu können. Meine Orientierung brauchte noch etwas. Mein Tauchlehrer korrigierte immer wieder meine Haltung, damit ich in einer Linie schwamm, wenn er mich ein Stückchen alleine schwimmen ließ. Unsere Instruktoren machten Fotos von unserem Trip und überspielten sie alle anschließend auf mein Handy. Und am Ende wurden wir sogar noch eingeladen ihnen beim Essen Gesellschaft zu leisten. Eine rundum großartige Erfahrung.

Wir hatten entschieden noch einen Tag länger zu bleiben, weil uns unser Zimmer mit Blick und Balkon in den Djungel so gut gefiel und wir noch ein bisschen am Strand abhängen wollten. Den Tag Erholung nach dem Tauchgang konnten wir auch gut gebrauchen.

Chillen in Baisha (白砂)

Wir fuhren unsere Scooter die Südspitze entlang mit einem kurzen Zwischenstopp an einem Café, das holländische Poffertjes anbietet. Test ergab: sehr authentisch und lecker. Unser eigentliches Ziel war aber der Strand von Baisha. Hier hätten wir theoretisch sogar schwimmen können, aber die Temperatur war eigentlich gerade so sehr angenehm. Wir schlenderten den paradiesischen Strand hinunter zu einem Beachclub, der gerade von einem Engländer wieder auf Vordermann gebracht wird und chillten da auf Holzstühlen im Schatten zu überraschend angenehmer Musik mit Blick auf das türkisfarbene Meer. Es gab erfrischende Getränke und ganz ordentliche Pizza. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt so entspannt war.

Nach diesem perfekten Abschluss geht es wieder zurück nach Kaohsiung. Ich hatte in Tainan ein Plakat gesehen, dass der sehr süße animierte Film „Flow“ am Wochenende in Kaohsiung open air mit Liveorchester präsentiert wird und dafür Karten gekauft. Zentral zum Bahnhof Kaohsiung (also nicht Hochgeschwindigkeitszug) fährt von Kenting aus übrigens auch die Buslinie 9188.

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