Nachhaltiger Konsum ist eigentlich ein Widerspruch in sich, denn was könnte nachhaltiger sein als der gänzliche Verzicht auf Konsum? Umso witziger fand ich im Frühjahr den Heldenmarkt – eine ganze Messe nur für nachhaltigen Konsum, wo es doch letztendlich doch darum geht Dinge zu verkaufen, aber eben nachhaltig produzierte Dinge. Ein überflüssiger, aus Holz, in einer mit Ökostrom betriebenen Fabrik hergestellter Gegenstand, bleibt am Ende dennoch überflüssig und wäre deutlich nachhaltiger, würde er nicht existieren. Zu Recht scheiden sich bei der Entscheidung, was notwendig und was überflüssig ist, die Geister, also mögen sie meinetwegen ihre Ökoneuheiten auf den Markt werfen. Ich persönlich hadere nur ein wenig damit, was sich alles mit dem hippen Label „nachhaltig“ schmückt, damit das Gewissen des Verbrauchers rein wäscht und somit bei einer überwältigenden Mehrheit das kritische Hinterfragen des eigenen Konsumverhaltens endgültig zum Verstummen bringt. Wie genau definiert sich beispielsweise die Nachhaltigkeit eines Produkts, das einmal um die halbe Welt geflogen wurde, um hier in Deutschland erhältlich zu sein?

Nichtsdestotrotz konnte ich aber etwas für mich vom Heldenmarkt mitnehmen. Themenfelder, die mir bisher zwar bekannt waren, die ich allerdings bis dato noch nicht ausreichend vertieft, geschweige denn umgesetzt hatte. Und weil ich sie eben zuerst weiter vertiefen wollte – und ich ein konstantes enormes Zeitproblem habe – entsteht dieser Post über den Heldenmarkt eben auch erst jetzt, Monate nach der Messe.

CO2 Ausgleich für Reisen

Fluggesellschaften bieten es immer wieder einmal an: Klimaneutral reisen durch CO2-Kompensation. Ich bezahle einen Zusatzbeitrag, der je nach Distanz durchaus happig ausfallen kann und rette damit die Welt. Wie üblich bin ich skeptisch. Grundsätzlich bin ich gerne bereit einen Zusatzbeitrag zu bezahlen, um den CO2-Ausstoß meines Fluges beispielsweise durch die Aufforstung von Regenwäldern auszugleichen, ich traue nur den Programmen nicht. Wird das Geld tatsächlich in meinem Sinne investiert? Mein Misstrauen scheint angebracht, denn natürlich ist es nur mit dem Pflanzen von Bäumen auf lange Sicht nicht getan. Aufforstung mit dem wirtschaftlichen Hintergrund wieder zu roden und Holz zu gewinnen, hat logischerweise was die Bindung von CO2 betrifft nur einen relativ kurzfristigen Effekt. Dennoch, wenn schon fliegen, dann eben auch konsequent ausgleichen, z.B. über Atmosfair.

Hier auch ein guter und umfangreicher Artikel zum Thema: http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/atmosfair-co-co2-emissionen-kompensieren-was-bringt-das-a-1044894.html

Banken und Versicherungen

Immer brav im Bioladen einkaufen, aber indirekt Geld in Waffen investieren? (Es soll auch Leute geben, die ganz bewusst und direkt in Waffen investieren, aber die lesen glaube ich diesen Blog nicht und falls doch: Ich wünsche euch nur alles erdenklich Schlechte. Macht doch bitte mit euren Familien einmal entspannt Urlaub in Mitten der Krisenherde. So ’ne kleine Weltreise? Sollte ja drin sein von den Renditen eurer geilen Anlage. Ich hoffe, ihr werdet von einem Querschläger getroffen. Bitte sterbt aus!)

