Die Zugfahrt nach Hong Kong (7h 44min) war geprägt von Bergen, Tälern und Tunneln. Die Veränderung der Vegetation war dennoch beobachtbar. Das letzte Stück nach Hong Kong rein verlief komplett im Untergrund. Und beim letzten Halt vor Hong Kong war ein Schwung weißer Menschen zugestiegen. Für mich war es das erste mal seit drei Monaten, dass ich so viele Ausländer (外国人) auf einmal in der Öffentlichkeit sah. Es stellte sich heraus, eine Gruppe Männer waren Deutsche, die sich recht laut unterhielten und BILD Online auf ihren Smartphones lasen. Unangenehm.
Wir ließen sie ein ganzes Stück vor uns aussteigen, um bloß nicht in Verbindung gebracht zu werden. Der Bahnhof Hong Kong gleicht eher einem Flughafen. Zuerst eine Station, in der unsere Ausreise aus China gestempelt wurde. Dann Kontrolle unserer Zugtickets (was in China ja immer über den Pass passiert), danach Einreise nach Hong Kong, die nicht mittels Stempel im Pass dokumentiert wird, sondern lediglich durch einen kleinen Zettel, der in den Pass gelegt wird. Und dann waren wir endlich drin! Ich konnte Geld abheben und Jonas gelang es, die digitale Octopus Card, die für den ÖPNV in Hong Kong genutzt wird, zu aktivieren. Bei mir ging es nicht, weswegen ich altmodisch am Schalter ein Ticket lösen musste.
Wir hatten die erste Begegnung mit einem sehr unfreundlichen Menschen in dem gesamten Urlaub. Der übellaunige Busfahrer unterstellte uns wohl schwarz fahren zu wollen, weil wir nicht sofort verstanden hatten wann jetzt wo bezahlt werden muss und erstmal mit unserem ganzen Gepäck in den winzigen Bus manövrierten. Er brüllte uns auf kantonesisch an. Wir lernten: beim Bus fahren scheinbar beim Einsteigen bezahlen. Tram beim Aussteigen.
Jonas‘ Octopus Card auf dem Handy verweigerte ihm ab Tag zwei auch den Dienst aber wir lernten, wir können einfach alles mit Kreditkarte bezahlen. Empfehlung also sich bei kurzen Aufenthalten diese Octopus Card einfach zu sparen. Zumal Jonas einen Euro Gebühr bezahlen musste, sich sein Guthaben von der Karte bei Abreise wieder zurückzuholen. Stand wahrscheinlich irgendwo im Kleingedruckten.
Ich wollte abends geiles Essen außerhalb des Spektrums der chinesischen Küche und dafür ist Hong Kong der perfekte Ort. Ich konsultierte den Guide Michelin und fand ein indisches Restaurant im Tai Kwun Ensemble: The Prince and the Peacock.

Das Essen war fantastisch und ich konnte mich entspannen, weil Englisch gesprochen wurde und ich nicht mehr alles alleine regeln und übersetzen musste. Das hatte ich in Yunnan gerne gemacht und das war mir auch klar gewesen, dass es in China genauso laufen würde, dennoch war es für mich sehr erholsam an diesem Abend nicht mehr die gesamte Verantwortung zu schultern.
Kleine Side note: in Hong Kong mussten wir bei vielen Restaurants Name und Telefonnummer angeben. Das hatte ich irgendwie wieder vergessen vom letzten Jahr. Etwas merkwürdige Praxis, finde ich. Ich habe allerdings auch nicht ausprobiert, ob ich das verweigern konnte.
Kunst im Gefängnis
Am nächsten Tag kehrten wir ins Tai Kwun zurück, dieses Mal aber um uns die kostenlosen Kunstausstellungen anzusehen. Es hatte 29 °C – ein krasser Kontrast zu Shangri-la, wo Schnee lag. Die Ausstellungsräume waren dann allerdings so stark klimatisiert, dass wir froren. Es gab eine Sonderausstellung zu Selbstverletzung, die mich als Betroffene sehr tief berührte. Kunst ist eben oft auch ein wichtiges zusätzliches Ventil.








Wir verbrachten den Großteil des Tages im Tai Kwun und streiften danach noch ein wenig durch das Viertel, durch Straßen und Parks. Wir kamen an der Warteschlange zur Victoria Peak Bahn vorbei. 2-3 Stunden anstehen schätzten wir und gingen weiter.





Abends fanden wir ein vegetarisches Restaurant und teilten die Speisen klassisch chinesisch. Ich vertrug alles einwandfrei, Jonas leider nicht.
Und so musste Jonas am nächsten Morgen schon wieder krank ins Flugzeug. (In Shanghai kam er mit einer Erkältung an.)

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