Ich bin inzwischen ein paar Tage hier und meine Erkältung ist auch schon sehr viel besser. Trotz zahlreicher Aufenthalte in Asien, bringt mich doch vieles immer wieder zum Schmunzeln. Eine erste Sammlung:

Ganzkörperföhn in Korea

Meine Entdeckungsreise begann bereits in Korea. Ich war noch nie in Korea und war auch jetzt nur kurz dort zum Umsteigen am Flughafen ICN Incheon in Seoul. Dort suchte ich eine Dusche auf und fand ein gut ausgestattetes Badezimmer für 6 $. Sogar Handtuch und Zahnbürste bekam ich dazu. Sehr angenehm direkt auch eine eigene Toilette zu haben.

Neben der Toilette stand ein grau-schwarzes Etwas, das ich für eine Waage hielt. Als ich mich drauf stellte, fing es jedoch an von unten warme Luft über meinen Körper zu blasen und ich bin fürchterlich erschrocken. Dann musste ich sehr lachen: Ein Körperföhn. Interessanterweise soll mensch ihn aber erst benutzen nachdem mensch sich abgetrocknet hat. Das sagte zumindest das Schild, das darüber an der Wand hing.

Hinweis zum Video: Mama, ich weiß, du liest meinen Blog immer in deinen E-Mails. Sollte da das Abspielen des Videos nicht funktionieren, geh bitte nochmal ganz an den Anfang der E-Mail, da müsste oben rechts ein kleiner Link sein, der „Im Blog lesen“ oder so ähnlich heißt. Klick da mal drauf, dann müsste sich die Website des Blogs öffnen und da kannst du dann auch Videos abspielen.

Meine 6 $ Luxusduschkabine am Flughafen ICN Seoul

How to Dusche und Klo

Wenn wir schon bei Badezimmern sind: In meiner Unterkunft an der Schule habe ich ein ganz klassisches chinesisches Bad mit zwei Besonderheiten: Klopapier darf niemals ins Klo, sondern füllt den Mülleimer daneben. Und die Dusche hängt einfach ohne Abtrennung an der Wand, das heißt, nach jedem Duschen ist Wischen angesagt. Dafür habe ich extra einen sehr praktischen Abzieher mit einem Schwamm unten dran und einem Hebel, der den Schwamm in der Mitte zusammenschiebt und damit auswringt.

Mein Badezimmer: benutztes Klopapier im Müll und in der Ecke der Wischmopp zum trocken wischen nach der Dusche
So funktioniert der Abzieher. War nicht ganz einfach, das gleichzeitig mit dem Handy aufzunehmen und zu bedienen

Das hat zur Folge, dass ich immer ein frisch gewischtes Bad habe.

Auch relevant: Klopapier kommt nicht immer in Rollen, sondern gern auch zum rupfen. Mit dem Bild „Rollen“ im Kopf kann die Suche nach Klopapier also auch vergeblich enden. Vergleiche auch hier mein Foto vom Bad mit dem zu rupfenden Klopapier auf der holzverkleideten Säule in der Ecke.

Sehr positiv an der Toilettenkultur hier am Land finde ich die Dichte der öffentlichen Toiletten. Eigentlich findet sich überall ein Ort, an dem mensch seine Notdurft verrichten kann. Auch an den U-Bahnen direkt am Gleis, so dass mensch nochmal schnell pinkeln gehen kann, wenn die U-Bahn doch erst in vier Minuten kommt. Es handelt sich bei den Damentoiletten eigentlich immer um die klassisch asiatischen Klos mit dem Loch im Boden. Die finde ich allerdings sogar hygienischer als die vollgepinkelten Klobrillen westlicher Toiletten. Pros krempeln ihre Hosenbeine schon in der Warteschlange zur Toilette hoch. Klopapier gibt es entweder im Vorraum oder oft gar nicht, also immer genügend Taschentücher dabei haben und natürlich auf keinen Fall in der Toilette entsorgen, sondern im Mülleimer. Spülung entweder drücken, treten oder ziehen oder was ich gestern auch gesehen habe: den bereithängenden Wasserschlauch benutzen, um alles wegzuspritzen.

