Wir verließen unser Hostel in Shanghai bei nun wieder schönem Wetter. Alex ging es immer noch beschissen. Wir hatten am Abend zuvor schon den Hot Pot durch Nudelsuppe, die ich um die Ecke holen konnte, ersetzt, weil das Fieber wieder kam. Schöne Scheiße.

Morgens ging es wieder auch dank Iboprophen und wir gönnten uns zum Abschied eine Fahrt mit dem Transrapid. Mit 40 RMB pro Nase zwar exorbitant teurer, als U-Bahn, aber absolut sein Geld wert. 430 km/h fühlen sich schon echt richtig, richtig geil an!

Und dann hieß es schon „Bye, bye, China!“ unsere Ausreise war mit dem Flug nach Hong Kong besiegelt. Schon irgendwie merkwürdig diese Regelung mit diesem semi-unabhängigen Status der ehemaligen britischen Kolonie. Aber gut, nicht weiter wundern – das sollte man sich in Asien sowieso ganz schnell abgewöhnen. Trotz Transrapid waren wir spät dran, aber für einen vergoldeten Latte to go (116 RMB für zwei!), den wir mit an Bord nahmen, reichte es gerade noch. Gott sei Dank!

Und was macht man bei über zwei Stunden Flugzeit nach Hong Kong? Richtig, Jurassic World angucken. Nachdem wir in Qingdao in dem Nudelrestaurant schon so angefixt wurden, beschlossen wir den Film parallel auf unseren jeweiligen Minibildschirmen zu gucken. Diesmal ohne kyrillische Übersetzungen, aber mit chinesischen Untertiteln. Meine Güte, was bin ich froh, dass ich für den Film kein Geld fürs Kino ausgegeben habe! Was für ein unfassbar krasser Blödsinn. Es wurde sich ja schon an vielen Stellen über die mangelnde Logik lustig gemacht, aber dass es so ein heftiger Schwachsinn ist… Wobei ich sagen muss, ich habe mich köstlich amüsiert. Wir übten uns in abstrusen Voraussagen über die groben unmittelbaren und langfristigen Handlungsstränge und mussten entsetzt feststellen, großteilig Recht zu behalten. Zu viele scheiß Filme gesehen? Ich versuche mich gerade noch dagegen zu wehren, dass wir auf dem Weiterflug nach Taipei am Montag Transformers anschauen.

Hong Kong hüllte uns wie erwartet in eine schwüle, 30 Grad warme Decke. Doch erst als wir den Airport Express Train (90 HK-Dollar pro Person – wir sind preislich wieder im Westen) verließen und in den kostenlosen Shuttle-Bus weiter zum Hostel stiegen. Denn erst hier verließen wir erstmalig den klimatisierten Bereich. Die Fahrt selbst führte uns vorbei an satt-grüngem Dschugel, der sich die Berge hinaufzog. Toll!

Die Suche nach dem Hostel selbst empfand ich als einigermaßen abenteuerlich. Wir sind mitten drin im Geschehen, gleich in der Nathan Road, auf der Kowloon Seite, der Pier zur Star Ferry in Laufweite, aber die Gebäudestruktur kann man wirklich nur als chaotisch bezeichnen. So mussten wir im Erdgeschoss erst an zahlreichen uns bedrägenden Verkäufern vorbei und uns irgendwie einen Weg in dne 13. Stock suchen, denn so lautete die Adresse unserer Unterkunft. Gott sei Dank sahen wir offenbar hilflos genug aus, dass uns ein weiterer Ausländer ungefragt den Weg zu den Aufzügen wies. Oben angekommen verwinkelte Gänge, zahlreiche ausgeschriebene Guesthouses, nur unseres nicht. Während wir noch versuchten zu enträtseln, was uns der Zusatz „F2“ auf der Adresse sagen soll und wie er uns beim finden des richtigen Gebäudeteils helfen könnte, gabelte uns ein Pakistani auf, der zufällig zuständig war für das unsere, das „London guesthouse“. Wir tauschten Blicke – sehr dubios das alles. Unser Zimmer war dann letztendlich wieder in einem anderen Teil des Gebäudes. Super, super mini, aber immerhin mit Fenstern sowohl im eigentlichen Zimmer, als auch im Bad. Blöd nur, dass das Bett für Alex zu kurz ist und für uns beide auch zu schmal und die mit Plastik überzogene Matraze ist auch eine ziemliche Zumutung. Und wir dachten im Vorfeld, das auf den Bildern bereits ersichtliche Mini-Duschklo sei unser größtes Problem. Es sind nur drei Nächte sagten wir uns, zogen uns um und machten uns auf den Weg die direkte Umgebung zu erkunden.

Zuerst in die Apotheke und irgendwas gegen Alex‘ Erkältung auftreiben. Das war einfach. Die Nahrungssuche gestaltete sich mit dem Veggie-Aspekt schon deutlich schwieriger und mit Alex‘ Kresilauf ging es auch rapide bergab. Also ist er wieder aufs Zimmer und ich habe mich bei dem knuffigen Türken in der Lock Rd. mit köstlichster Veggie-Pide und wunderbarem türkischen Joghurt versorgen lassen. Meine Güte, war das gut. Der wird uns jetzt die nächsten Tage durchfüttern. Und dann hat er auch noch so viel vegetarisches Essen auf der Karte, dass wir noch nicht einmal zweimal dasselbe essen müssen! J Ich bin verliebt!

Als ich dann ins Hostel zurück kam, fand ich einen halbtoten Alex wieder mit Fieber im Bett vor. Ich hoffe, er kuriert das bald aus. Dass er das Klima nicht vertragen würde, wussten wir vorher, aber dann auch noch krank ist schon echt superscheiße.

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