Es ist kein neues, kein unbekanntes und noch nicht einmal ein sonderlich überraschendes Phänomen, dass Menschen einander unterschiedlich wahrnehmen, einordnen und begegnen je nach Erscheinungsbild des Gegenüber. Und dennoch rege ich mich immer wieder auf’s Neue darüber auf. Da die Rollen in die ich schlüpfe so divers sind, fällt mir der Unterschied extrem auf.
Ein Beispiel habe ich eben wieder an der Sicherheitskontrolle des Hamburger Flughafens erlebt. Ich fliege berufsbedingt relativ häufig, bin entsprechend routiniert und öfter auch mal im Kostüm unterwegs. Ich reise grundsätzlich mit meinem knallblauen Safepack Handgepäcksrucksack auf dem Rücken, eine Kleenkanteen Edelstahlflasche – die ich nach der Sicherheitsschleuse wieder mit Leitungswasser auffülle – in der äußeren Seitentasche. Meine Kleidung wechselt nach Anlass und war heute eher nicht business-like: Schwarze Cargohose, schwere Stiefel, T-shirt über Longsleeve und eine schwarze Hoodiezipper der Band „Dying Fetus“. Dazu ein frisch rasierter Undercut und kein Make-up.
Es war wenig los an der Kontrolle. Der Herr vor mir wurde höflich begrüßt und gefragt ob ihm Deutsch oder Englisch lieber sei. Als er in letzter Minute noch seinen Waschbeutel aus dem Koffer zerrte, wartete der Beamte geduldig und sah über die nicht einzeln verpackten Flüssigkeiten hinweg.
Nun war ich an der Reihe, zog meinen im extra Fach vorbereiteten Stapel elektronischer Geräte (Smartphones, Kindle, Laptop) heraus inkl. meines Terminkalenders, der in der Vergangenheit aus welchen Gründen auch immer schon zur Durchsuchung meines Gepäcks geführt hatte und den durchsichtigen Beutel mit Flüssigkeiten. Der Rucksack wanderte aufs Band, der Beamte klopfte misstrauisch gegen die Kleenkanteen. Letzter Korb: Winterjacke, Schal, Geldbeutel, Schlüssel, Kaputzenjacke, Armbanduhr. Währenddessen ist der Beamte fertig damit meine Kleenkanteen zu kommentieren („dann glaub ich Ihnen mal, dass die leer ist…“) und fragt nun, ob ich eine Weltreise unternehmen würde. Ich hätte ja schon sehr viel dabei. Von der Höflichkeit dem Fluggast vor mir gegenüber war nicht mehr all zu viel übrig geblieben.
Bei mir entstand sofort das Gefühl mich rechtfertigen zu müssen, wofür absolut kein Anlass bestand. Kurz darauf folgte der Ärger darüber so offensichtlich anders behandelt worden zu sein, als der Herr vor mir. Gleichzeitig höre ich nicht auf mich zu wundern wie viel respektvoller man auch mit mir umgeht, wenn ich im Hosenanzug verreise. Selbst mit Undercut, Rucksack und Kleenkanteen.
Kein Mensch ist davor gefeit andere nach dem Äußeren zu bewerten. Ich selbst tue es auch. Es ist ein überlebenswichtiger Mechanismus, um Situationen schnell einschätzen zu können. Ich kann mir diesen Prozess jedoch bewusst machen und mein Bestes tun mein Verhalten zu kontrollieren – insbesondere wenn ich eine Dienstleistung erbringe.
Geht. Ich krieg‘ es auch hin. Selbst bei Kunden die ich absolut zum Kotzen finde. 😉
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