Verbrachten heute den Großteil des Tages in öffentlichen Verkehrsmitteln, sei es nun U-Bahn, Zug oder Flugzeug, bzw. an entsprechenden Haltestellen / Flughäfen.

Vielleicht ganz kurz der krasseste Kontrast bei der Ankunft in Hongkong: es funktioniert fast alles über Bargeld. Wenn ich nicht noch ein paar Reste Hongkong Dollar mitgenommen hätte, hätten wir am Automaten gar kein Ticket für die U-Bahn gekriegt. Cash only, no Creditcard or anything like it. In China hatten wir mit der Zeit unsere Geldbeutel gar nicht mehr mit, weil selbst der kleinste Obsthändler auf der Straße dir den Weixin (WeChat) Code zum zahlen hinhält. Es läuft alles über‘s Smartphone. Das geht so weit, dass es einen Markt für die Vermietung von Powerbanks gibt. (Nicht getestet.)

Rent a powerbank (natürlich via Barcode)

Jetzt bin ich eigentlich schon fließend drin im Rückblick auf 10 Tage VR China. Dieses Zahlungssystem ist tatsächlich mit das abgefahrenste. Es ist omnipräsent. Nichts anderes geht mehr. Also, schon. Bargeld geht schon auch noch, aber rausgeben wird ggf. schwierig. Wir haben unsere letzten noch aus Deutschland mitgebrachten RMB Bargeldreserven in Chengdu beim Starbucks am Flughafen in zwei Kaffee investiert.

Die Menschen, denen wir begegnet sind, wie gewohnt supernett. Große Begeisterung darüber, dass wir Chinesisch sprechen. Vor dieser Erkenntnis oft kurz Panik im Gesicht sichtbar, „oh Gott! Ausländer! Ich muss Englisch sprechen!“ Dann Erleichterung, sobald klar wird, wir können Mandarin sprechen. Und dann auch immer große Hilfsbereitschaft.

Ausländer – gutes Stichwort, aber auch nicht neu: angestarrt werden, mithören, dass Menschen feststellen, dass wir Ausländer sind (外国人), was eigentlich nie böse gemeint ist, sondern wirklich nur eine Feststellung, wildfremde Menschen, die Fotos mit uns machen wollen. Mitunter entsteht das Gefühl ein Zootier zu sein. Und die Feststellung „Ausländer“ ist so, als würde jemand sagen, „Guck mal, Zebras!“ und die Gruppe sagt „Oooh!“ und starrt unisono in die benannte Richtung.

Die Tour in die Natur auf die Berge gemacht zu haben, hat mir noch einmal eine andere Seite von China jenseits der Menschenmassen und Megacities gezeigt. Dieses riesige Land ist wahnsinnig vielseitig. Um diese Touren individuell zu organisieren, sind Chinesischkenntnisse jedoch unerlässlich. Organisierte Touren gibt es, sie wirken oft aber nach höherem Pensum (sehr limitierte Zeit bei einzelnen Sehenswürdigkeiten) und sind recht teuer.

Ich kann mich nicht erinnern auf vergangenen Reisen nach China so häufig meinen Pass vorzeigen zu müssen. Also auch als Einlass an Sehenswürdigkeiten, etc. Allerdings nutzen Chines*innen oft nur noch ihre ID Card um irgendwelche Drehkreuze zu passieren. Also scheint es da eine Verknüpfung zu geben. Je nach Betrachtungswinkel könnte das ja auch als praktische Lösung angesehen werden. Das Thema steht auf meiner Rechercheliste.

Auch auf der Rechercheliste: Gesichtserkennungssoftware. Die ist auch omnipräsent und Drehkreuze brauchen unterschiedlich lange bis sie nach Erfassung des Gesichts den Weg freigeben. Das lässt sich ganz transparent über einen Screen nachverfolgen, auf dem das erkannte Gesicht eingekreist wird.

In beiden Fällen frage ich mich inwiefern tatsächlich umfassend überwacht wird oder ob nur der Eindruck vermittelt wird. Das sind ja unfassbare Datenmengen die da zusammenlaufen. Aber mitunter genügt es ja den Eindruck von Kontrolle zu erzeugen, um im vorauseilenden Gehorsam ein regelkonformes Verhalten zu fördern.

Drittes Recherchethema: Unterschied chinesische vs. ausländische Handynummer. Denn von Internetzensur hab ich wenig mitbekommen, alle Apps funktionieren und wenn Bettina diesen Blog besucht hat, hab ich einen Visitor aus Taiwan in meinen Statistiken. Liegt es an der Telefonnummer oder der ESIM? Und wie funktioniert das technisch?

Aber jetzt verdaue ich erstmal meinen Kulturschock, den Hongkong heute Abend schon bei mir erzeugt hat. Die Menschenmassen und Häuserschluchten hier sind doch nochmal ein ganz anderes Kaliber. Mehr dazu die nächsten Tage.

Avatar von Silke

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