Wasser zum Händewaschen gibt es in der Regel, aber oft ist die Seife alle. Gegebenenfalls also doch noch Desinfektionstücher mitführen.

Tanzen im Park

Youtube ist voll davon. Einfach mal nach „Chinese dancing in the park“ suchen. Jung und alt, alle zusammen, irgendwo brüllt ein Lautsprecher, jemand tanzt vor und alle machen es nach. Ich freue mich immer, wenn ich das sehe.

Like this, everywhere:

Always makes me smile

24 Stunden Baustelle

Direkt vor meinem Zimmer befindet sich eine Baustelle. Genauer gesagt wird gerade erst am Aushub gearbeitet. Was mir in den ersten Tagen mit Fieber nicht so aufgefallen war: Es ist saulaut und die arbeiten 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche.

Bei geöffnetem Fenster schlafen? Keine Chance. Es geht mit geschlossenem Fenster und Ohrenstöpseln, aber dann wird es echt stickig in meinem kleinen Zimmer.

Baustelle um Mitternacht
Baustelle tagsüber

Ich habe darum gebeten ein anderes Zimmer zu bekommen. Es gibt einige Zimmer, die zur Straße raus gehen, statt zur Baustelle. Und die Straße ist dank weit fortgeschrittener Elektrifizierung des Verkehrs verhältnismäßig leise.

Geräuschvoll auf die Straße rotzen

Trotz zahlreicher Kampagnen der Regierung, mit dem Ziel der Bevölkerung diese Angewohnheit auszutreiben, höre ich es immer noch überall auf den Straßen: Das geräuschvolle Einsammeln aller Lungensäfte, um sie anschließend schwungvoll auf den Bürgersteig zu rotzen. Mir zieht sich jedes Mal alles zusammen. Ich gewöhne mich nicht dran.

Aber wehe, mensch schnäuzt sich in der Öffentlichkeit die Nase. Das war für mich in den ersten Tagen der Erkältung, in denen mir ständig die Nase lief, echt schwierig. Ich hab trotzdem geschnäuzt. Bin ja offensichtlich Ausländerin.

Sicherheitskontrolle vor der U-Bahn

Völlig klar, dass unbedingt sämtliche Taschen gescannt werden müssen, bevor der U-Bahnhof betreten wird. Sehr amüsant fand ich auch, dass die Kontrolleurin mit ihrem extra Metallpiepsgerät nicht abgewartet hat, bis ich durch den torförmigen Metalldetektor durch bin, sondern mich unmittelbar in dem Gerät gestoppt und nochmal abgescannt hat. Vermittelt mir irgendwie die Botschaft, dass es sich um reine Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen handelt und den Leuten nicht so wirklich klar ist, was das alles soll. Aber schon ok. Scannt mich.

Übrigens im Vergleich zu Chengdu letztes Jahr hier in Kunming sehr viel weniger omnipräsente Gesichtsscanner. Zumindest an der U-Bahn wurde mein Gesicht noch gar nicht gescannt. Kunming ist aber auch sehr viel kleiner als Chengdu.

Personalflut in Kaufhäusern und Supermärkten

Ich bin immer wieder fasziniert, wie unglaublich viel Personal an allen möglichen Ecken eingesetzt wird. Oft in Jobs, die sehr viel Warten auf Aufgaben beinhalten. Dann werden Menschen kreativ gegen die Langeweile: Schlafen, am Handy spielen, mit dem sehr langen Nagel des kleinen Fingers in der Nase bohren.

