Eine Woche China haben wir jetzt schon überlebt. Allmählich gewöhnen wir uns an den Straßenverkehr, also daran, dass Ampeln beispielsweise mehr eine Art unverbindliche Empfehlung abgeben, Hupen dagegen stets obligatorisch ist. Auch wenn wir uns nach wie vor die Frage stellen, wie viele Todesopfer er in diesem Riesenland täglich fordert. Im Bestellen von vegetarischen Essen werde ich auch immer besser (bewährt hat sich der Nachsatz “什么动物都不吃” – das lässt sich so grob übersetzen als „egal, welches Tier, essen alles nicht“). Mit dem Bus sind wir mit etwas Vorarbeit im Abgleichen der Haltestellen mit dem Stadtplan bisher auch stets dort angekommen, wo wir hin wollten – wenn auch zumeist sehr durchgeschüttelt. Sitzplätze sind rar, ein guter Klammergriff an den Haltestangen unerlässlich. Wir betrachten es einfach als Workout für Arme und Finger. In Qingdao hat sich der Bus als bestes und günstigstes Fortbewegungsmittel durch die Stadt bewährt. Ansonsten läuft man sich hier mit der Zeit zum Krüppel. 
Die ominöse seit Jahren angekündigte Metro ist übrigens immer noch im Bau. Aber den Metroplan haben sie vorsichtshalber schonmal auf unseren Touri-Stadtplan gedruckt. 
Ausschlafen konnten wir knickem heute, bzw. wurde es ab 6:00 Uhr morgens gestört durch Nachbarn – denn natürlich ist die Bruchbude auch noch saumäßig hellhörig hier – die sich die Bandbreite des chinesischen Fernsehprogramms reinzogen, angefangen mit weinerlicher Flötenmusik bis hin zu aufgeregten Spielshows. 

Zum Frühstück gab es Tuk Cracker, die wir gestern im Supermarkt gefunden hatten. Unsere Testfahrt mit dem Bus zum Bahnhof, eingezwängt wie Ölsardienen, ließ uns beschließen trotz des zwanzigfachen Preises vielleicht doch ein Taxi zu nehmen, da die Wahrscheinlichkeit, dass wir mitsamt unseres Gepäcks morgens um halb acht im Berufsverkehr in den Bus passen gen null tendiert. 

Dafür fanden wir an der Strandpromenade auf dem Weg zum Café eine französische Bäckerei, die zwar wie so oft quasi nur Süßes anbot, doch deckten wir uns hier dennoch mit Proviant für die siebenstündige Zugfahrt morgen ein. 

28 Grad trieben uns dann weg vom Strand in den Zhongshan Park, wo wir trotz der Hitze den namensgebenden Berg erklommen, weg von den leuchtend gelb-schwarz gestreiften Riesenspinnen in gigantischen Gemeinschaftsnetzen, – den im Park integrierten Zoo weigerte ich mich zu betreten – und oben angekommen mal wieder nach einem Bus suchten. Das mit den Bushaltestellen ist hier etwas tricky. Nur weil sich auf einer Seite eine befindet, heißt das noch lange nicht, dass dies auch für die Gegenseite gilt. Dafür sahen wir unterwegs immer wieder deutsche Häuser und abenteuerliche Gerüstkonstruktionen. Wer braucht schon Planken, wenn man genausogut auf den Eisenrohren entlang balancieren kann?! Aber hey, immerhin Helm tragen fast alle… O.o

Letztendlich fanden wir dann doch noch eine Haltestelle der Linie 220, die uns zurück in die Altstadt bringen sollte. Es wurde eine rasante Fahrt meistzeitig bergab, aber wirklich empfehlenswert von der Strecke her. Ich dachte zwischenzeitlich architektonisch, ich sei in Italien. 

Ansonsten zeigte ich Alex nach kurzer Kaffeepause noch die enge Gasse mit zahlreichen Essensständen, die ich bei meinem letzten Aufenthalt in Qingdao schon entdeckt hatte. Ich befürchte nur die zur Schau gestellten Delikatessen wie Oktopus am Spieß, lecker Seestern oder Seeigel zum Löffeln verhagelten ihm zusätzlich zum allgegenwärtigen Fischgeruch ein wenig die Atmosphäre. Ich organisierte uns anschließend vegetarische Nudeln in einem kleinen Restaurant, in dem wir auf dem Fernseher in den Genuss von Jurassic World kamen – original raubkopiert aus Russland mit chinesischen und englischen Untertiteln sowie kyrillisch übersetzten Ortsnamen. Jo, wtf, nur mich hat’s nicht mehr so wirklich überrascht. 😉

Alex hat sich übrigens Pleco heruntergeladen und versucht jetzt ganz eifrig immer wieder mal einzelne Zeichen zu finden und zu übersetzen. 🙂

Es geht nun ans Packen. Morgen früh um neun bringt uns der Zug nach Shanghai, die große chinesische Glitzermetropole. Unser Hostel kann dort nur besser sein als dieses Loch hier und Klamotten waschen müssen wir dort dann auch ganz dringend. Mein nächster Post kommt dann also aus Shanghai! Und bitte eine Runde Daumen drücken, dass mein geliebtes Taiwan in dem aktuellen heftigen Taifun nicht absäuft!

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