Von Dali (大理) fuhren wir mit leichtem Gepäck nach Lijiang (丽江) – unsere großen Rucksäcke gingen per Kurier nach Shangri-la (香格里拉). Pünktlich zum Mittagessen waren wir in der Shuhe (束河) Altstadt, in der ich schon in der Woche Aufenthalt mit meiner Lehrerin gewohnt hatte. Der Nachmittag musste reichen, um Jonas einen Eindruck zu vermitteln.
Am späten Nachmittag ging es per Sammeltaxi zum Eingang der Tigersprungschlucht. Die Fahrt hatte uns unser Gastgeber dort organisiert, mit dem ich wegen Fragen zur kulinarischen Versorgung schon per Weixin in Kontakt stand. Ausdrückliche Empfehlung dieser Pension hauptsächlich wegen dieses außergewöhnlich hilfsbereiten und zuvorkommenden Gastgebers.
Tag 1: Wolken
Am nächsten Morgen bekamen wir ein sehr, sehr üppiges vegetarisches Frühstück: Nudeln satt mit Ei und Tomate. Dazu noch ein frisch gebackener Fladen. Wir sollten bis weit über Mittag satt davon bleiben. Unser Gastgeber hatte uns ohnehin offeriert uns zum Startpunkt der Wanderroute zu bringen, bot uns angesichts des Regens jedoch an, uns gegen einen kleinen Obolus noch ein Stückchen weiter in die Schlucht zu bringen, was wir dankbar annahmen. Zudem schenkte er uns noch zwei Bambusstöcke und gab Jonas einen benutzten Regenschutz mit, den ein anderer Gast vergessen hatte. Am Abend erkundigte er sich zudem nochmals per Weixin, ob wir gut angekommen seien. Wie gesagt, außergewöhnlich nett und dabei sehr unaufdringlich.
Wir hatten uns wirklich das beschissenste Wetter rausgepickt für unsere Wanderung. Wir starteten beim Naxi Gasthaus kurz vor den berüchtigten „28 bends“ und liefen hier bereits im Nieselregen durch die Wolken. Wahrscheinlich gab es an einigen Stellen tolles Panorama, aber wir guckten nur in eine weiße Wand.

Nach den 28 Serpentinen, die wir als ganz normalen Wanderweg wahrnahmen, ging es wieder ein Stück runter, was zum Teil eine ganz schöne Rutschpartie war bei dem Regen. Dafür wurde die Sicht allmählich etwas besser, weil wir uns langsam unter die Wolkengrenze bewegten. Es bot sich uns mystische Landschaft mit wabernden Wolkenfetzen.
Mittags kamen wir bei Tea Horse an, einem Gasthaus in einem Dorf. Hier tranken wir Tee und aßen ein wenig von unserem mitgebrachten Proviant.
Am anderen Ende des Dorfs ging der Wanderweg weiter. Und dieser Teil war dann wirklich beeindruckend trotz des Wetters. Der Blick ins Tal mit dem dahinrauschenden Fluss, einem Zufluss des Yangtze, war fantastisch. Wir liefen parallel zur Schlucht nach Norden, über uns mehr als 5.000 Meter hohe, schneebedeckte Berggipfel in den Wolken, tief unter uns der reißende Strom, Wasserfälle stürzten die steile Schlucht herunter und mitten drin wir winzigen Menschlein. Ein irres Gefühl!





Gegen 17:00 Uhr erreichten wir unsere Unterkunft Judy‘s Guesthouse mit einem beheizten Zimmer, einer heißen Dusche und passablem Essen. Zudem konnten wir unsere Tickets für den Bus nach Shangri-la (香格里拉) buchen.
Tag 2: Wasser
Das Wetter am folgenden Tag war noch schlechter. Es regnete noch heftiger und die Temperaturen lagen morgens bei neun Grad. Für uns war damit klar, dass wir die Route bis Tina‘s Guesthouse zu Ende laufen, aber jegliche weitere Abstecher noch tiefer in die Schlucht unterlassen würden.
Schon im Dorf waren die Straßen zum Teil überflutet, unsere Wanderung war geprägt davon vorausschauend einen Weg durch die riesigen Pfützen zu finden. Unsere Stöcke waren dabei gold wert.

Der Wanderweg verlief weiter parallel zur Schlucht und hielt noch die ein oder andere Querung von Wasserfällen bereit. Zum Teil war es aber auch ein Balanceakt zwischen Wasser und Abbruchkante zu navigieren. Jetzt bloß nicht runtergucken!



Das letzte Stück stellte dann den Abstieg bis zu Tina‘s Guesthouse dar. Teilweise ganz schöne Wege durch den Wald, aber zeitweise auch eine ganz schön steile Angelegenheit. Kurz vor dem Ziel legte ich mich einmal lang auf dem glitschigen Lehm und war froh um den Regenponcho, der den Großteil abfing. Weh getan hatte ich mir nicht. War mehr wie Wasserrutschen nur sehr viel dreckiger.

Bei Tina‘s entsorgte ich den Poncho, wir aßen was und buchten unsere Bustickets auf einen früheren Bus um.
Den Bus zu kriegen wurde dann noch etwas abenteuerlich, weil die Angestellte in Tina‘s guesthouse uns zu einer zwei Kilometer entfernten Bushaltestelle schickte, obwohl der Bus tatsächlich nur wenige Meter hinter Tina‘s losfuhr. So kam es zu der absurden Situation, dass wir im Stechschritt die Serpentinen hinunterliefen und uns der Bus dann letztendlich einholte und aufsammelte. Beim Einsteigen blickten wir in erstaunte Gesichter von Gästen, mit denen wir eben noch zusammen bei Tina‘s im Restaurant gesessen hatten. Naja, China. Lieber eine falsche Auskunft, als zugeben, dass mensch die Antwort nicht kennt.
Wir sind am Ende in Shangri-la angekommen – es hat also alles geklappt.
Fazit der Wanderung: Bei dem scheiß Wetter würden wir nur den Mittelteil von Tea Horse bis Halfway machen. Der Blick in die Schlucht ist atemberaubend. Alles andere bei besserem Wetter bestimmt auch cool, bei Nässe erhöht sich der Schwierigkeitsgrad. Auch für uns norddeutsche Gelegenheitswanderer war die Route zu schaffen. Die Höhe hat uns nicht wirklich zugesetzt. Für Menschen mit Höhenangst jedoch nicht empfehlenswert.

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