Ich war diese Woche im Walmart, ein riesiger Supermarkt über drei Stockwerke. Meine Mission: Waschmittel, Shampoo und Duschgel finden. Ich verpasste es leider einen dieser kleineren Körbe zum Hinterherziehen zu erbeuten und musste dann stattdessen für meine paar Sachen einen riesigen Einkaufswagen nehmen. Um die zwischen den verschiedenen Stockwerken zu wechseln, gab es diese langen, schräg nach oben, bzw. unten verlaufenden Laufbänder. Und am Ende dieser Bänder lauerten dann die angestellten Damen mit irgendwelchen Artikeln in der Hand, die sie mir aggressiv versuchten in den Wagen zu legen. Bei meiner Suche nach Waschmittel, waren sie allerdings sehr hilfreich, ebenso bei der Identifikation von Duschgel, auch wenn ich das von ihr ausgewählte zufällig teuerste Produkt zurückstellte. 😉

Nach dem Einkauf die Herausforderung: Wohin mit dem Einkaufswagen. Als gute Deutsche wollte ich ihn natürlich zum Sammelplatz zurückbringen. Nur sah ich nirgends einen Sammelplatz. Und irgendwie war ich auch die Einzige, die mit ihrem leeren Wagen wieder ganz runter auf die Straßenebene fuhr. Unten angekommen, fragte ich dann sehr vorsichtig einen älteren Herren, ob er mir sagen könne, wohin ich das Monster bringen sollte. Er gestikulierte sehr aufgeregt in die Richtung aus der ich kam und sagte sehr laut und aufgebracht was zu mir, das ich nicht verstand, weil er Dialekt und sehr schnell sprach. Ich nahm dann sehr kleinlaut meinen Wagen und parkte ihn wild am Ende des Laufbandes, von dem ich gerade gekommen war, vor einem Eingang zu einem Bereich, der wie ein Lager aussah. Irgendein Personal wird sich sicherlich finden und das Ding einsammeln.

Anti-UV Gesichtsmasken und Ganzkörperanzüge bei 28 °C

Asiatinnen – es sind in erster Linie weiblich gelesene Personen – folgen dem Ideal ihre Haut so weiß wie möglich zu halten. Soweit so bekannt. Neu sind für mich die Vollgesichtsmasken, die nur einen Schlitz für die Augen frei lassen.

Hier ein Link zum Shein Shop, in dem ich das Produkt gefunden habe und ein Screenshot, falls der Link nicht mehr funktioniert. Ich wollte nicht irgendwelche fremden Frauen auf der Straße fotografieren.

https://sg.shein.com/GOLOVEJOY-1pc-Fashionable-And-Versatile-Grey-Silk-Ice-Silk-Sun-Protection-Face-Mask-Full-Face-UV-Protection-For-Outdoor-Activities-Like-Golf-Cycling-Hiking-Camping-Breathable-And-Transparent-Design-p-75410988.html

Ein Screenshot aus dem chinesischen Onlineshop Shein. Zu sehen ist eine junge Frau mit einer Maske, die ihr gesamtes Gesicht verdeckt. Lediglich für die Augen ist ein abgerundeter Schlitz frei. Unterhalb der Nasenlöcher und über dem Mund hat die Maske einen Einsatz mit kleinen Löchern, um Atmen und Sprechen zu erleichtern. Die junge Frau trägt ihre schwarzen Haare offen. Sie fallen über die Gummibänder, die die Maske hinter ihrem Kopf befestigen.
Aus dem shein shop. Ja, Menschen tragen das in der Öffentlichkeit

In Kombination mit den mir bereits bekannten UV-Ganzkörperanzügen incl. Handschuhen, ist die Assoziation zur Burka nicht mehr so weit weg.

Kontaktlinsen für extra große Puppy Eyes

Kontaktlinsen, auch ein ganz altes Thema in Asien. Gerne auch in hellen Farben, um blaue Augen zu erzeugen. Sieht immer sehr künstlich aus. Gerade sehe ich aber mehr junge Frauen mit sehr dunklen, aber unnatürlich großen Pupillen. Danke Google für die Suchergebnisse:

Google Image einer jungen Asiatin mit locker zusammengebundenen Haaren und sehr großen dunklen Augen.
Unnatürlich große Pupillen dank Kontaktlinsen

https://www.fruugo.sg/two-large-black-eye-color-contact-lenses-prescription-with-diopter-lenses-with-eye-contact-lenses-student-animation-natural/p-178118816-380423978?language=en&ac=google&asc=pmax&gad_source=1&gad_campaignid=17181269494&gbraid=0AAAAADpXug27n0Sa5GFry8_u8g8M4mn6n

Ich vermute, es handelt sich um ein Schönheitsideal aus Mangas. Auch hier sehe ich wieder überwiegend Frauen damit rumlaufen.

