Ich kann nicht behaupten, dass ich die Informationspolitik und Umsetzung dieses Shuttle Services sonderlich zufriedenstellend finde. Inzwischen habe ich aber so einigermaßen verstanden, wie die Anbindung der Stadt ans Festival organisiert ist und es gefällt mir nicht so wirklich.
Mittwoch Abend hatte ich einen Bus zurück nach Hradec Králové erwischt und dadurch gelernt, dass es drei Brutal Assault Unterkünfte gibt, die angesteuert wurden. Entgegen meiner ursprünglichen Annahme befindet sich am Bahnhof doch nur eine davon, aber eine ziemlich große. Eine weitere liegt nahe der Universität und damit der Innenstadt, in der die meisten Besucher „privat“ untergekommen sind, am nächsten. Mein Hotel zum Beispiel liegt hier. Die Uni liegt südlich innerhalb des Rings, der Bahnhof ca. 25 Minuten Fußweg in westlicher Richtung.
Zunächst, warum möchte ich den Bus nehmen?
- Kostenfaktor: Ein Platz im Shuttle kostet 100 Kronen, ein Taxi 500 Kronen.
- Umweltaspekt: Ein Taxi, das nur mich fährt, ist naturgemäß am wenigsten nachhaltig.
- Rückzug durch Verschwinden in der Menge: Ich bevorzuge eigentlich immer öffentliche Verkehrsmittel, weil ich mich hier ohne soziale Sanktionen fürchten zu müssen, abkapseln kann. In Taxis oder privaten Fahrgemeinschaften wird mir eher ein Gespräch aufgedrängt.
Die einzigen Informationen, die man auf der Website des Brutal Assault zum Shuttle-Service findet, sind direkt unter den einzelnen Unterkünften versteckt. Und auch hier: Kein Fahrplan – ich weiß aber, es gibt einen. So lief ich am Donnerstag durch die Gluthitze zum Hostel Academic, um dort zu lernen, der Bus sei voll, ich hätte keine Priorität, da extern und der nächste Bus führe in 90 Minuten. Ja, danke für nichts!

Als nächstes versuchte ich aus den tschechischen Busfahrplänen schlau zu werden, um zum Bahnhof zu kommen, wo vielleicht noch andere Besucher auf Transport warteten, so dass man sich ein Taxi teilen konnte. Ich scheiterte. Dafür fand ich aber nach längerem Umherirren im Stadtkern durch Zufall sowas wie einen Taxistand, an dem mehrere mit dem Brutal Assault Logo ausgestattete Taxis warteten, die Fahrgäste zum Fixpreis von 500 Kronen zum Gelände bringen sollten. Leider waren keine weiteren potentiellen Fahrgäste zu sehen, so dass ich mir wohl oder übel eine Privatfahrt gönnte.

Ich muss also wohl täglich mindestens 600 Kronen (ca. 25 €) Transport-Budget einplanen, sofern ich abends in einem Shuttle mitgenommen werde.
Irgendwie hatte ich erwartet, dass es hier eine bessere Organisation auch für Individualreisende gibt.
Und sonst so?
Der übliche Wahnsinn eines Heavy Metal Festivals. Geschmacklose T-shirts und die Bitte doch keine Rasierklingen im Klo zu versenken:
Ich entdeckte, dass ich meine Pausen sehr kurzweilig gegenüber der Fotowand mit Pappmaschée Aufstellern verbringen konnte. Menschen sind so berechenbar in ihren Posen:

Am Abend gab es dann noch einmal richtig Action mit Stromausfall in ganz Jaromer, der natürlich auch das Festival betraf. Am Einlass mussten sie die Bändchen wieder ganz altmodisch auf Sicht kontrollieren, auch an den Bühnen ging zeitweise nichts und dann entzündete sich auch noch das trockene Gras auf der Burgmauer. Die Menschen blieben aber erstaunlich gelassen. Die Feuerwehr wurde ohnehin schon den gesamten Tag über dafür gefeiert, kühlendes Nass über den Besuchern auszugießen und erhöhte ihren Heldenstatus durch ihr schnelles Eingreifen in ihrem eigentlichen Job noch einmal enorm. Die Menge johlte und klatschte – das wegen des Vorfalls frühzeitig beendete Konzert der Band Myrkur schien beinahe vergessen.
Leider fiel auch im Burginnenhof ein Konzert aus, auf das ich mich schon seit Wochen sehr gefreut hatte, weil hier die Stromversorgung nur sehr schleppend wieder hergestellt wurde. Die Gänge und damit Zugänge zur Bühne blieben nach wie vor stockdunkel. Ein Konzert konnte daher aus Sicherheitsgründen nicht stattfinden. Klar wurde gemurrt und auch meine Begeisterung hielt sich schwer in Grenzen. Dennoch eine nachvollziehbare Entscheidung. Sollte eine Panik ausbrechen (weitere Feuer sind bei der Trockenheit ja nicht auszuschließen), können die dunklen Gänge schnell zur Todesfalle werden.


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