Während ich diese ersten Zeilen schreibe, war unsere Suche nach Kaffee erfolgreich, auch wenn Alex gerade fast an seinem Schokomuffin erstickt wäre. Irgendwie ironisch bei all den Dingen, an denen man hier sonst so krepieren könnte. 😉 Keine Sorge, ihm geht es nach einem ausgiebigen Hustenanfall wieder gut. Wir befinden uns in einer der wenigen Starbuck’s Filialen, wovon alle natürlich meilenweit von unserem Hotel entfernt sind. Ach ja, unser Hotel: Klare Negativ-Empfehlung!! Highlights bisher: Noch vom Vorgänger vollgepisste Klobrille in unserem Zimmer und ein völlig zerfetztes Handtuch.
Aber, ich beginne von vorne…
Gestern vormittag nahmen wir den Zug ab Beijing Südbahnhof (dieses Riesenteil mit den je mindestens fünf Mal vertretenen US-Fast Food Filialen). Hier wollten wir eigentlich noch unsere ÖPNV-Sparkarten wieder loswerden, aber diese kleinen Schweinebacken nehmen die Dinger natürlich ausgerechnet hier, wo wahrscheinlich sauviele Leute die Stadt verlassen nicht wieder zurück. Wir hatten jeweils noch knapp 10 RMB aufgeladen plus je 30 RMB Pfand. Die nehmen wir jetzt mit nach Deutschland. Super. Cleveres Geschäftsmodell – muss ich zugeben.
Wir statteten uns noch mit Chips aus – englische diesmal mit Meersalz für stolze 29 RMB – und Wasser und ließen dann das Check-In Prozedere über uns ergehen: 3x Ticket kontrollieren, dabei 1x auch Abgleich mit unserem Pass. Die Tickets sind ja personalisiert und mit der Passnummer versehen. Das hatte unser Ticketagent aber alles sehr vorbildlich gemacht (nochmal ein lobendes Wort an chinahighlights an dieser Stelle), war also kein Problem. Nur das ständige Anstehen nervt, ist aber halt typisch für China.
Fünf Stunden fuhr uns der Hochgeschwindigkeitszug durch die Landen. Vorbei unter anderem an Jinan, wo gerade ganze Stadtteile neu aus dem Boden gestampft werden. Fein säuberlich aufgereiht ragten jungfräuliche Hochhäuser, teils fertig, teils noch im Bau in die Höhe. Mitunter standen sie mitten im Nirgendwo weil der Straßenanschluss noch fehlte. Sah schon irre aus.
In Qingdao selbst kamen wir dann an diesem deutsch-chinesischen Bahnhofsgebäude an, das für mich den Charme dieser Stadt gleich bei der Ankunft schon sehr gut wiederspiegelt: Im Gegensatz zu Shanghai wo in bestimmten Vierteln europäische Architektur konserviert für sich steht, ist Qingdao durchsetzt von offensichtlich deutsch anmutenden Baustilen, die überall verteilt bunt gemixt neben chinesischer Bauart oder gar ganz selbstverständlich vermischt, in Erscheinung treten.
Zum Hotel nahmen wir uns ein Taxi.
Qingdao ist die einzige Station auf unserem Trip, für die ich ein Hotel gebucht habe, weil Hostelworld mir nichts vernünftig gelegenes mehr anbieten konnte. Keine Ahnung was hier gerade los ist. Aber die berüchtigte National Holiday Week steht an, also vielleicht liegt es daran. Also Hotel, aber weiterhin low budget, bitte. Hm, ja, schlechte Idee. Ich glaub, zelten am Strand wäre hygienischer und ruhiger. Als wir nachmittags unser Zimmer bezogen, war die Putzfrau gerade noch beschäftigt. Ich könnte also vielleicht noch auf der Haben-Seite stehen lassen, dass wir sie vermutlich unterbrochen haben und unser Zimmer eventuell etwas sauberer gewesen wäre, hätte sie ihren Job zu Ende bringen können. Aber so: Bett war bezogen, Handtücher lagen bereit, irgendwelches verpackte Zeug ebenfalls. Es war aber nicht geputzt und was ich natürlich besonders widerwärtig fand war die vollgepisste Klobrille. Vielen Dank dm, dass du mir Reise-Desinfektionstücher verkaufst!!
Qingdao holiday 168 schimpft sich das Teil. Pfoten weg! Aber wir werden es wohl überleben.
Die Gegend des Hotels ist eigentlich ganz niedlich. Eher einfaches Wohngebiet, fast nur Einheimische, wir werden angestarrt wie Aliens… 😉
Den Nachmittag verbrachten wir im sehr langweiligen Hochhauskomplex für die Reichen, Schönen und Westler – das hat uns der Dude an der Rezeption empfohlen. Zu diesem Zwecke haben wir mal wieder Bus fahren geübt und horten jetzt unsere 1 RMB Scheine, das kostet eine Busfahrt.
