Die Feiertagssituation ist wirklich unglücklich. Ich fühle mich akut unterbeschäftigt. Das geht so weit, dass ich angefangen habe vom Puzzleverleih hier Gebrauch zu machen. Drei Puzzle mit je 1000 Teilen habe ich schon fertig gestellt – zwei davon jedoch zugegebenermaßen mit Jonas‘ Hilfe, der mich das Wochenende nach Weihnachten besucht hat. An den Feiertagen und am Wochenende bleibt mir meistens nur das freie Sportprogramm zu einem bestimmten Zeitslot. Also 20 Minuten Ergometer fahren und die freien Übungen, die ich von meiner Hamburger Physiotherapeutin bekommen habe. Ich bin wirklich so froh, dass die mich ausgestattet hat, sonst könnte ich mich auf Ergometer und freihändiges Aufstehen beschränken, wenn ich nur auf das zurückgriffe, was ich hier gelernt habe. Meinen Rückenkurs, in dem ich in der ersten Stunde freihändiges Aufstehen gelernt habe, hatte ich nämlich nie wieder. Ich habe aber von einem Mitinsassen (wir werden hier Rehablilitanten genannt, ich finde aber Insassen treffender) erfahren, dass der Kurs durchaus weiter ging und er dort auch weiter regelmäßig war. Wurde ich da rausgeschmissen, weil ich rumgemault hab, dass mir das Niveau zu niedrig ist? Die Therapeutin meinte, ich müsste eigentlich in einen weiter fortgeschrittenen Kurs, wenn ich mit meiner Physio schon Planks gemacht hätte. Nur habe ich jetzt halt gar keinen Kurs mehr – weder die Krabbelgruppe, noch den fortgeschrittenen Kurs. Aber morgen habe ich wieder einen Arzttermin, in dem ich sowas erfragen kann.


Meinen Zwischentermin beim Arzt hatte ich direkt vor Weihnachten auch noch. Da musste ich entscheiden, ob ich wieder arbeitsfähig sei und ob ich verlängern möchte. Fand ich spannend, dass das meine Entscheidung ist. Dachte, das sei ärztliches Ermessen, ob ich wieder acht Stunden am Rechner sitzen oder stehen kann. Ich habe mich dann für arbeiten und gegen Verlängern entschieden. Wenn ich hier noch eine weitere Woche rumsitze, zünde ich am Ende noch irgendwas an. Zumal ich die Ballettvorstellung aus meinem Abo am 10.1. verpassen würde bei Verlängerung. Ich glaube, das vertrage ich schlecht, hier zu sitzen und zu puzzeln, wenn ich weiß, ich könnte gerade auch in der Staatsoper sein. Ich werde nächste Woche einfach ein bisschen randalieren, dass die mich ordentlich mit Programm vollballern und zwar möglichst mit Dingen, die ich dann zu Hause auch fortführen kann.
Schwimmen, bzw. alles im Wasser habe ich getestet und mir direkt alles wieder rausschmeißen lassen. Zwar handelt es sich bei dem Bad hier um Salzwasser, aber meine Haut sagte sehr eindeutig, dass es trotzdem gechlort ist. Von dem Juckreiz hatte ich eine halbe Stunde später noch was. Abgesehen davon könnte ich in Hamburg eben wegen meiner Chlorallergie ohnehin nicht weitermachen mit Schwimmen, weil das Wasser in den Bädern dort noch stärker gechlort ist. Worauf ich tatsächlich gespannt bin, ist Nordic Walking. Ich finde es zwar immer noch unglaublich albern mit diesen Stöcken herumzulaufen, kann mich der Wissenschaft rund um diese Ganzköperbewegung aber schlecht entziehen. Dann mach ich mich halt zum Affen. Solange es hilft, mir egal. Mein Einführungstermin am 23.12. fiel bedauerlicherweise aus – nächsten Donnerstag versuchen wir es nochmal. Dann habe ich immerhin noch eine Woche, um das Ganze hier zu testen.
Vom 24.12. – 26.12. durfte ich nach Hause. Endlich mal wieder ausschlafen und frühstücken wann ich will. Diese tägliche 7:00 Uhr Routine finde ich immer noch sehr gewöhnungsbedürftig. Damp verabschiedete mich am Morgen des Heilig Abend mit wunderschöner Morgenröte – seit ich zurück bin, versinkt die Ostsee im Nebel.

Heute war ich im örtlichen Waschsalon, für 9 € meine Klamotten waschen und trocknen. Die halbe Klinik hatte sich dort versammelt. Der Laden rechnet sich wahrscheinlich auch nur, weil die Klinik hier keine Mögichkeit bietet Kleidung zu waschen. Es gibt nur entweder einen Reinigungsservice zu entsprechenden Preisen oder Waschen und Trocknen für 4,50 € das angefangene Kilo. Nur dann muss ich freitags die Wäsche abgeben und bekomme sie erst am darauffolgenden Donnerstag zurück. So viel Wäsche habe ich nicht dabei!
Aus den Gesprächen im Waschsalon lernte ich zum Beispiel, dass ich mit meinem modernen, renovierten Zimmer richtig Glück hatte. Das andere Gebäude scheint noch nicht renoviert worden zu sein und die Insassen dort kommen in den Genuss von Zimmern original aus den 70ern mit blauem, versifften Teppichboden.
Insgesamt spannend zu beobachten, wie die soziale Interaktion hier so funktioniert. Gerade beim Essen finden sich immer mehr kleine Grüppchen zusammen. Mein Bedürfnis hier Anschluss zu finden ist inexistent. Ich bin ganz zufrieden damit hier auf mich zurückgeworfen zu sein. Mein soziales Leben findet per Messenger mit den Menschen, die mir nahe stehen, statt. Auch eine ganz gute Kur für meine Introversion, die im Alltag mitunter immer etwas zu kurz kommt.
An Silvester habe ich entschieden, dass ich nach dem Sport die hiesige Sauna aufsuche und anschließend gucke, ob ich in einem der lokalen Restaurants noch einen Tisch bekomme, so dass ich mir mal wieder ordentliches Essen zu Abend gönnen kann. Bisschen self-care also.
Hinterlasse einen Kommentar