Zurück in Taiwan. 16 Tage. Und ich mache etwas ganz verrücktes: Ich lasse mich treiben. Wo ich sonst meine Reisen akribisch durchplane, habe ich nun für meinen Partner und mich nur das Quartier in Taipei für die ersten drei Nächte gebucht und mache alle weiteren Stationen vom Wetter abhängig. Ich habe grob im Kopf welche Stationen in Frage kommen und dort auch schon einige Unterkünfte vorselektiert, lebe aber mit dem Risiko nichts fest gebucht zu haben. Das ist für meine nach Struktur und Sicherheit strebende Persönlichkeit sehr viel.

Bei Ankunft hatte ich noch nicht mal eine ESIM vorbereitet (Michael hatte aber ein Datenpaket über Klook gebucht – einer von uns hatte also sicher ein funktionierendes Telefon). Ich kaufte mir am Flughafen bei Chunghwa – die entgegen der angegebenen Öffnungszeiten auf der Taoyuan Flughafen Website auch um 7:30 Uhr morgens schon geöffnet hatten – eine ESIM mit funktionierender Telefonnummer, so dass ich ggf. Hotels auch anrufen kann. Auch für die Kommunikation über den hiesigen Messenger LINE ist eine taiwanesische – oder zumindest nicht deutsche – funktionierende Handynummer nötig. Für die deutsche Nummer ist chatten nicht freigeschaltet, was die App nutzlos macht. Ich erwarb für 1000 NTD eine 4G ESIM für 30 Tage mit unlimitertem Datenvolumen und der Möglichkeit einen Hotspot zu eröffnen – sollte Michael den brauchen. Das ist in einer ähnlichen Preisspanne, wie die gängigen vorab zu kaufenden Daten-ESIMs, also kein Flughafen-Nepp.

Zusätzlich konnte ich für 150 NTD eine weitere EasyCard, eine immer wieder mit Geld aufladbare Chipkarte für den ÖPNV in ganz Taiwan, erwerben. Bei gut zwei Wochen Reisen eine lohnende Investition.

Gegen Aufpreis konnten wir unser gebuchtes Air BnB im Da‘an (大安) Viertel nahe der MRT Station Taipower Building bereits morgens beziehen und ersparten uns somit mit unserem Gepäck noch den Vormittag totschlagen zu müssen. Zudem entwickelte sich mein Schlafmangel zu einer Migräne. Ich war sehr dankbar mich auf der Couch mit einer Triptantablette kurz ausruhen zu können. Draußen prasselte der Regen auf den wunderschönen Dachgarten. In Bambus und Stauden tummelten sich allerlei Vögel.

Wir erkundeten das Viertel. Verhungern würden wir nicht. Die nahegelegene Uni begünstigt sicherlich auch die reichhaltige Auswahl an Garküchen, Restaurants und Cafés. Gleich um die Ecke gab es sogar eine Deutsche Bäckerei, bei der wir uns selbstverständlich mit Brot eindeckten.

Es gelang uns nicht vollends nachmittags dem Drang zu schlafen zu widerstehen. Wir schafften es erst in der Dunkelheit wieder nach draußen, gönnten uns die extra nur für uns improvisierte Veggie Portion Nudelsuppe im Laden direkt neben der Wohnung und erkundeten den Shi Da Night Market. Michael erwarb einen All in One Superspezial Reise-Ladeadapter und ist seitdem sehr glücklich damit. Und ich konnte meine Lieblingskulis, die nach 18 Jahren kaputt / verloren gegangen waren, wieder neu kaufen – in exakt demselben Laden, in dem ich sie ursprünglich 2008 auch schonmal gekauft hatte. Manchmal sind es die kleinen Dinge…

Schlafen wurde eine Herausforderung und blieb es auch die folgenden Nächte. In der ersten gelang es mir erst gegen sechs Uhr morgens, von Donnerstag auf Freitag gegen drei Uhr – ich nähere mich also langsam an. Jetlag eben.

Wir schafften es am Mittwoch erst am frühen Nachmittag nach draußen, weil wir sehr lange geschlafen hatten. Wir gingen shoppen im Viertel um die Shi Da (eine der Universitäten Taipeis). Da wollte ich hin, weil ich einen ultraleichten UV-Regenschirm und Tee kaufen wollte. Ungeplant erwarb ich zudem noch eine sehr kleine und leichte Powerbank. Anschließend fuhren wir nach Ximen, wo Teile des Laternenfestivals zu bestaunen waren.

Achso, und vegetarische Jiaozi und Baozi gab es hier: https://maps.app.goo.gl/MzwHZsYaMRte61d5A?g_st=ic

Ich warte auf die Jiaozi. Leider gibt es keine Sitzplätze

Zum Ausklang ließen wir uns die Gaybars nicht entgehen und fanden sogar eine mit alkoholfreien Cocktails und vegetarischen Snacks.

Der Wetterbericht legte unsere Route für das Wochenende fest. Für die Ostseite war weiterhin Regen angesagt, also würden wir zuerst an der Westküste nach Süden fahren. Ich buchte Unterkünfte am Sun Moon Lake und in der Alishan Region. Außerdem reservierte ich einen Mietwagen.

Donnerstag gelang es uns schon mittags die Wohnung zu verlassen. Zudem war es etwas wärmer und schüttete nicht gar so ergiebig. Wir spazierten ins nahe gelegene Künstlerdorf Treasure Hill. Der Weg dorthin führte uns durch quirlige Straßen und dann über einen Djungelpfad an einem buddhistischen Tempel der Guanyin vorbei.

Treasure Hill war ein ehemals sehr armes Dörfchen, deren Bewohner ihre Behausungen selbst gebaut hatten, um überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben. Nach einem verheerenden Taifun wurde vieles wegen Einsturzgefahr abgerissen und heute residieren hier verschiedene Künstler*innen in kleinen sogenannten Lofts. Vom Konzept her musste ich ein bisschen an das Hamburger Gängeviertel denken.

Auf dem Weg zurück zur Wohnung kamen wir an einem feministischen Buchladen vorbei und einer Bar / Konzertbühne namens witchhouse, die ich hier nicht unterschlagen möchte.

Am Freitag verließen wir morgens nach einer erneut sehr kurzen Nacht die Wohnung, um einen Zug nach Taizhong (台中) zu nehmen. Next up: Abenteuer Mietwagen, Sun Moon Lake, Alishan.

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