Hong Kong ist eine andere Welt als (VR) China. Immer noch. Trotz des Sicherheitsgesetzes, das viele neue Einschränkungen und Zensur mit sich brachte. Die Stadt ist unglaublich dicht. Häuserschluchten, riesige Hochhäuser. Sehr internationales Publikum auf den Straßen. Wir wurden endlich nicht mehr angestarrt.
Unsere in China neu erlernten Zahlungsmethoden funktionierten nicht mehr. Es gibt zwar Alipay und Weixin in Hong Kong. Das funktionierte allerdings für uns nicht. Ob das nun an der deutschen Telefonnummer lag oder wir nochmal eine Hong Kong Version der jeweiligen Apps hätten installieren müssen, haben wir nicht weiter untersucht.

Wie erwähnt, brauchten wir auf einmal wieder Bargeld! Der Ticketautomat für die Metro nahm nur Cash. Ansonsten kann mensch aber meistens auch problemlos mit Visa bezahlen.

Auch Mandarin mussten wir nun vermeiden. Menschen in Hong Kong mögen Mandarin nicht besonders. Entweder Kantonesisch oder Englisch. Wir mussten uns so einige Male auf die Zunge beißen.
Klimatisch waren wir nun im wärmsten und feuchtesten Teil der Reise angekommen. Zumindest solange wir uns im Freien aufhielten. U-Bahn, Busse, Restaurants, Shopping Malls, Galerien, so ziemlich jeder öffentliche Innenraum wird radikal locker um 10 Grad runtergekühlt. Im Luftstrom der Klimaanlage zu sitzen fühlt sich an wie ein Kühlhaus. Nasse Haare oder verschwitzter Nacken nicht zu empfehlen, Erkältung vorprogrammiert. Aber dank Bergtour waren wir ja ausgestattet, also immer schön die warme Strickjacke in der Tasche mitnehmen, um Erfrierungen beim Essen zu vermeiden. Bei feuchten Haaren ggf. Mütze mitnehmen. Kein Scherz.

Die Tage waren voll gepackt. Bettina hatte den Zeitpunkt bewusst ausgewählt, weil die Art Basel Hong Kong stattfand, der asiatische Ableger der großen Schweizer Kunstmesse. Entsprechend voll war die Stadt mit internationalen Künstler*innen und Kunstinteressierten. Rund um die sehr teure und kommerzielle Messe herum fanden allerlei alternative Events statt und Bettina entschied eher zu diesen zu gehen als ein überteuertes Ticket für einen kurzen Zeitslot auf der Art Basel zu kaufen. Zudem traf sie Künstler*innen, wie auch schon in Beijing.
Die meiste Zeit verbrachten wir wieder zusammen. Ich ließ mich wieder interessiert zu den verschiedenen Galerien, Events und Interviews mitnehmen – Einblicke, die mir sonst verwehrt geblieben wären.












Unser Hotel lag wie die allermeisten Artspaces auf „der anderen Seite“ des Hong Kong Hafens. Die sehr teure Seite. Die deutsche Autoindustrie findet hier noch reißenden Absatz, ebenso Hersteller italienischer Sportwagen. Hier fühlte ich mich zum ersten Mal ab und zu deplatziert in meinem sehr praktisch gewählten Satz Reisekleidung. Mitunter wurde mir mit einem prüfenden, abschätzenden Blick von oben nach unten verdeutlicht, dass ich hier nicht hingehöre.
Das Hotel war allerdings auch weit über unserer sonst gewählten Preisklasse und nur dank einer Rabattaktion bei Booking stark vergünstigt: Das Harbour Grand Hotel ließ keine Wünsche offen. Wir hatten ein angenehm großes Zimmer und viel Platz im Bad, nutzen den Außenpool, das Gym und die Sauna und konnten vom 35. Stock aus den Hafen überblicken. Dort mit Bandshirt und Rucksack auf dem Rücken anzukommen, war jedoch etwas surreal für mich.
Einen halben Tag nutzte ich tatsächlich zum Shoppen, da es in dieser Stadt nun auch wieder Kleidung für meine Körpermaße gibt. Die Preise sind vergleichbar mit Deutschland also eher nichts für Schnäppchenjäger*innen.
Und hier trennen sich nun Bettinas und meine Wege. Nach drei vollen Tagen in Hong Kong geht es für mich auf mein geliebtes Taiwan und für Bettina am Montag wieder zurück nach Deutschland.
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