Die zweite Woche liegt inzwischen fast hinter mir und allmählich komme ich hier in Kunming an. Gleich an meinem ersten Tag hat mich die Ansprechperson der Schule dabei unterstützt eine chinesische Prepaid SIM zu bekommen, so dass ich hier ein fast vollwertiges Leben führen kann. Wie ich das Guthaben auflade, kriege ich noch raus. 😉
Umziehen
Nachdem ich beim Management der Schule ein größeres Fass aufgemacht habe, habe ich ein neues Zimmer bekommen, dessen Fenster zur Straße raus geht. Drei Monate Baustelle ist einfach keine Option. Die Schule ist gut gebucht und es war keines der klassischen Zimmer mehr frei, so dass ich jetzt eher in einer Wohnung untergebracht bin, direkt neben dem Gym. Ich habe jetzt ein Vorzimmer, ein Bad mit richtiger Dusche mit Tür, schlafe im unteren Teil eines Stockbettes und habe eine eigene Waschmaschine. Ziemlicher Luxus. Im Vorraum gibt es eine vollwertige Küche, die ich allerdings nicht verwenden soll. Ich teile sie mir mit den Bewohnenden eines weiteren Zimmers.




Schlafen geht gut mit offenem Fenster und Ohrenstöpseln gegen die im Vergleich zur Baustelle sehr viel milderen Straßengeräuschen. Ende des Monats ziehe ich für eine Woche nach Lijiang und muss irgendwie dafür sorgen, dass ich bei meiner Rückkehr erneut ein Zimmer zur Straße bekomme. Direkt die Wohnung wieder zu bekommen, wäre natürlich sehr nett, aber das ist nicht mein Anspruch.
Chinesische Apps und ihr Platz im alltäglichen Leben
Die Vielzahl an chinesischen Apps ist ein Kapitel für sich und bisher kratze ich hier lediglich an der Oberfläche. Viele Informationen oder Services sind in bestimmten Apps versteckt und Baidu ist zwar mit Google vergleichbar, doch muss mensch wissen mit welchen Zeichen nach bestimmten Dingen zu suchen ist. Aber ich frag mich durch und robbe mich langsam ran.
WeChat bzw. Weixin (微信)
In erster Linie eine App zum Chatten, doch gibt es darin zahlreiche Miniprogramme, die direkt in Weixin laden und zahlreiche Aspekte des Lebens erleichtern. Diese Miniprogramme muss mensch in der Regel mit dem Weixin Account aktivieren und in den allermeisten Fällen funktionieren sie nur, wenn eine chinesische Handynummer zur Verifizierung hinterlegt wird. Gut also, dass ich eine solche Nummer habe.
Weixin habe ich bisher zum Chatten mit neuen Kontakten benutzt, ich bezahle damit an manchen Stellen, nachdem mir ein Standort geschickt wurde, konnte ich in Weixin einen Taxiservice aktivieren und mir ein Fahrzeug zu meinem Standort bestellen, das mich dann zum geschickten Standort gebracht hat. Die Nummer war ein bisschen abenteuerlich, weil ich nach der Aktivierung und dem Bestellen des Fahrzeugs mit Popups auf Chinesisch bombardiert wurde, der Fahrer mit mir einen Chat gestartet hat und ich gleichzeitig nicht so genau wusste, ob ich einfach stehen bleiben soll oder zu einem anderen nahe gelegenen Standort gehen soll. Als ich dann im richtigen Fahrzeug saß, wurde ich zweimal angerufen und als ich beim zweiten Mal drangegangen bin, hat mich eine Frauenstimme in schnellem Chinesisch zugetextet. Ich hab hab kein Wort verstanden und einfach aufgelegt. Bezahlt habe ich das Fahrzeug vorab und es ist sehr viel günstiger als klassische, offizielle Taxis.
Außerhalb des Chats funktioniert Taxi bestellen innerhalb der Miniapp Didi. Bezahlt wird dann erst bei Ankunft direkt mit Weixin.
Alipay bzw. Zhifubao (支付宝)
Zhifubao nutze ich in erster Linie für Zahlungen. Nach dem Einkauf zeige ich den QR Code vor, den ich in meiner App habe, dieser wird abgescannt und die zu bezahlende Summe verbucht.
Verknüpft in Zhifubao ist allerdings zum Beispiel auch trip.com, eine all in one travel booking site. Dort gibt es Hotels, Flugtickets, Zugtickets und lokale Tourguides. Die Seite ist super strukturiert, komplett auf Englisch verfügbar und hat mir hervorragende Dienste dabei geleistet, meine Hotelbuchungen für meine Reise mit Jonas Ende Oktober, Anfang November, vorzunehmen. Zahlung jeweils vorab direkt über Zhifubao. Ging super.
Zugtickets sind immer nur zwei Wochen im Voraus buchbar – das teste ich also erst noch.
Der alternative Taxiservice, Didi, ist hier ebenfalls verknüpft, aber da hat irgendwas nicht funktioniert und ich konnte keine Buchung tätigen.
Was aber gut funktioniert ist die Metrokarte. Den Metroservice für Kunming musste ich erst aktivieren und jetzt kann ich in Zhifubao den Service anwählen, habe dann wieder einen extra QR-Code, den ich zum Betreten der Metrostation scanne, beim Verlassen an der Zielstation scanne ich ihn wieder und mir wird automatisch die Summe für die zurückgelegte Strecke über Zhifubao abgebucht. Megapraktisch!
Rednote bzw. Xiaohongshu (小红书)
Ich nutze ja kein Instagram aber ich glaube Xiaohongshu ist damit vergleichbar. Zahlreiche kleine Kacheln mit Bildern und Videos, die Startseite personalisiert sich in Windeseile basierend auf Likes und angeklickten Bildern / Videos. Meine Startseite besteht inzwischen aus Katzenvideos, durchtrainierten Chinesinnen, die krasse Kraftübungen machen, Lesben und Tattoos. Motorräder fehlen noch, aber die habe ich auf Bluesky. 😉
Warum hab ich das? Weil ich einen Tätowierer gesucht habe hier und mir gesagt wurde, die finde ich am Besten auf Xiaohongshu. Und so war es auch. Es gibt echt gute Tattookünstler hier. Ich habe auch einen gefunden, aber das packe ich dann glaub ich alles mal in einen gesonderten Blogpost. Nur soviel: Der Mensch spricht nur Chinesisch und fordert mich damit ziemlich heraus. Aber es ist gut. 🙂
AMAP bzw. Gaode (搞得)
Google Maps funktioniert hier ja nicht und hat auch mangels Nutzer*innen sehr wenige sinnvolle Einträge. Die Kartenapp Gaode ist das Mittel der Wahl zur Navigation.
Auch hier gibt es eine Verknüpfung zu verschiedenen Taxiservices. Das übe ich allerdings alles noch. 😉
Soviel erstmal zum praktischen Teil. Ein paar Dinge erlebt und Menschen kennengelernt habe ich auch schon. Das packe ich aber an einem anderen Tag in einen neuen Post.
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