Puzhehei war heiß, Xishuangbanna war heißer. 31°C. Nichts wie raus aus der Sonne. Dennoch ein sehr lohnenswerter Besuch.

Die Zugfahrt von Kunming liegt bei ca. vier Stunden, also für meinen Geschmack gerade so an der Grenze für einen Wochenendtrip. Die thailändische Grenze ist nah, der Mehkong durchfließt das Gebiet. Es gibt Tee, allerlei Früchte, Tempel, viel gold Verziertes und Frauen in traditionellen bauchfreien Kleidern mit Sari. Hätte ich nicht überall Chinesisch auf der Straße gehört, hätte ich glauben können, ich sei bereits in Thailand.

Mein Hotel befand sich praktischerweise nur zwei Minuten Fußweg vom bekannten Gaozhuang Night Market. Praktisch deswegen, weil ich erst gegen 20:00 Uhr im Hotel ankam und um diese Uhrzeit viele Restaurants schon die Bürgersteige hochklappen. Nicht so natürlich der Nachtmarkt, der ja nicht umsonst so heißt. Der Zugang ist kostenlos, doch werden die Menschenmassen über ein Ticketingsystem gehandhabt. Ich musste also scannen und einen Zeitslot auswählen. Das Personal war sehr hilfsbereit und zeigte mir welche Schritte ich auf meinem Handy eingeben musste, um sofort Zugang zu erhalten. Ich betrat den Marktbereich über einen Zugang neben dem beeindruckenden Jinghong Dajin Tasi Tempel (leider aktuell wegen Renovierung geschlossen) und hatte damit gleich zum Start einen Blick von oben auf den erleuchteten Markt und den Mehkong Fluss im Hintergrund. Die Atmosphäre war magisch. Das fanden wohl viele, denn überall drapierten sich Menschen, um Fotos zu machen.

Ich fragte mich durch und wurde sehr günstig vegetarisch ernährt. Es gab in erster Linie eine sich durchziehende Fressmeile, die den ganzen Markt im Halbrund umspannte. In den Gassen seitlich davon wurde alles mögliche verkauft. Im Bereich des Mehkong Ufers gab es Fahrgeschäfte und Bars. Für 580 Yuan hätte ich auch noch an irgendeinem berühmten Tanzevent teilnehmen können, aber da hab ich dann doch verzichtet.

Zurück im Hotel ließ ich Deepseek mein verbleibendes Wochenende planen. So erfuhr ich, dass es einen sehr bekannten botanischen Garten in der Gegend gibt, doch hätte mich die Fahrt dorthin mit dem Taxi einfach 1 – 1,5 Stunden und 200 Yuan gekostet. Das fand ich dann doch etwas zu viel des Guten. Stattdessen fand ich aber auf Gaode (AMAP) einen etwas kleineren botanischen Garten mit tropischen Pflanzen, der sich deutlich näher an meinem Aufenthaltsort befand.

Und so ließ ich mich Samstag Vormittag nach Frühstück und Kaffee vom Taxi zum Manting Park bringen. Zuerst besuchte ich den Zongfosi Tempel dort, ein buddhistischer Tempel, der kostenfrei zu besichtigen ist. Ich ließ mich sogar dazu hinreißen, ein Armband aus Rosenholzperlen zu kaufen.

Vom Tempel aus gelang ich direkt in den Manting Park, musste dafür allerdings ein Ticket lösen. Der Park war in der steigenden Hitze angenehm kühl und hübsch gestaltet. Kritisch anzumerken hätte ich jedoch die angeketteten Tiere. Es gibt Shows mit Elefanten und das Kettenrasseln, das ich an dieser Stelle hörte, lässt mich vermuten, dass die Tiere in ihren abgeschotteten Stallungen angekettet sind. Gesehen habe ich sie allerdings nicht. Gleich daneben befand sich das „Papageienparadies“, also am Fußgelenk angekettete Vögel. Das konnte ich tatsächlich erkennen und es ist mir hier auch nicht zum ersten Mal begegnet. Tiere werden ja gerne als Aushängeschild mit minimalem Bewegungsspielraum fixiert, um Neugierige Menschen anzulocken. Ich finde es unerträglich.

