Aus der Serie mp3-Player nach Bands sortiert und dann go with the flow: Ghost Brigade mit den Alben „Guided by Fire“ sowie „Isolation Songs“, Gojira mit „L’Enfant Sauvage“, Harakiri for the Sky mit „Aokigahara“, Amenra mit „Mass V“.
Kenner dieser Bands werden vielleicht verstehen, wenn ich sage, die lange Zugfahrt hatte damit einen beinahe spirituellen Charakter. Zumindest habe ich viel nachgedacht. Alle anderen müssen es mir einfach glauben. Jaja, ich weiß, alles nur sinnloser Krach und so… Banausen… 😉
Ich habe gestern Abend noch versucht Bilder von unserem Luxushotel die Alex mit dem Handy gemacht hatte, hochzuladen. Aber das haut ab einer gewissen Datenmenge (also mehr als ein Bild) nicht mehr hin. Die WordPress App hat sich aufgehängt und es war dann sogar noch ein Riesenakt den unfertigen Eintrag wieder zu löschen so überfordert waren System und Hardware (mein iPhone 4 gilt glaub ich als antik inzwischen). Also, wir lassen das bis frühestens Hong Kong, realistischer betrachtet, werde ich mir aber wohl eher in Taibei die Zeit nehmen.
Heute morgen klingelte um sechs Uhr der Wecker, unser Zug ging um 9:17 Uhr, in China sollte man aus bürokratischen Gründen etwa eine Stunde vorher am Bahnhof sein und die Frau an der Rezeption hatte uns auf meine Nachfrage am Vorabend hin dazu geraten das Hotel um sieben Uhr zu verlassen. Ich konnte mir zwar nicht vorstellen, dass wir Berufsverkehr hin oder her eine ganze Stunde zum Bahnhof brauchen würden, aber sicher ist sicher. Außerdem würden wir ja auch noch Kaffee auftreiben müssen.
Also gut, Ende vom Lied? Wir fuhren Bus, weil wir zunächst kein freies Taxi erwischten, uns dann auf der Suche nach einem, Richtung Bushaltestelle bewegten und der Bus überraschenderweise so voll gar nicht war. War mir ehrlich gesagt auch ganz recht zum Festpreis von 1 RMB pro Person im Stau zu stehen, nachdem mich dieser kleine Wichser an der Rezeption schon abzocken wollte…
Bei der Ankunft hatte ich für die ranzige Schlüsselkarte für unser Zimmer Pfand bezahlen müssen. Irgendwas etwas über 100 RMB, hatte jedoch hierfür keinen Beleg bekommen. Dachte ich mir nichts dabei – das war noch nie ein Problem. Heute morgen erhielt ich dann 70 und ein paar Zerquetschte zurück. Also fragte ich nach und dieser Penner versichert mir breit grinsend, das habe schon alles seine Richtigkeit. Als er dann noch „你很漂亮!Very beautiful!“ nachschob, wusste ich, da is was faul. Ich hab ihn nur abfällig angeschaut und dachte mir eigentlich scheiß drauf, blöd gelaufen und dem Kerl üblen Ausschlag an den Eiern gewünscht, da fiel dem Kasper ganz plötzlich doch ein, sich verrechnet zu haben und hält mir einen Hunderter entgegen. 20 solle ich ihm wieder geben – dann stimme es. Ach was…? Kommt schon eher hin..
Der Bus spie uns gegen halb acht vor dem Bahnhof wieder aus und ich betrat seit Jahren mal wieder freiwillig, ja, gar gezielt einen McWürg, genauer gesagt, ein McCafé. Ich gebe zu, die Sucht nach Koffein ist mächtig. Der Kaffee war aber tatsächlich gar nicht schlecht und wir bekamen sogar richtige Becher aus Porzellan.
