Alex hat es heute vormittag mit Sightseeing versucht. Letztendlich hätte er wahrscheinlich einfach gleich im Bett bleiben sollen, aber ich verstehe ihn ja. Krank in Hong Kong is halt schon bitter. Wir sind also mit der Star Ferry nach Hong Kong Island rüber, weil unser Hostelworld Kurzguide uns sagte, wir sollten zum „Victoria Peak“ hochfahren. Ungünstigerweise deckt sich diese Bezeichnung nicht mit denen auf unserer recht dürftigen Touri-Karte, also sind wir erstmal sauber in die falsche Richtung gefahren. Aber so völlig falsch.

Wir landeten an der „North Point Fire Brigde“, was so ziemlich der entgegengesetzten Richtung des erstrebten Peaks entspricht, fanden hier aber eine putzige alte Tramlinie, die auch endlich vernünftig beschildert war und uns zurück auf Spur bringen sollte. Leider ist die Tram nicht nur putzig und alt, sondern auch entsprechend langsam und mit Alex ging es in dem Geschaukel zunehmend bergab. Als wir kurz hinter der Station „Admirality“ ausstiegen und den Berg erklommen zur „Peak-Tram“, begann ich mir ernsthaft Sorgen zu machen, dass der Kerl mir umkippt. Die superlange Warteschlange vor der Bahn ließ uns dann umkehren. Ich setzte Alex in die U-Bahn zurück zum Hostel und versuchte selbst auf Hong Kong Island mein Glück mit der Nahrungssuche.

Ich verstehe es nicht, was so schwierig daran ist, Gerichte so zu modifizieren, dass sie kein Fleisch mehr enthalten. Es scheint irgendwie immer schwieriger zu werden. Nach längerer Diskussion habe ich heute dann gekochten Salat mit Sojasoße und einer Schüssel Reis bekommen. Sehr nahrhaft.

Eigentlich wollte ich mir noch ein gemütliches Café zum Schreiben suchen, aber das einzig gut aussehende, das ich fand, war ein italienisches und hier stand ausdrücklich an der Tür, man solle doch seinen Aufenthalt incl. Verzehrung der Mahlzeit möglichst auf 1,5 h beschränken. Da dachte ich mir, wenn ich mir da nur einen Kaffee bestelle und dann den Laptop auspacke, dann lynchen die mich wahrscheinlich. Auch wenn die da ne fette Chimbali stehen hatten. Ich hab ja schon gezögert… So ein richtiger Cappuchino…

Ich habe es aber gelassen und bin Alex gefolgt. Ihn fand ich schläfrig im runterklimatisierten Zimmer vor. Eingemummelt in die Decke auf unserem tollen Plastikbett. Ich ließ ihn hier schlafen bis zum Abend…

…was eine gute Idee war, weil er deutlich fitter mit mir zum Türken ging. Falafel als Stärkung für die „Symphony of Lights“, der täglich um 20:00 Uhr stattfindenden Lasershow im Hafen von Hong Kong. Soll total irre aussehen und von der gegenüberliegenden Seite hat man einen super Blick. Auch hier wieder nur fünf Minuten Fußmarsch von unserem Hostel aus. Wie erwähnt, bei aller Beengtheit – die Lage ist Hammer!

Der Taifun hatte sich inzwischen intensiviert. Immer wieder die sintflutartigen Regengüsse, gepaart mit heftigen Sturmböen. Dies alles aber bei konstant hohen Temperaturen. Also quasi warme Dusche mit anschließendem Föhn. Nicht sehr regenschirmfreundlich, aber ich liebe es. So kämpften wir uns also zur Star Avenue herunter, um noch einen guten Platz für die Lasershow zu bekommen. War leider wieder gar nicht gut für Alex, weil er durchweicht im Wind stehend begann zu frieren. Und dann sagen sie auch noch die Lasershow ab! „Due to bad weather“! Ach komm! Das hätte bestimmt so unfassbar cool ausgesehen, die Laser durch die vom Wind gepeitschten Regenschwaden über dem von der Stadt erhellten Nachthimmel zu sehen. Und im Hintergrund in der Ferne hinter den Bergen die Blitze des Tropensturms. Ein besseres Setting gibt es doch kaum noch. Wir waren schwer enttäuscht und kehrten ins Hostel zurück. Heiße Dusche und ab ins Bett für Alex und ich folge ihm nun verspätet auch noch nach. Auf alleine Party machen in Hong Kong im Taifun hab ich jetzt auch keinen Bock.

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