Auf der Rückfahrt testen wir vegetarische Baozi (1 RMB) beim Umsteigen und suchten uns dann gegenüber vom Hotel noch ein Restaurant. Jo, und letzteres artete dann aus… Es schien, dass wir die ersten Westler waren, die seit Menschengedenken diesen Laden betreten hatten und dann auch noch vegetarisch und Antialkoholiker! Ja, was es nicht alles gibt! Es wurde Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt uns mit Nahrung zu versorgen. Wir einigten uns auf Qingcai und irgendwas kaltes in Sojasoße eingelegtes. Und Reis. Dann trank der Besitzer erstmal zwei Gläser Qingdao auf Ex mit uns, weil Freundschaft und Deutschland und so. Und wir machten natürlich mit, weil er so putzig war und wir ihn nicht vor den Kopf stoßen wollten. Sein sehr aufgeregter Angestellter (dem Verhalten nach schwul und unglaublich süß!) erkannte unser Unbehagen sehrwohl und versuchte seinen Chef etwas zu bremsen. Aber es war schon okay. Das Essen kam und ich lernte, dass Muscheln wohl weder zur Kategorie „Fleisch“, noch zu „Fisch“ gehören – klar, heißt ja auch im Deutschen „MeeresFRÜCHTE“… Würg… Aber die Glasnudeln uns das Qingcai waren super. Auch die kalte Vorspeise war gut. Nur bissl arg viel das alles. Und mir ging es zusätzlich auch nicht so besonders gut mit meiner Blasenentzündung. Aber einfach so gehen war dann natürlich auch nicht drin. Ich musste dem Wirt erklären dass wir wirklich satt sind und nur so wenig gegessen haben weil wir müde sind und es viel war und man isst in Deutschland einfach weniger… Wir bekamen dann noch chinesischen schwarzen Tee (supermild und sehr gut!) und unsere Alkoholverweigerung wurde insofern akzeptiert, dass wir fortan mit dem permanent nachgefüllten Tee anstoßen durften (der Nebentisch hatte inzwischen auch sämtliche Hemmungen verloren). Alex wurde ständig zum Rauchen eingeladen und wurde von einem der Gäste zugetextet, der dann immer wieder zu mir sah mit den Worten, „ach ja, er spricht ja kein Chinesisch!“, was sich wohl als Aufforderung zu Übersetzen interpretieren ließ, auch wenn er nur zum fünften Mal wiederholt hatte, wie scheiße er die Amerikaner findet, aber Deutschland, Deutschland ist top! Ich glaube, er hat nur nach Gründen zum erneuten Anstoßen und Trinken gesucht (Alex Tee, er Bier). Ich hatte zwischendurch kurz Sprechpause als die Dame des Nebentisches mir ohne Vorwarnung und unter Kichern ein Eiskonfekt in den Mund steckte (Gott sei Dank hab ich keine Lebensmittelallergien!). Ganz ehrlich, auch ich wurde etwas überrollt von dem Ganzen, aber es war echt ein toller Abend und wir haben uns ehrlich angenommen gefühlt. Das Essen war übrigens trotz Muschel auch gut.
Die oben erwähnte Handtucharie erlebte ich heute morgen nach einer meinem Gesundheitszustand geschuldeten sehr unruhigen Nacht. Ich trocknete mich mit einem Fetzen ab. Aber, machte trocken. Trotzdem…
Dann auf zu Starbuck’s – die Adressen hatte ich der Baidu App (Google Maps auf Chinesisch) am Abend zuvor noch entlockt und auf meiner papiernen Offline Karte, die ich vom Hotel erhalten hatte (auch nur auf Chinesisch) eingezeichnet. Im Westlerviertel sind die Filialen natürlich alle – also quer durch die Stadt. Aber was tut man nicht alles für genießbares Frühstück und KAFFEE – darüber, dass jegliches Essen in dieser Bumsbude von Hotel nicht angeboten wird, beruhigt mich übrigens.
Womit wir da wären, womit ich diesen Eintrag begonnen habe. Inzwischen sind wir wieder im Hotel. Wir haben neue Handtücher und das Bett wurde gemacht. Geputzt? Negativ.
Und sonst? Die Stadt hat coole Seiten wenn man sich von dem Westlerviertel fern hält. Eine berühmte deutsche katholische Kirche befindet sich im älteren Teil der Stadt mit schönen kleinen Straßen, der erwähnten Mischarchitektur und wie wir feststellten zahlreichen gemütlichen, kleinen Cafés. Hier gibt es auch Kaffee. Ergo sparen wir uns die Weltreise morgen und fahren direkt hier hin. Im Zuge dessen können wir auch gleich schon einmal Bus fahren zum Bahnhof üben und die Zeit stoppen. Für Dienstag. 😉
Die Kirche ist, für Kenner europäischer Prunkbauten, relativ unspektakulär, aber in dem Setting zwischen asiatischen Gebäuden und mit sich auf dem Vorplatz für Fotoshootings drängelnden chinesischen Hochzeitspaaren natürlich schon herrlich surreal.
Das mit dem Veggie-Essen hat heute Abend dann übrigens auch funktioniert. Wir erhielten lecker Nudeln in Brühe mit Qingcai und irgendeinem asiatischen Pilz. Nur für uns frisch gekocht. Köstlich.
Den Rückweg traten wir mit einem Umweg über die Strandpromenade an, um die leuchtende Skyline zu bewundern. Alex war schwer beeindruckt. Shanghai wird ihn umhauen. 🙂 Ich freu‘ mich schon auf sein Gesicht.
Ich fand es einfach nur toll am Meer zu sein. Den Geruch von Salz in der Nase, das regelmäßige Schlagen der Wellen. Das Meer büßt nie etwas von seiner Wirkung auf mich ein, egal wo auf der Welt ich bin.
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