Die WordPress App hat mir gerade den gesamten Eintrag gelöscht, weil ich offline gearbeitet habe. Ohne Vorwarnung. Ganz toll. Also nochmal…
Wir sind sehr viel öffentlich unterwegs hier und die aufladbare Sparkarte hat sich inzwischen mehr als ausgezahlt. Bus fahren ist auch überraschend einfach, sicher und eigentlich fahren überall welche. Ohne rudimentäre Chinesischkenntnisse jedoch wohl schwierig, weil englische Pläne fehlen. Das Beijinger U-Bahnnetz ist inzwischen sehr gut ausgebaut, nur sollte man Zeit einplanen wenn man umsteigen muss. Inzwischen haben wir sicherlich so einige Kilometer unterirdisch auf dem Weg zur nächsten Linie zurückgelegt. Allmählich tun uns ohnehin die Füße und Beine weh. Zu viel Bewegung für uns Bürohengste.

Für den dritten Tag hatten wir den Sommerpalast auf dem Zettel. Ein klarer, heißer Tag sollte hierfür die perfekten Bedingungen bieten. Nach Frühstück und Kaffeepause an der Renmin Universität machten wir uns auf zur U-Bahnstation Yuanmingyuan, wie es unser englischer Touriplan (bissl unpräzise, aber kostenlos) für den Besuch des Sommerpalastes vorschlug. Wieder an der Oberfläche fanden wir uns vor einem Park wieder – nicht weiter verwunderlich, heißt ja auch die Station so. Ich kaufte uns all inclusive Tickets, nachdem die Kommunikation mit der Dame am Schalter gescheitert war und lesen sowieso raus fiel. Aber 25 RMB pro Ticket erschien mir einleuchtend für eine Sehenswürdigkeit wie den Sommerpalast – nur in den umliegenden Park wollten wir ja nicht. Kaum im Park trafen wir auf Massen an Chinesen, ihrem Selfie-Stick folgend den Hauptweg entlang trottend, hie und da mit Guide, der in sein Mikrophon plärrt (wer auch immer diesem Volk die Erfindung des Mikrophons gebracht hat, verdient lebenslangen noise terror!) – alles normal also. Wir ließen uns dennoch auf der nächstgelegenen Bank im Schatten nieder, um die Zusatzfeatures auf unseren Tickets zu übersetzen (wir hatten insgesamt drei Abschnitte zum Abreißen, wobei der erste am Parkeingang fällig war). Das Ergebnis war verwirrend: 

  1. Panorama Modell Yuanmingyuan,
  2. Ruinen Stätte. 

Warum würde man sich ein Panoramamodell des Parks, in dem man sich ohnehin gerade befindet, ansehen wollen?! Und wieso bezahlt man dafür dann auch noch? Und seit wann liegt der Sommerpalast (wieder) in Ruinen?

Allmählich dämmerte uns, dass hier irgendwas nicht stimmt. Gewissheit bekamen wir, als wir an einer Übersichtstafel vorbei kamen: Weit und breit kein Sommerpalast. Dafür Tempel, Teiche, künstliche Flüsse und kleine Brücken. Wir wussten immer noch nicht, wo sich unser eigentliches Ziel nun befand, beschlossen aber die Ruhe, klare Luft und liebevoll gestaltete Landschaft in dem weitläufigen Park zu genießen, wenn wir schonmal dort waren. 

Letzten Endes fanden wir dann auch unsere bezahlten Zusatzfeatures: Einen Teil des Parks machte die Ausstellung von Ruinen einst im europäischen Stil in China erbauten Ruinen aus. Irgendwo bei den hübsch drapierten Steinhaufen fand sich zur Abwechslung auch einmal eine Tafel mit englischem Text, der irgendwas über Marco Polo verlauten ließ. Ob dieser in Zusammenhang mit den Ruinen steht, bleibt unklar. Weitere Tafeln ließen uns vermuten, dass die gesamte Parkanlage im Zuge der Opiumkriege von den Engländern zerstört wurde. (Klar, der Sommerpalast müsste schließlich in der Nähe sein. Irgendwie logisch, dass er nicht als einziges dran glauben musste.)

Zu guter Letzt kamen wir auf der Suche nach unserem letzten phänomenalen Zusatzfeature (dem Panoramamodell) noch an schwarzen Schwänen vorbei. Ich hatte in meinem Leben noch keinen schwarzen Schwan gesehen. Und diese hatten sogar noch Junge (dunkelgrau). Wunderschöne Tiere! Und gleich danach – endlich! – das Panoramamodell. Wir wissen immer noch nicht warum jemand hierfür noch einmal extra bezahlen würde. Ein Meisterwerk der Modellbaukunst, sagt Alex, nur halt etwas verstaubt, teilweise beschädigt und irgendwie … überflüssig. 
Wir kamen gegen halb vier wieder raus (am anderen Ende) und suchten uns irgendwie den Weg mit dem Bus zurück in die Zivilisation.

Den Sommerpalast würden wir nicht mehr schaffen – sowohl zeitlich, als auch konditionell. Daher entschieden wir, es noch am Himmelstempel zu versuchen und davor in der Gegend um Qianmen noch etwas zu essen. In einer kleinen Straße entdeckten wir ein hervorragendes Jiaozi Restaurant, das uns auch vegetarisch verköstigen vermochte. (Zucchini geben ausgezeichnetes Füllmaterial ab. Mit Ei und etwas Lauch, Herr Zhu. 😉 )

Bis wir dann jedoch um kurz vor sechs am Tiantan ankamen, war es auch zu spät. Dafür entdeckten wir im Shopping Center gegenüber gleich neben der goldenen Möve das Starbuck’s Logo. Da wir noch ein Konzert genießen wollten am Abend schien Kaffee durchaus angebracht. Wie sich herausstellte, handelte es sich um ein Shopping Center für Westler, wo es das übliche Geklüngel zu kaufen gab: Technik, Seide, Perlen, usw. Leute gucken bei gleichzeitigem Fremdschämen war also angesagt.
Nach einer kurzen Verschnaufpause im Hostel nahmen wir uns ein Taxi zum Mao livehouse, wo eine „Pogo Kissen-Krieg-Hase-Frau“ (wörtliche Übersetzung) angekündigt war. Wie sich vor Ort herausstellte wurde dies brisante Ereignis kurzfristig durch die Behörden untersagt, dafür lud uns der anwesende harte Kern auf Bier und Alex auch auf Zigaretten ein, um über Musik zu fachsimpeln. Es wurde trotzdem noch ein ganz unterhaltsamer Abend, von dem Alex einen guten Eindruck in die chinesische Metalszene mitnimmt. 

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