Meine Versicherungen hatte ich bislang tatsächlich noch nicht hinterfragt. Aber irgendwie logisch, dass die ihre Rücklagen auch irgendwo investieren, um die Inflation auszugleichen, etc. und die mituter eben nicht nachhaltig oder ethisch sauber sind. Meine bisherigen Recherchen zum Thema haben mich noch nicht abschließend zufrieden gestellt. Ich befürchte das Thema steckt noch in den Kinderschuhen.  Den besten Artikel zum Thema habe ich tatsächlich auf utopia.de gefunden, ein Portal, das mir gelegentlich etwas zu polemisch ist: https://utopia.de/ratgeber/nachhaltige-versicherung-gruene-rente-krankenkasse/

Die Krankenkasse werde ich nun auch tatsächlich wechseln. Die Auswahl grüner gesetzlicher Krankenkassen ist denkbar begrenzt: Es gibt die BKK advita. Punkt.
Da die aber auch noch bessere Leistungen für mich bietet (umfangreichere Übernahme meiner osteopathischen Behandlungen, die ich bisher selbst zahle zum Beispiel), als die DAK, bei der ich bisher versichert war, fällt mir der Wechsel denkbar leicht.

Was Hausrat-, Kfz-Versicherung, etc. betrifft, bin ich ehrlich gesagt noch zu keiner zufriedenstellenden Vergleichslösung gekommen, obwohl ich sämtliche bei utopia verlinkten Seiten studiert habe.

Eine Übersicht ethischer Banken gibt es hier: http://www.sozialebanken.de/

Auch hier habe ich jetzt endlich geschafft, mich damit auseinander zu setzen und letztlich bei der Triodos Bank ein Konto zu eröffnen. Das kostet mich jetzt ca. 7 €* mehr im Monat als bisher bei ähnlichen Serviceleistungen. Ich war vor meinem Taiwan-Aufenthalt 2008 zur comdirect gegangen, weil diese mir nicht nur ein kostenloses Konto anboten, sondern als Student auch noch eine kostenlose Kreditkarte, mit der ich weltweit kostenlos Geld abheben konnte. Ein Komfort, an den ich mich sehr gewöhnt habe und den ich nicht mehr missen möchte. Ich möchte weiterhin international verreisen können ohne mir Gedanken darüber zu machen wo ich vor Ort Bargeld bekomme. Auch möchte ich vermeiden, dass meine Bargeldbeschaffung sich zu horrenden Gebühren auftürmt. Das kann insbesondere in China, wo 100 RMB den höchsten Schein darstellen, mitunter echt ausarten. Die Triodos Bank stellt mir neben der gewohnten EC Karte ebenfalls eine Kreditkarte zum internationalen Geldabheben zur Verfügung. International schließt in diesem Fall Deutschland mit ein, das bedeutet, ich bekomme auch zu Hause an jeder die MasterCard akzeptierenden Bankfiliale kostenlos Bargeld. Damit muss ich mein gewohntes Verhalten kaum umstellen und lediglich 3,50 € Gebühren für mein Gewissen bezahlen plus 40 € im Jahr für Kredit- und Bankkarte. Gebührenfreie Ethikbanken scheint es nach meinem aktuellen Wissensstand nicht zu geben. Allerdings entsprechen 3,50 € einem Cappuccino in einem Münchener Café und 40 € einmal Essen gehen für 2 – das sollte damit echt drin sein.

*Edit (02.07.17, 20:55 Uhr): Ich hatte in einer vorherigen Version dieses Eintrags die Jahresgebühren bei meiner Berechnung unterschlagen. 

E-Mail

Nicht nur datenschutzrechtlich interessant, sondern auch in Bezug darauf, mit welchem Strom die Hosting-Server betrieben werden. Und ob die Angestellten anständig bezahlt werden. Ehrlicherweise hatte ich mich nur auf Grund des Daten-Aspektes nach einem neuen Provider umgesehen, bin hier jedoch stets auf Posteo gestoßen, die eben auch die Nachhaltigkeitsaspekte bedienen. Kosten phänomenale 1 € pro Monat.

Weiterführende Lektüre zu sicher(er)en E-Mail Providern hier:

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