Falls Menschen, die meinen Blog kennen, ein Déjà-vu haben, ich war hier vor ziemlich genau zwei Jahren schon einmal: https://crapandhappiness.wordpress.com/2024/04/01/day-16-tainan-stadt-der-tempel/
Wir kamen nachmittags in der kleinen Pension in Tainan an. Wieder trafen wir auf Katzen. Dieses Mal vier sehr wohlgenährte Wohnungskatzen, die sich nicht weiter für uns interessierten. Als erstes suchten wir den sehr nahe gelegenen vollautomatischen Waschsalon auf. Dessen Bedienung zu verstehen nahm dann doch etwas mehr Zeit in Anspruch mit dem Ergebnis, dass ich jetzt noch ein paar TWD Guthaben auf einem eilig eingerichteten Account bei dem Laden habe. Ich hatte nicht verstanden, wie ich einen 100 TWD Schein klein gewechselt bekomme, sondern nur wie ich ihn auf mein Konto einzahle. Da ich wohl nie wieder in einem Salon dieser Firma waschen werde, habe ich ihnen nun wohl knapp zwei Euro Restguthaben geschenkt. Unsere Sachen waren jedoch tiptop sauber und auch sehr zügig getrocknet.
Während die Maschine wusch und trocknete, machten wir einen Abstecher in die Shennong Straße (神農街), einer engen Straße gesäumt von kleinen Häusern aus der Qing-Zeit, dekoriert mit Lampions und Laternen – viele natürlich nach dem Thema des gerade neuen Jahres des (Feuer-) Pferdes.

Am nächsten Tag beglückte Tainan uns mit Sonne und wohligen 24°C. Sehr willkommen nach der klammen Kälte auf dem Berg. Wir wollten die Stadt etwas auf uns wirken lassen und versuchten daher ein paar Haken zu schlagen und Seitenstraßen zu erkunden. Gefühlt jedes vierte Haus entpuppte sich als Tempel. Zumindest in den Tempel der Göttin der See, Mazu, gingen wir dann auch einmal hinein. Es herrschte reger Betrieb und wir versuchten nach Kräften den Gläubigen nicht im Weg zu stehen.




Wir gingen weiter, vorbei am Konfuziustempel, den wir nur von außen betrachteten, weiter zum Schrein des Koxinga, der in Tainan als Nationalheld gefeiert wird, in einigen Texten allerdings auch als Pirat beschrieben wird, da er sich als Getreuer der Ming gegen die junge Qing-Dynastie auflehnte und Geschichte bekanntermaßen von den Siegern geschrieben wird. Es war ihm nicht vergönnt, die Qing wieder vom Thron zu jagen, doch überfiel er im Verlauf seiner militärischen Aktivitäten das von den Holländern besetzte Taiwan und vertrieb die europäischen Invasoren, was ihn aus taiwanischer Perspektive zum Helden macht. Und so steht in Tainan ihm zu Ehren ein größerer Schrein mit allerhand Infotafeln auf Chinesisch und Englisch zur Geschichte seiner Epoche.




Der kleine Teeladen, in dem ich vor zwei Jahren war, wurde renoviert, also suchten wir uns in den kleinen Gassen um den Konfuziustempel eine alternative Kaffeequelle und wurden fündig. Es lohnt sich die Fuzhong Straße (府中街) hinunter zu bummeln und da auch mal rechts und links abzubiegen.




Nachmittags gingen wir noch in die Chihkan Anlage (赤崁樓), einem Gebäude, das auf dem Fundament eines alten holländischen Forts errichtet wurde und 70 TWD Eintritt kostet. Wir fanden, das Gebäude sieht von außen – vor allem nachts und angestrahlt – sehr viel beeindruckender aus, als von innen. Den Eintritt muss mensch nicht ausgeben.



Abends machten wir einen Spaziergang zum Wusheng Night Market (武聖夜市), einer Mischung aus Ramschverkauf, Essen und Jahrmarkt. Wild! Wirklich viel vegetarisches gab es natürlich nicht zu essen, aber ein Erlebnis ist der Markt trotzdem. Es gab sogar zwei Fressstände, die von westlichen Ausländern betrieben wurden. Bemerkenswert, weil kein gewöhnlicher Anblick. Der eine verkaufte französische Crêpes, der andere irgendwas mit Mais.







Am Rand waren zudem noch einige simple Fahrgeschäfte wie z.B. Schiffschaukeln aus denen hin und wieder Gekreische an unsere Ohren drang. An Schießständen gab es überdimensionierte Kuscheltiere zu gewinnen, an anderer Stelle wurde geflippert. Kurios auch die Versteigerung von komplettem Ramsch durch einen Typen, der ohne Punkt und Komma redete, in einem Schwall aus dem ich nur gelegentlich chinesische Worte erkennen konnte. Ich vermute, der Mensch sprach einen lokalen Dialekt oder was ganz eigenes oder eine Mischung.
Und damit verließen wir die zivilisierte Stadt am nächsten Tag auch schon wieder. Es ging weiter an die Südspitze Taiwans, nach Hengchun, bzw. dem Kenting Nationalpark.
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