Achtung: Das Bild am Ende des Textes zeigt ein blutiges Tattoo.

Den Hintergrund, warum ich hier alte Texte veröffentliche, kannst du hier nachlesen.

Dieser Text stammt von 2014 und ist einer der positivsten Texte, die ich bisher geschrieben habe.


Hab' ich mich nur betäubt? Trunken von allem Neuen? Dem Wiederaufleben des Alten? 

So durstig nach Freiheit, dass ich, den Horizont im Blick, die Steine auf dem Weg dorthin übersah? 

Erliege ich einer Illusion? Der Illusion wieder fliegen zu können? 

Nein! Höher und weiter dieses Mal! Ich durchbreche die Wolken und spüre die Sonne auf meiner Haut! 

Oh, süße Höhenluft! 

Ich breite endlich meine Flügel wieder aus und schraube mich jauchzend immer weiter in die Höhe. Nach den Sternen greifen! Ich bin sicher, ich kann sie erreichen. 

Doch – natürlich – es ist der Wind, der mich trägt. Mein alter Freund. Und er ist launisch. Er dreht. Er schwächt ab. Ich weiß dies. Bin ja nun kein Küken mehr. Und doch gebe ich mich dem Rausch hin. 

Ja, süße Höhenluft! 

Meine Flügel sind stark, ausgeruht und routiniert. Sie tragen mich schon. 

Wie lange noch – ohne Wind? Ich weiß es nicht. 

Ich lasse sie ausgebreitet, meine Flügel. Viel zu lange waren sie zusammen gefaltet. Allein sie zu spüren und zu benutzen, erfüllt mich mit Glück. 

Doch ich weiß... (ich fliege nicht zum ersten Mal) 

Ich weiß um den Preis der Freiheit. 

Ich weiß um die Tücken des Windes. 

Ich weiß um die drohenden Stürme. 

Dies ist der Preis der Freiheit. 

Doch wer einmal fliegt, der bereut es nimmermehr... 

Der Text hat es sogar unter meine Haut geschafft und stellt eine Art Befreiungsschlag dar, meine Gefühlswelt so zu akzeptieren wie sie ist. Selbstregulation ist ungemein wichtig, aber ich habe nur bis zu einem bestimmten Grad die Energie dies zu stemmen. Anstatt also permanent gegen alle Impulse anzukämpfen, finde ich lieber meinen eigenen Weg sie in geordneten Bahnen auszuleben. Auch auf die Gefahr hin, mir dabei hin und wieder die Nase blutig zu stoßen. Die positiven Aspekte daran meine Gefühle zuzulassen und sie wertzuschätzen wiegen dieses Risiko allemal auf.

Die tätowierte Kriegerin auf meinem Oberschenkel mit einem Kettenelement und einem Auszug aus obrigem Text. Das Bild entstand unmittelbar nach einer Mammutsitzung bei meinem Tätowierer in der sehr viel schattiert wurde, was dazu führte, dass mir effektvoll Blutstropfen das Bein hinunterliefen. Zugegebenermaßen ein etwas dramatisches Bild, doch auch dies ist ein Teil meiner Verarbeitungsstrategien: Metaphern finden und auf ewig unter meine Haut bringen. Das darf auch weh tun.

Avatar von Silke

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