Vom Bahnhof Kunming Süd bis zum Hostel in der Innenstadt fuhren wir noch einmal 45 Minuten Taxi. Es war also wirklich eine sehr lange Reise. Wir waren in der „Upland“ Jugendherberge untergebracht in einem der größeren Doppelzimmer mit eigenem Bad, 392 Yuan kostete das Zimmer für zwei Nächte. Die Herberge ist in unmittelbarer Nähe zum Cuihu Park (翠湖公园), hat einen wunderschönen, ruhigen und grünen Innenhof, westliches Frühstück und der Kaffee ist auch ganz ok. Unser Zimmer ging zum Hof hinaus und war himmlisch ruhig. Ein ganz neues Erlebnis für mich in Kunming ohne Lärm zu schlafen. Das Bett war im Gegensatz zur Unterkunft in Shanghai auch erheblich bequemer und wir schliefen gut.

Ich hatte auf der Zugfahrt über die Trip.com App noch unseren Ausflug nach Shilin (石林) gebucht. Hier wurden verschiedene Touren angeboten, großteils mit Guide, aber wir wollten lieber auf eigene Faust erkunden und buchten daher „nur“ einen Fahrer. Shilin ist ca. 90 Minuten Fahrt von Kunming entfernt und kostet auch mit Didi 200 Yuan oder mehr für eine Fahrt. Wir bezahlten für unseren Fahrer nun 600 Yuan hin und zurück. Dafür wurden wir morgens um 9:00 Uhr am Hostel abgeholt von einem hochwertigen, sauberen Auto, das weder nach kaltem Rauch, noch nach Duftbaum roch. Vor Ort zeigte uns der Fahrer, wo wir Tickets lösen konnten, versicherte uns, dass wir auf jeden Fall auch das Ticket für den Shuttleservice innerhalb des Geländes buchen sollten (wir hatten die Dimensionen mal wieder unterschätzt) und erklärte uns, wo er uns mittags wieder aufgabeln würde. Uns blieben 2 Stunden, um das Gelände zu erkunden. Insofern brauchten wir den Shuttleservice auch. Die Strecke vom Eingang bis zu den ersten spannenden Gesteinsformationen ist lang und tatsächlich nicht besonders spannend. Und das Ticket für den Shuttle kostete erschwingliche 25 Yuan pro Person. Das war also wirklich ein sehr sinnvoller Tipp.
Einmal in der Karstlandschaft angekommen, gelang es uns den Menschenmassen zu entkommen und relativ ungestört die Felsformationen zu erkunden. Zum Teil mussten wir unsere Rucksäcke abnehmen, um uns durch Felsspalten zu zwängen oder stark in die Hocke gehen. Abenteuerspielplatz und durchaus sehenswert.












Mit dem Shuttle gelangten wir mittags zum Ausgang. Wir hatten uns schon darauf eingestellt, die Fahrt nach Kunming mit Snacks, die wir vorsichtshalber dabei hatten, zu überbrücken und dann gegen 14:00 in Kunming noch eine weitere Kleinigkeit zu essen. Aber unser Fahrer ließ uns trotz der Herausforderung „vegetarisch“ nicht verhungern, sondern brachte uns zu einem Restaurant am Straßenrand, die uns königlich verpflegten mit gebratenen Pilzen, Schafskäse, Gemüse mit Ei und Reis. Der Preis war allerdings auch königlich: Es war mit 275 Yuan für zwei Personen das teuerste Lunch, das ich in den ganzen drei Monaten gegessen hatte. Und ja, damit auch teurer als Shanghai. Also wahrscheinlich haben sie uns abgezockt. Können wir uns aber ja trotzdem gerade noch so leisten und das Essen war gut. Satt zurück nach Kunming zu fahren war schon auch gut. Schwamm drüber.
Zurück im Hostel mussten wir Wäsche waschen und ich mich zu diesem Zweck mit einer chinesischen App zur Bedienung der Maschine auseinandersetzen. Schon spannend, dass auch in einem „International Youth Hostel“ ohne Chinesischkenntnisse ohne Hilfe vom Personal kein Fortkommen ist.
Den Nachmittag wanderten wir durch den Cuihu Park, tranken dort noch ein wenig Tee und trafen uns abends mit zwei meiner ehemaligen Mitschülerinnen von der Sprachschule zum Essen in einem rein vegetarischen Restaurant: Juezhengjing (觉正净素食). Es war köstlich und ich bezahlte für das Essen für uns vier weniger als ich für das Mittagessen für Jonas und mich bezahlt hatte – nur so zur Einordnung.
Wir sind jetzt auf dem Weg nach Dali (大理), das sind zwei Stunden mit dem Zug. Wir fahren über die Mittagszeit, hatten also einen entspannten Morgen und holten uns noch Reiseproviant bei À Table, der authentisch französischen Bäckerei, nur 10 Minuten zu Fuß von unserem Hostel entfernt. Wir sitzen hier jetzt also im Zug und genießen frische Croissants und Pain au Chocolat. Könnte schlimmer sein.

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