Nachdem wir die Blogposts einiger Herren gelesen hatten, die 40 km Strecke / Treppen an einem Tag abgerissen hatten, entschieden wir uns den ersten Teil mit Bus und Gondel zurückzulegen und ab dem Wannian Tempel (万年寺) „nur“ eine Tagesetappe von 15 km auf uns zu nehmen. Am „Elephant Bathing Pool“ (洗象池) planten wir die Rast für die Nacht ein.

Wir kauften Tickets im Touristenzentrum wenige Meter von unserem Hotel entfernt. Tickets heißt: Eintritt zum Emeishan, Bus zur Wannian Talstation, Gondel hoch zum Wannian Tempel und auch direkt für morgen Gondel runter vom Gipfel.

Mit dem Wetter hatten wir Glück. Nachdem es die ganze Nacht geschüttet hatte, begleitete uns den ganzen Tag strahlender Sonnenschein, klare Luft und damit auch atemberaubend weite Panoramablicke.

Der eigentliche Aufstieg beginnt über einen Weg rechts von der Gondel. Der Wannian Tempel kann über einen kurzen Ausflug nach links bestaunt werden, kostet dann 10 Yuan Eintritt pro Person und natürlich ließen wir uns das nicht entgehen.

Und dann wurde es ernst. Stufen. Viele davon. Durch sattgrüne Vegetation und auf meistzeitig sehr verlassenen Pfaden. Wir sammelten Plastikmüll auf dem Weg und entsorgten ihn im nächstfolgenden Mülleimer.

Während einer Essenspause holten uns zwei junge Frauen ein, die uns den restlichen Weg immer wieder begegnen sollten. Sie planten, es am Stück bis zum Gipfel zu schaffen, also die doppelte Strecke, die wir uns vorgenommen hatten. Bettina erklärte ihnen an einer der Rastplätze an dem wir sie einmal wieder trafen, dass ihr Vorhaben vielleicht etwas ambitioniert sei. Als dies beim nächsten Rastplatz auch noch einige ältere Chines*innen, die sich auf dem Weg nach unten befanden, wiederholten, dämmerte den beiden, dass sie wohl, wie wir, eine Nacht auf dem Berg verbringen mussten. Problem: keine Wechselkleidung und eigentlich auch kein Geld für die Unterkunft.

Wir entschieden die beiden zu adoptieren und boten an, ein Zimmer mit ihnen zu teilen (und beschlossen da schon sie darauf einzuladen). Früher oder später würden wir uns oben schon finden. Einen Ausweg oder eine Abkürzung gab es ohnehin nicht. Güter werden mit Eseln nach oben gebracht. Ab und an begegneten wir welchen, die uns entgegen kamen.

Eselparkplatz

Die Entfernungsangaben auf den Wegweisern waren teilweisehe etwas widersprüchlich, aber wir arbeiteten uns stetig voran. Bevor wir den finalen (sehr steilen) Aufstieg zum Elephant Bathing Pool starteten, durften wir erst nochmal ein ganzes Stück wieder bergab. Wäre ja langweilig sonst.

Auf den letzten Metern wurde es tatsächlich etwas kühler. Und bei unserem Quartier angekommen, sahen wir auch endlich die berühmten Äffchen des Emeishan, vor denen uns schon zahlreiche Schilder gewarnt hatten.

Wir nahmen ein Vierer-Zimmer und zahlten für die Mädels mit. Die Unterkunft ist simpel, es gibt ein kleines Kissen und zwei Decken. Unbezogen. Hüttenschlafsack wäre jetzt cool, hab ich aber nicht mit. Tut‘s aber für die Nacht. Und die Heizdecke in jedem Bett ist unerwarteter und sehr willkommener Luxus.

Duschen gibt es nicht. Aber heißes Wasser und große Schalen für Katzenwäsche. Reicht für den Berg. Die Füße in ein warmes Fußbad zu stecken, war auch eine Wohltat.

Um 17:30 gab es vegetarisches Abendessen für 30 Yuan pro Person. Suppe, Reis, Qingcai, Bohnen. Perfekt. Für die Mädels war es „zu veggie“, die holten sich Tütensuppe mit Fleisch im Laden nebenan. Na dann…

Ich wurde hier auf dem Berg schon mehrfach auf meine Haare angesprochen. Vor allem von Frauen, die ganz fasziniert sind. Ganz süß.

Mir tun jetzt ein wenig die Füße weh vom vielen laufen aber insgesamt fühl ich mich gut und ich bin total stolz auf uns, dass wir diese Etappe geschafft haben und vor allem so realistisch geplant haben. Wir waren ca. 5,5h unterwegs heute incl. Pausen. Die gleiche Strecke morgen noch einmal sollte funktionieren. Um 7:30 gibt es Frühstück und dann geht es weiter.

Avatar von Silke

Published by

Hinterlasse einen Kommentar