Bei einer Pause testete ich Kokosmilchkaffee. Schmeckt gewöhnungsbedürftig, aber mein Gott, sah das fancy aus!

Kokosmilch in der Kokosnuss, Kaffee zum reingießen und den Fächer hatte ich mir in meiner Verzweiflung gekauft, um nicht zu schmelzen. Die Tischdecke ist sicherlich Geschmacksache.

Ich nutzte die Zeit vegetarische Restaurants zu recherchieren. Ich habe nämlich eine neue App entdeckt, die Restaurants listet und einen Filter für vegetarische Küche hat: Dianping (点评). In der Gegend Xishuangbanna gab es exakt ein Restaurant: Qiling Suzhai (奇岭素斋). Gaode gab an, ich könne einen Großteil der 1,6 km Wegstrecke mit dem Bus zurücklegen, also tat ich das. Es gab vegetarisches Essen als Buffet für 16 Yuan. Perfekt!

Den Nachmittag verbrachte ich im Garten für tropische Pflanzen. 40 Yuan kostete mich der Eintritt und unmittelbar hinter dem Eingang hielt mich ein Angestellter auf, der mich auf Englisch darauf hinwies, dass ich für weitere 40 Yuan die Rundtour im offenen Kleinbus/Golfcart buchen könne. Als ich ablehnte, belehrte er mich, es handele sich um 18 km Weg im Park und die könne ich unmöglich laufen. Ich hatte mir den Park vorher auf der Karte angeschaut und so groß erschien er mir nicht. Ich runzelte also die Stirn und lehnte bestimmt ab. Diese Entscheidung sollte ich nicht bereuen, denn diese offenen Carts fuhren im Laufe meines Besuchs im Park regelmäßig an mir vorbei. Sie waren ausnahmslos bis auf den letzten Platz voll und Platz ist in diesen Dingern nicht besonders großzügig kalkuliert, 90% der Insassen fuchtelten mit ihren Handys herum und in der Menge saß eine angestellte Person des Parks mit einem Mikrofon, in das sie Informationen zur vorbeiziehenden Vegetation brüllte. Hätte ich das gebucht, wäre das also der vollkommene Overkill für mich geworden. Stattdessen schlenderte ich in Ruhe durch den Park und bog immer wieder einmal von den großen Wegen, die auch von den Carts genutzt wurden, auf kleinere Pfade rechts und links ab. Hier war meist kein Mensch mehr zu sehen, die Natur dafür umso dichter und wunderschön. In der Plantage für tropische Früchte sah ich zum ersten Mal einen Avocadobaum live vor mir. Ich wusste gar nicht, dass dessen Blätter so klein sind.

Nachdem ich die (sicherlich keine 18 km betragende) Rundtour abgeschlossen hatte, war ich durchgeschwitzt und platt – mein Tagwerk war vollbracht. Nach einer Pause mit Dusche und Tee auf meinem Zimmer suchte ich mir auf dem Nachtmarkt wieder etwas zu essen.

Den Sonntag Vormittag stromerte ich ein wenig durch das Viertel um den Nachtmarkt, blieb bei einem Kaffeegeschäft hängen und probierte verschiedene Kaffeesorten. Yunnan Kaffee ist tatsächlich relativ teuer, also oft auch deutlich teurer als guter Kaffee in Deutschland. So im direkten Vergleich verschiedene Sorten zu testen und auch den geschmacklichen Unterschied zu erleben, war aber wirklich spannend, also kaufte ich auch ein bisschen was. Ich war ein bisschen high vom Koffein, als ich den Laden verließ.

Mittags versuchte ich nochmals vergeblich vegetarisches thailändisches Essen zu bekommen, aber keine Chance. Alle Currys werden mit Hühnerbrühe gekocht und so bleibt mir meist nur gebratenes Gemüse mit Reis – dafür muss ich nicht zum Thai gehen. So ironisch das auch ist, aber vegetarisches Thaicurry esse ich dann wohl in Hamburg wieder. 😀

Zuletzt noch ein Shoutout an die Massagesessel an den chinesischen Bahnhöfen: Ich liebe sie. Über Weixin 25 Yuan zahlen und 30 Minuten am ganzen Körper massiert werden, während ich warte, dass mein Zug aufgerufen wird. Geil!

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