Triggerwarnung: Im folgenden Text behandle ich selbstverletzendes Verhalten. Für einige Leser*innen kann dies verstörend oder retraumatisierend sein. Ich empfehle in diesem Falle eigenverantwortlich nicht weiter zu lesen.
Wenn du selbst in einer Krise steckst, hol dir bitte Hilfe. Die Telefonseelsorge unter 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222 ist rund um die Uhr kostenfrei erreichbar.
Ich bin nach Jahren der Pandemie wieder auf dem Brutal Assault Festival.
Wie kein anderes Genre versteht es diese laute, extreme Musik extreme (negative) Gefühle zu artikulieren. Und so gibt es neben der gut gelaunten, besoffenen Party crowd auch einen exorbitant hohen Anteil an Menschen mit psychischen Erkrankungen. Wenig ist so offenkundig wie Selbstverletzung.
Sommerliche Temperaturen und der geschützte Raum des Festivals bringt vernarbte Arme und Beine ans Tageslicht. Bei mir erzeugt dies ein großes Gefühl der Zugehörigkeit. Ich bin nicht allein. Auch wenn meine Narben alt, verblasst und großteils in Tattoos gecovert sind. Wenn ich über meinen linken Unterarm streiche, spüre ich sie unter der Tinte. Je nach Lichtverhältnissen sieht man sie eingebettet in die Struktur der Tätowierung. Sie spenden mir Trost. Erinnern mich daran wozu ich fähig bin. Was ich bereit bin zu tun, um einen Weg zu finden. Um zu leben.
Ich weiß nicht wo die anderen Gezeichneten um mich herum gerade sind im Kampf mit ihren Dämonen. Die Farbe der Narben lässt gewisse Rückschlüsse zu. Ich fühle mit ihnen. Kein Mitleid, eher Solidarität. Ich hoffe, die Anwesenheit anderer mit offensichtlich nur noch sehr alten Narben gibt ihnen Hoffnung, dass es besser werden kann. Und ich hoffe, die Musik gibt ihnen Kraft. So wie sie mir früher Kraft gegeben hat und es noch immer tut.

Hinterlasse einen Kommentar