Meine letzte Woche in Kunming war geprägt von Abschieden. Leider schaffte ich es nicht mehr Liu, meinen Kletterpartner, zu treffen, sondern hinterließ nur seine Schuhe in der Kletterhalle. Ich hatte meine letzten zwei Taiji Stunden und habe fest vor, in Hamburg damit weiterzumachen. Am Freitag, meinem letzten Tag Unterricht, unternahm ich einen Ausflug mit meiner Lehrerin und deren anderer Schülerin, Linda, die zufällig auch meine Zimmernachbarin war. Linda und ich verstanden uns ganz gut und entschieden daher unsere Unterrichte zusammenzulegen, um mit dem Zug nach Mile (弥勒) zu fahren. Dort gibt es einen großen, schön angelegten Park mit außergewöhnlich geformten Häusern aus Backstein (Hamburg lässt grüßen) und viel Kunst.









Am Nachmittag besuchten wir noch ein Weingut, Yunnan Red Wine. Hier hat irgendein kundiger Mensch französische Reben importiert und baut die jetzt in Yunnan an. Wir wurden eilig an der sehr industrialisiert wirkenden Produktion vorbeigeführt und durch den angenehm kühlen, nach Wein und Korken duftenden Keller geleitet. Danach gab es noch einen kleinen Probierschluck Weißwein, der recht süß schmeckte, sagte Linda und anschließend durften wir durch den Souvenirshop das Gelände wieder verlassen.






Abends lud ich meine Lehrerin in ein gehobenes, vegetarisches Restaurant ein, in dem wir in mehreren Gängen sehr ungewöhnliches und ausgezeichnetes vegetarisches Essen bekamen. Die Vielfalt der Yunnan Pilze spiegelte sich wieder und meine Lehrerin identifizierte allerlei Gemüse, das in der chinesischen Medizin zum Einsatz kommt.
Ich hatte den Laden auf Dianping gefunden: 弌弍素素食料理. Dianpings Veggiefilter in der Kartenfunktion ist echt gold wert.
Shanghai
Am Samstag flog ich nach Shanghai (上海). Mit Zwischenstopp im Nirgendwo, bei dem wir alle für eine gute Stunde das Flugzeug verlassen mussten. Einige Menschen flogen, so wie ich, danach weiter nach Shanghai, andere stiegen aus, neue Menschen stiegen zu. Fliegen in China ist also eher wie Zugfahren. Nur sehr viel weniger komfortabel. Aber ich kam heil an, mein Rucksack auch und ich checkte spät abends in einem günstigen und sehr gammligen Hotel nahe des Flughafens ein. Jonas sollte am Sonntag um 6:35 Uhr morgens landen und ich gedachte ihn abzuholen.
Leider hatte ich nicht damit gerechnet, dass Jonas es in unter einer Stunde aus dem Flughafen heraus schaffen sollte und so war ich leider einige Minuten zu spät dran. Aber Jonas wäre nicht Jonas, würde er das nicht gelassen nehmen. Dank der modernen Technik und günstigen E-SIMs hatten wir direkt nach seiner Landung per Messenger Kontakt und so keine Schwierigkeiten uns zu finden.
Wir nahmen den Maglev, also die Magnetschwebebahn, in die Stadt, einfach um es einmal gemacht zu haben und von dort aus ein Didi zur Ferienwohnung. Natürlich waren wir ein wenig früh dran zum einchecken, aber wir konnten zumindest unser Gepäck ablegen und davon erleichtert ein wenig die Umgebung erkunden. Wir fanden einen Park, Tee und einen Gemüsemarkt. Gute erste Eindrücke für Jonas. Mittags konnten wir unsere Wohnung beziehen und abends wagten wir uns noch einmal raus für eine Bootstour auf dem Huangpu Fluss mit Blick auf die angestrahlten britischen Häuser des Bund und der glitzernden Hochhausfassaden von Pudong.



Danach fanden wir dank Dianping noch ein leckeres vegetarisches Restaurant.
Am Montag lernten wir, dass der Yu-Garten leider geschlossen hatte. So wie die meisten Museen montags geschlossen haben. Also konnten wir da leider nicht hinein, aber zumindest erkundeten wir die „Altstadt“, also die wiederaufgebauten Häuser voller Geschäfte in der unmittelbaren Nähe des Yu-Gartens und den Tempel des Stadtgottes. Im 119 Stock des Shanghai Towers waren wir auch, auch wenn die superschnelle Fahrt über 500m hoch uns mit leichtem Schwindel zurückließ. Der Blick über Shanghai von dort hinunter ist schon beeindruckend.




Diese Zeilen schreibe ich jetzt aus dem Zug, in den wir heute Morgen um 10:00 Uhr eingestiegen sind und der mit 350 km/h durch China in Richtung Kunming ballert. 9,5 Stunden braucht er für die rund 2.300 km. Das finde ich angesichts des desolaten Zustandes der Deutschen Bahn schon sehr beeindruckend. Auch wenn ich zugeben muss, dass der Zug auch hier teurer ist als zu fliegen. Und ich habe uns Tickets für die erste Klasse gebucht für mehr Komfort auf der langen Reise. Mein Highlight bisher: Es gibt kostenlosen Tee in einem speziellen Pappbecher, der unten mit einem verklebten Filterpapier Blätter von grünem Tee eingebaut hat. Heißes Wasser drauf und trinken. Und natürlich wird der Tee mehrmals aufgegossen. Heißes Wasser gibt es ja ohnehin zum auffüllen zwischen den Waggons (in jeder Wagenklasse).
Für unser leibliches Wohl haben wir uns beim Bäcker in Shanghai versorgt, weil es hier an Bord natürlich keine vegetarischen Gerichte gibt.
Morgen erkunden wir den Shilin Steinpark und übermorgen geht es weiter nach Dali.

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