Zunächst einmal: Ich werde mir wohl eine chinesische Wetterapp besorgen, die chinesche Zeichen nutzt. Bisher nutze ich wie in Deutschland Wetter Online und mit der Standorterkennung funktioniert das auch ganz wunderbar. Nur als ich zur Vorbereitung zum Packen das Wetter von Jianshui prüfte, wählte Wetter Online einen anderen Ort aus und ich hatte auf der Karte nicht die korrekte Verortung geprüft. Statt 21 Grad und Regen, hatte es 29 Grad bei Sonne. Besser, als andersrum, aber die Fleecejacke hätte ich getrost zu Hause lassen können.
Mein Wunsch in Jianshui Ruhe und Ästhetik zu finden, wurde erfüllt. Die kleine Pension Qianmoli hatte tatsächlich sowas wie ein Lichtkonzept und erzeugte insgesamt eine sehr angenehme Atmosphäre.

Auch die Gastgeberin war extrem freundlich. Kurz nach meiner Ankunft erlebte ich einen kleinen Schreck, weil ich feststellte, dass ich meine großen Noisecancelling Kopfhörer im Taxi vergessen hatte. Ich hatte sie nach der Zugfahrt in der Hand behalten statt in den Rucksack zu stecken. Fehler! Weil ich über die Didi App gebucht hatte, konnte ich aber nachvollziehen, wer mein Fahrer war und bat ich meine Gastgeberin nach kurzer Erklärung meiner Situation, für mich den Taxifahrer anzurufen. Dieser fand meine Kopfhörer und brachte sie mir vorbei. 10 Yuan wollte er dafür haben. Ich habe ihm 20 gegeben, weil ich so dankbar war, auch wenn ich damit mit Sicherheit irgendeine Etikette verletzt hab.
Frühstück gab es nicht in der Pension, aber ich fand ein Baozi Restaurant in der Nähe, das mich für 4 Yuan satt machte. So allmählich gewöhne ich mich an chinesisches Frühstück.

Kaffee in den lokalen Cafés (also nicht die Ketten) gibt es eher so ab nach zehn. Auch wenn die Öffnungszeiten ggf. etwas anderes sagen.
Jianshui Sightseeing
Ich verbrachte viel Zeit damit einfach nur durch die Altstadt zu stromern und in jeden erdenklichen Tempel zu gucken, den ich finden konnte.
Eintritt bezahlt habe ich unter anderem für den ehemaligen Regierungssitz. Dort kam ich unerwarteterweise sogar in den Genuss einer Theaterperformance. Ich habe kein Wort verstanden, aber ich glaube, es ging um Rechtssprechung.




In der großzügigen Anlage der ehemaligen Beamtenbildungsstätte verbrachte ich auch relativ viel Zeit. Vieles der Inhalte dort kannte ich noch aus dem Studium, aber ja, Bildung hat in China seit Jahrtausenden einen sehr hohen Stellenwert. Aufstieg durch Bildung bzw. Beamtenkarriere stand grundsätzlich (fast) jedem männlichen Bürger zur Verfügung – sofern die Familie die Arbeitskraft entbehren konnte. Die allermeisten Infotafeln gab es auch in ganz gutem Englisch, was viel über die Zielgruppe und das Sendungsbewusstsein des Museums aussagt. Eine der Tafeln ging gar soweit zu behaupten, das chinesische Bildungssystem mit der zentralisierten Beamtenprüfung sei über Missionare in den Westen importiert worden. Hier wurde auch explizit Deutschland erwähnt. Allerdings kann ja eigentlich erst ab Reichseinigung 1871 unter Bismarck von Deutschland mit der Möglichkeit sowas wie zentrale Prüfungen durchzuführen, die Rede sein. Ich will einen gewissen Einfluss protestantischer Missionare auf preußische Politik nicht ausschließen, aber ob Chinas Einfluss in diesem Punkt hier wirklich so groß war, bedarf aus meiner Sicht noch weiterer Belege. Hier die Infotafel:

Zu guter Letzt war ich noch im konfuzianischen Tempel mit groß angelegtem Park. Das war einfach nur angenehm ruhig und der große Teich voller Lotusblumen ist unbestreitbar schön anzusehen.

Sehr amüsant finde ich ja immer die chinesische Bezeichnung für besonders bemerkenswerte Sehenswürdigkeiten: AAAA. Ich weiß nicht, ob es auch ein, zwei oder drei A gibt, aber die Beschreibungstexte sind im Groben immer folgende: „Das ist eine AAAA Sehenswürdigkeit! Unbedingt anschauen!“
Der konfuzianische Tempel mit Park war so eine AAAA Sehenswürdigkeit.
Zum Abschied bekam ich von meiner Gastgeberin noch gedämpfte Erdnüsse. Hab ich auch noch nicht gegessen. Sie waren ganz frisch und noch dampfend warm. Schmecken anders als geröstete, aber ich kann schlecht beschreiben inwiefern. Und sie sind recht weich.

Teekannen überall
In der Altstadt gab es zahlreiche kleine Läden, die selbstgemachte Teekannen verkauften. Oft stellten die Eigentümer*innen sie direkt im Eingangsbereich des Ladens aus Ton her. Und so ließ ich mich auch hinreißen einen Abend bummeln zu gehen und eine schlichte schwarze Kanne für 150 Yuan zu kaufen. Ich habe nicht gehandelt. Ich hatte keine Lust. Ich finde den Preis ok. Auch wenn sie nicht aus dem superduperbesonderen Ton aus dem Sonstwasgebiet gefertigt wurde. Ich denke, ich werde den Unterschied nicht schmecken. Ich bin aber ja auch ignorante Ausländerin. 😉
„Ausländerin“ entgegen- oder hinterhergerufen zu bekommen, geht mir immer noch auf den Keks. Das war schon immer so in China, nichts neues also. Aber ich finde es trotzdem unhöflich. Manchmal reagiere ich drauf und antworte sowas wie „ja, bin ich“. Dann gucken die Menschen meistens ganz erschrocken, weil sie wohl damit gerechnet haben, dass ich sie nicht verstehe.
Speziell in Jianshui: gegrillter Tofu
Die örtliche Spezialität will ich zum Abschluss nicht unerwähnt lassen, zumal sie zur Abwechslung vegetarisch ist. Tofu wird in Würfeln über Holzkohle auf dem Rost gegrillt und dann mit absurd scharfem Öl und nochmal zusätzlich scharfen Gewürzen verspeist. Der Tofu ist irgendeine Art von „stinky tofu“, den ich in Taiwan schon vermieden habe. Er stinkt aber nicht ganz so erbärmlich wie der in Taiwan. Ich habe todesmutig probiert. Vom stinky Aroma kommt unter der ganzen Schärfe nicht mehr viel zur Geltung, aber mein Lieblingsgericht wird es wohl dennoch nicht.

In der Garküche, in der ich den Tofu probierte, bekam ich zumindest Kudos dafür, dass ich das scharfe Zeug ohne zu murren gegessen habe.
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