Ich nahm zusammen mit dem französischen Pärchen den Linienbus 110 gegen 10:30 Uhr in Richtung Chiayi. Die beiden hatten mich am Vortag freundlicherweise auch darauf hingewiesen, dass der Donnerstag ein Feiertag ist in Taiwan – sie hatten nur noch schwer Zugtickets bekommen. Also hatte auch ich mir noch schnell ein Ticket für einen High Speed Train um 13:32 Uhr gesichert. Wertvoller Tipp, denn als ich auf dem Weg ins Tal im verspäteten Bus alternative Verbindungen prüfte waren erst wieder ab 17:00 Uhr Tickets für Züge verfügbar. Ob das nun daran lag, dass alle anderen ausgebucht waren oder Tickets für die High Speed Trains nur mit einem gewissen Vorlauf gebucht werden können, vermag ich nicht zu beurteilen. Rechtzeitiges Buchen ist aber in jedem Fall ratsam. (Die Züge fahren übrigens im 1/2-Stunden-Takt.)


Nach Taipei zurückzukommen, stimmte mich sentimental. Mein Jahr hier hat mich sehr geprägt und immer wenn ich wiederkomme, habe ich das Gefühl, ich bin noch nicht fertig mit der Stadt. I feel oddly at home here.
Passenderweise begrüßte mich Taipei mit strömendem Regen. Also strömend nach deutschen Standards. Für taiwanesische Verhältnisse wohl eher mittelgradige Schauer. Ich suchte meine Bushaltestelle am Hauptbahnhof also erstmal unterirdisch, bzw. suchte ich den am nächsten gelegenen Ausgang zu meiner Bushaltestelle. Beruhigend, dass sich manche Dinge einfach nicht ändern: Der Taipei Hauptbahnhof ist immer noch genauso verwirrend und unübersichtlich wie ich ihn von früher kenne. Aber am Ende kriegte ich es hin.
Mit meiner wieder aktivierten Easycard nahm ich für drei Stationen den Bus zu meinem Hostel in Ximen. Was mir positiv auffiel: Im Bus gibt es jetzt auch auf Englisch eine Erklärung wann man seine Easycard scannen muss, um entsprechendes Guthaben abzubuchen. Das war früher nur auf Chinesisch, wobei die relevanten Zeichen 上und 下 Gott sei Dank vergleichsweise einfach zu identifizieren sind. Nur muss mensch auch erstmal checken was das soll. Beim Einstieg in den Bus leuchtet entweder 上 oder 下 oder beides. 上 (shang) meint im Kontext mit Busfahren „einsteigen“, ergo muss die Karte gleich als erstes beim Betreten des Busses gescannt werden (alternativ kann ein Festbetrag in Münzen gezahlt werden). 下 (xia) heißt entsprechend „aussteigen“ (im Kontext Busfahren) und die Karte muss nur dann gescannt werden. 上下 heißt dann beim ein- und aussteigen scannen. Mir hat das damals ein taiwanesischer Bekannter beigebracht. Ich hätte das von alleine nicht geschnallt. Wobei in aller Regel hilflosen Westlern auch von Mitreisenden geholfen wird.
Ximen – das queere, alternative Ausgeviertel und vor allem Konsumtempel. Kam mir in weiten Teilen auch noch sehr vertraut vor. Die Tattoostraße ist nicht mehr ganz so crazy wie früher, sprich, ich sah zumindest niemanden mehr halbnackt auf nem Hocker auf der Straße tätowiert werden. Und es sind definitiv weniger Studios als früher. Dazwischen die obligatorischen Klamottenläden.



Gegen meine sentimentale Stimmung lieferte die Bar / Minibühne Revolver zuverlässig Blackmetal. Zwar zu einem exorbitant hohen Preis (umgerechnet ca. 60€) aber ich entschied, dass mir das einmal egal sein durfte und hatte einen guten Abend. Auch geil, dass ich in Taipei portugiesischen Blackmetal, Gaerea, sehen würde. Die Crowd rastete völlig aus. Aber ich erinnere mich auch wie musikalisch ausgehungert ich in meiner Zeit hier war. Konzerte dieser Art waren immer ein seltener Höhepunkt. In Europa sind wir Metaller völlig übersättigt.
Obsequial Joy und Nuurisk aus dem supportenden Line-up des Abends kann ich übrigens auch empfehlen.
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