Puzhehei liegt nur 1,5 Stunden Zugfahrt südlich von Kunming entfernt, ist aber ungleich wärmer. Bekannt ist die Gegend vor allem für ihre Lotusblumen, die in den weitläufig verzweigten, langsam fließenden Gewässern wachsen. Die Hauptblütezeit des Lotus ist von Juni bis August, ich war also deutlich danach dort und genoss ein entsprechend wenig von Touristen überlaufenes, ruhiges Wochenende.

Verblühter Lotus, Karstlandschaft und sehr viel Wasser

Ich startete am Samstag gegen 10:30 Uhr mit meiner Exkursion. Denn ich will zwar was sehen von dem Ort, an dem ich bin, gleichzeitig bin ich nicht bereit an meinem Wochenende auch noch früh aufzustehen sofern ich es denn vermeiden kann. Ich hatte am Abend nahe meines Hotels eine „Tourist Information“ entdeckt, die gleichzeitig ein Milchtee-Geschäft war und versuchte da am Vormittag mein Glück. Ich machte Bekanntschaft mit einer sehr hilfsbereiten Frau, die mir sofort mittels Papierkarte eine sinnvolle Route für den Tag empfahl, mir erklärte welche Route mit dem Boot in der aktuellen Jahres- und Tageszeit sinnvoll sei und welches Ticket ich dafür brauche. Ich schickte ihr 208 Yuan via Weixin für die Bootsfahrt und hatte einen ganz kurzen Moment von „und jetzt?“, aber sie packte mich dann sogleich hinten drauf auf ihren Elektroroller und fuhr mich quer durchs Dorf zum Startpunkt der Shuttlebusse zu den Bootstouren und ging dort dann auch nicht weg, bis ich wirklich im richtigen Bus saß. Wir hatten unsere Kontaktdaten zudem auf Weixin getauscht und sie insistierte mehrfach darauf, dass ich mich sofort melden solle, sofern ich irgendwelche Probleme habe. Mal wieder so ein Beispiel dafür, wie unglaublich nett und hilfsbereit die Menschen hier sind.

Meine Bootstour hatte ich gemeinsam mit einer Gruppe von fünf Chines*innen, die mich sofort adoptierten. Allein reisende Menschen werden hier ja immer etwas beäugt – zumal dann auch noch weiblich gelesen.

Im Anschluss an die Bootstour stellten die fünf wiederum sicher, dass ich im erneut korrekten Bus landete, wir verabschiedeten uns und ich war wieder alleine unterwegs. Nahe eines pittoresken Dörfchens gab es eine Höhle – nichts wie hin dachte ich, ahnungslos, was mich dort erwartete. Ich zahlte 30 Yuan Eintritt und gelangte an einen Höhleneingang, der über einen Steg zu erreichen war. Dort sprang ein Mann auf und geleitete mich in ein Boot, mit dem er mich in die Höhle fuhr.

Bootsfahrt in die Höhle

Nach einer kurzen Strecke, stießen wir wieder auf Land und der Mann bedeutete mir auszusteigen. Was er sonst noch sagte, verstand ich nicht so richtig, allerdings war ich ganz kurz ein wenig besorgt, als er sich mit dem Boot wieder abstieß und zurück zum Höhleneingang fuhr. Da stand ich nun also und war nicht so ganz sicher, wie ich da nun wieder rauskommen würde. Ich dachte mir aber, wie immer in solchen Situationen, dass sie mich arme Ausländerin hier schon nicht verrecken lassen würden. Und so machte ich mich gespannt auf den Weg in die Tropfsteinhöhle. Farbige Lichter strahlten die Stalagmiten und Stalaktiten an. Anfangs war das Lichtkonzept noch recht schlicht und setzte die Beschaffenheit der Höhle ganz gut in Szene, fand ich.

Es trieb zum Teil dann aber auch etwas merkwürdige Blüten mit künstlichen Pflanzen, farbigen, künstlichen Pilzen, Video- und Soundinstallationen. An einem Punkt, verstand ich, dass eine Stimme vom Band darauf hinwies, dass Fotos kostenlos möglich seien und dachte mir, ja, klar, ich mach hier die ganze Zeit Fotos mit meinem Smartphone und gedenke nicht, dafür zu bezahlen. Ich fand die Ansage also etwas komisch und verstand sie auch nicht restlos. Sie erklärte sich mir aber einige Schritte weiter, als ich um eine Ecke bog und eine junge Frau aufschreckte, die mir einen sehr ähnlichen Text runterratterte. Vor mir fand ich ein Fotoset, einen Computerbildschirm mit vermutlich dem letzten Bild und einer Szenerie mit beleuchtetem Halbmond, in dem ich mich doch bitte hineindrapieren sollte, um das KOSTENLOSE Bild von mir machen zu lassen. Ich lehnte dankend ab und ergriff die Flucht. Am verstörendsten finde ich, dass da Personal den ganzen Tag in der feuchten, kalten, dunklen Höhle sitzt und auf Kundschaft wartet.

Drogentrip und im Hintergrund wird das mit dem kostenlosen Foto angesagt

Raus kam ich dann übrigens ganz woanders. Die Höhle war ein Tunnel.

Den Vormittag des Sonntags betrieb ich nochmal etwas Sport. Mit meinem für die Reise gepackten Rucksack erklomm ich den Qinglong Berg, der einen Blick auf die Flusslandschaft versprach. Bei subtropischen 26°C ging es die Treppen rauf. Oben angekommen war ich klatschnass geschwitzt, aber wurde mit Panorama belohnt.

Für meine Rückkehr machte ich tatsächlich Gebrauch von meinem Tags zuvor geknüpften Weixin Kontakt. Ich sollte mich ja melden, sofern ich Fragen hatte. Also fragte ich, ob es statt Taxi (50 Yuan) auch einen Bus zum Bahnhof Puzhehei gäbe. Die Antwort erhielt ich prompt. Gibt es. Nummer 8, fährt alle halbe Stunde immer zur vollen und zur halben Stunde, braucht 35 Minuten (also genauso lange wie das Taxi) und kostet 10 Yuan. Danke, machte ich genauso.

Avatar von Silke

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