Am Bahnhof kamen wir auf dem Weg zu unserer Wartehalle, der uns über eine Brücke über die Gleise zur anderen Seite führte, zufällig an einer Darbietung einer chinesischen Militärkapelle vorbei. Zunächst sahen wir sie nur nach und nach Aufstellung beziehen, jeweils vier Soldaten in Flecktarn an mehreren großen Trommeln die in drei Reihen angeordnet aufgebaut waren.
Schließlich wurde es ernst – am Gleis fuhr ein langer Zug ab, was das Startsignal für die Trommler war mit ihren großen Holzstöcken abwechselnd auf die Felle und an die Seiten ihrer Instrumente zu schlagen. Sie taten dies bis auch der letzte Wagen des sehr langen Zuges den Bahnsteigsbereich verlassen hatte. Vermutlich wurde da irgendein wichtiger Militärs verabschiedet? War jedenfalls cool und gute Unterhaltung während unserer Wartezeit.
Je weiter südlich wir kamen, desto mehr ließen wir den blauen Himmel hinter uns. Die Wolken über Nanjing vermischten sich mit den Abgasen, so dass es wirkte als berührten sie beinahe den Boden. Doch kaum brausten wir mit 300 km/h wieder hinaus in die hügelige Landschaft erinnerten mich Wolkenfetzen in verschiedenen Grautönen, die sich teils über die Baumwipfel den Hügelkamm hinunter erstreckten, wieder daran, wie natürliche Wolkenformationen aussehen und welch Schönheit auch ihnen im tristen Grau innewohnt. Man kann dies schon einmal vergessen, wenn man sich durch die Suppe in chinesischen Großstädten bewegt. Der Verstand sagt: „Das ist Smog“, die Lunge sagt: „Ich kann nicht atmen“, aber gleichzeitig fällt es schwer Vergleichsbilder von echten, „gesunden“ Regenwolken abzurufen. Mein Gehirn vermag diese giftige Brühe nicht so recht zu trennen von trüben Novembertagen in Deutschland.
In Shanghai schifft es in Strömen. Ausläufer des Taifuns über Taiwan würde ich fast schätzen – die Wetterkarte macht zumindest diesen Eindruck auf mich. Gott sei Dank, dann hab ich meine Regenausrüstung nicht umsonst mitgenommen! 😉
Wir kamen gegen sechs in unserem Hostel an. Abgesehen davon dass wir leider nur ein Fenster zum Flur haben (ich hatte es bei der Buchung schon befürchtet, aber Fenster zur Außenwelt war nen ganzes Stück teuerer). Aber es ist sauber, klimatisiert, wir haben ein eigenes Bad, frische (heile) Handtücher und es gibt einen gemütlichen, großen Gemeinschaftsbereich. Kaffee gibt es auch. Und eine anhängliche rotgetigerte Katze! Wir sind sehr zufrieden.
Wir sitzen jetzt in der Bar eingesunken in eine plüschige Couch. Im Fernsehen auf CCTV läuft eine Basketballübertragung. Wahre Giganten treten hier gegeneinander an: Gerade noch Quatar gegen VR China, jetzt Iran gegen die Philippinen. Die Mukke is ein bisschen hart. Chinesischer Pop. Soll heißen: Die Couch ist schon echt verdammt bequem.
In unserem Zimmer oben trocknet die Wäsche, die wir gleich nach unserer Ankunft in die Waschmaschine geworfen haben (ich musste nochmal raus in den Regen, um genügend 1 Yuan Münzen aufzutreiben mit denen wir den Waschautomaten füttern konnten. Wäre ja auch langweilig an der Rezeption zu solchen Zwecken Kleingeld zu haben. 😉 Aber ich bin schon wieder ruhig – Qingdao holiday 168 Horror hat mich Demut gelehrt.). Es gibt zwar auch einen Trockner, den wir durchaus auch genutzt haben, aber der macht wie zu erwarten war nur halb trocken. Alles andere hätte mich auch ernsthaft überrascht. Also haben wir jede Hängemöglichkeit im Zimmer ausgenutzt. Sehr chinesisch eigentlich. 🙂
Mal sehen, was wir hier morgen so machen bei dem scheiß Wetter…
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