Katzen- und Mauseohren

Old, but gold, auch wieder hauptsächlich Frauen: Katzen- oder Mauseohren als Handyhülle, Haarreif, Cappy, Helm. Immer und überall. Jedes Alter.

Falsches oder ziemlich explizites Englisch auf T-shirts

Gestern habe ich ein vielleicht achtjähriges Mädchen gesehen, das ein weißes T-shirt anhatte, auf dem in schwarzen großen Lettern „No Fucks“ stand. Ich hätte noch ein „given“ hinzugefügt und hab die Kleine ziemlich gefeiert. You go, girl! Ich habe allerdings so meine Zweifel, dass Hersteller des T-shirts oder die Eltern ernsthaft verstanden haben, was da auf dem T-shirt steht.

Falsches Englisch auf Kleidung ist auch sehr verbreitet. Ich denke, das ist ausgleichende Gerechtigkeit für den ganzen Blödsinn, den sich Menschen in Europa in Form von chinesischen Zeichen unter die Haut tackern lassen.

Kurierfahrer mit Style

Chines*innen und Roller waren auch schon immer ein Ding. Jetzt halt fast nur noch elektrisch. Dass die Dinger kreativ dekoriert und beleuchtet werden auch nicht neu.

Neu für mich ist aber die krasse Kurierfahrerkultur. Alles kann mensch sich liefern lassen. In Restaurants und Cafés ein konstantes Kommen und Gehen von Lieferpersonal. Und die wiederum heben ihren Rollerstyle auf ganz neue Level. Der Helm als Arbeitsgerät und Ausdruck des Charakters. Mit Ohren, Kunsthaar, Gedöns dranmonitert. Und dazu bunte Roller, die blinken und piepen. Hauptsache auffällig.

Spannend finde ich: Die Zunft ist sehr männlich besetzt, aber Hello Kitty Roller, der lila blinkend leuchtet und zwei lange geflochtene Zöpfe am Helm geht auf jeden Fall klar.

Konstante Geräuschkulisse

Ja, ich bin in einer Großstadt (aus deutscher Sicht, aus chinesischer Sicht bin ich in einer Kleinstadt). Dass ich hier nicht nur die Vöglein zwitschern höre, ist mir schon klar. Aber es ist schon so ein chinesisches Ding, dass permanent irgendwas brüllen muss. Handys auf laut, die irgendeine Serie oder weiß der Geier was auf voller Lautstärke abspielen. Megafone, die Produkte anpreisen oder darauf aufmerksam machen sollen, mensch solle irgendwo aufpassen (an Rolltreppen oder so). Wenn kein automatisiertes Megafon zur Hand ist, brüllt ein echter Mensch den immergleichen Text in ein Mikrofon, zum Beispiel, um Gäste in ein Restaurant zu locken. Und weil die Umgebung konstant so laut ist, reden auch die Menschen alle lauter, um die Geräuschkulisse zu übertönen.

Ich war gestern in der Innenstadt, es war sauvoll und ich habe irgendwann eine Mini-Grünfläche nahe einer stark befahrenen Straße gefunden, in der ein kleines bisschen weniger Menschen waren und zwei, drei Bäume. Leise war es dort also nicht wirklich, aber zumindest ein kleines bisschen stiller und ich merkte da schon, wie ich ein bisschen aufatmen konnte. Stille wird noch ein krasser Luxus für mich hier. Aber ich werde meine Inseln finden, da bin ich ganz sicher.

Hinterlasse einen Kommentar