Ich hätte verlängern können, aber drei Wochen reicht dann auch echt. Seitdem ich wieder zu Hause bin, esse ich quasi nur vegan als Ausgleich für die vielen Milchprodukte, die ich in Damp konsumieren durfte. Meine Laktoseintoleranz hat sich gefreut und mich mit Nebenkriegsschauplätzen wie einer hartnäckigen Blasenentzündung versorgt. Die Entzündung ist schlagartig weg, seitdem ich wieder anständig esse.
Kritik am Essen konnte ich mir nicht verkneifen, als ich am Seminar für gesunde Ernährung teilnehmen durfte. Das war in meiner letzten Woche und als die Diätassistentin, die das Seminar halten durfte, fragte, was wir unter gesunder Ernährung verstehen, konnte ich mir den Kommentar „das, was ich hier die letzten drei Wochen essen musste, schonmal nicht,“ nicht verkneifen. Die Reaktion: Pikierter Blick ihrerseits und Applaus und zustimmende Äußerungen von einigen Mitinsassen im Seminar. Im Ergebnis habe ich dann doch 1kg abgenommen. Gar nicht mal so selbstverständlich bei der Menge Sahneschlonz, die ich notgedrungen verzehrt habe.
Nachdem ich Weihnachten zu Hause verbracht hatte, war ich Silvester / Neujahr allein in Damp. Für Silvester hatte ich mir ein Wohlfühlprogramm vorgenommen: Erst Sport, danach in die Sauna und abends auswärts im Restaurant des Hotels raffinierteres Essen, als das obligatorische Käsebrot, das ich jeden Morgen und jeden Abend gegessen habe. Im örtlichen Restaurant Limerick bekam ich stattdessen Pilzcremesuppe und ein mit Ziegenkäse verfeinertes Risotto. Ja, auch wieder recht sahnelastig, das essen aber es gab für Vegetarier ohnehin schon nur dieses eine Gericht. Zumindest lecker war es. Mein Plan danach früh ins Bett zu gehen, scheiterte an dem doch überraschend vielen Geböller in dem gut hallenden Hof zwischen den hohen Beton-Klinikhäusern. Pünktlich um Mitternacht fing dann noch ein Mensch im Schottenrock an sehr schlecht auf einem Dudelsack zu spielen. Ich dachte kurz, mir sei was in den Tee gemischt worden. Das Geböller zog sich dann noch so bis ca. 2:00 Uhr aber ich musste ja trotzdem an Neujahr wieder bis spätestens 9:00 mein Frühstück beendet haben. Da ich aber den gesamten Tag außer eines weiteren Slots für freies Training absolut nichts zu tun hatte, ging ich nach dem Frühstück einfach nochmal ins Bett. Der Leerlauf an den Feiertagen gestaltete sich schon sehr zäh.
Nachdem ich mich einmal beschwert hatte, war mein Programm für die nicht-Feiertage allerdings ganz ordentlich gefüllt. Ich bekam eine gute Mischung aus Sport und Entspannungseinheiten sowie theoretischem Input zu – wie erwähnt – Ernährung, Stress, Motivation und resistenten Keimen. Am meisten profitiert habe ich vom Sportprogramm ergänzt durch das mehrmals tägliche Laufen in den sechsten Stock, wo sich mein Zimmer befand. Für das gesamte Haus standen genau zwei Fahrstühle plus ein nur manchmal funktionierender dritter Fahrstuhl zur Verfügung. Diese wurden gerade zu den Essenszeiten natürlich stark frequentiert vor allem von all den Insassen mit Gehbehinderung. Es dauerte also immer gefühlt eine Ewigkeit bis überhaupt mal ein Fahrstuhl anhielt und dann war dieser in der Regel rappelvoll. Ich war also nach zwei Versuchen konsequent auf Treppe umgestiegen.

Vom Nordic Walking hatte ich leider nicht viel. Zuerst fiel meine Einführung aus, dann hatte ich in der Woche darauf meine Einführung, doch kam plötzlich ein Wintereinbruch und überzuckerte den ganzen Ort mit Schnee, so dass alle Außenanwendungen ausfielen, inklusive meiner Nordic Walking Einheit. Und nach dem Tauwetter tauchte der Kurs nie mehr auf meinem Kursplan auf. Ich könnte nun also nur mit meinem gewonnenen Wissen aus der Einführung zu Hause Stöcke kaufen und mit der Sportart anfangen.


Entlassen wurde ich arbeitsfähig und mit den Aussagen sowohl von der Ärztin, als auch der Physiotherapeutin, dass ich grundsätzlich wieder alles machen dürfe, nur eben auf Schmerzimpulse achten solle und dann nicht weitermache, wenn mir etwas weh tut. An sich ja gesunder Menschenverstand, nur hatte sich mein Rücken in den Monaten davor nach einem ersten Schmerzimpuls gar nicht mehr beruhigt und sich mein Zustand auch durch MRT Bilder nachweislich verschlechtert. Wieder zur Schmerzgrenze gehen zu können, ohne nachhaltig was kaputt zu machen, stellt also eine klare Verbesserung meines Zustandes dar.
Hinterlasse einen Kommentar